70 Prozent aller Journalisten sind mit ihrem Beruf unzufrieden

70 Prozent aller Journalisten sind mit ihrem Beruf unzufrieden

Der Online-Marktforscher Marketagent.com erforscht seit 2004 die Eigenwahrnehmung des Berufsstands der Journalisten, heuer wurden dafür über 800 Online-Interviews durchgeführt. Der Grundtenor lautet: Die Stimmung ist grottenschlecht.

Nur 30 Prozent aller Journalisten sind mit ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen zufrieden; besonders kritische Stimmen kommen von freien Mitarbeitern, sowie aus Print- und Onlineredaktionen. Die Zufriedenheitswerte liegen somit auf dem zweitniedrigsten Niveau seit Beginn der Messung, lediglich 2010 war die Stimmung in der Umfrage noch schlechter (26 Prozent). Heuer sind 83 Prozent der befragten Journalisten der Meinung, dass die Bedingungen in den letzten Jahren schwieriger geworden sind. Die Hälfte der österreichischen Journalisten ist überzeugt, dass der eigene Berufstand in der Öffentlichkeit kein gutes Image genießt. Nur 16 Prozent blicken positiv in die Zukunft der eigenen Branche – am pessimistischsten sind Print- und Onlinejournalisten, von denen 75,5 Prozent, beziehungsweise 72,8 Prozent als „eher schwierig“ oder „sehr schwierig“. Die persönliche Perspektive bewerten nur 40 Prozent als rosig – vor zehn Jahren waren es noch zwei Drittel gewesen.

„Es ist vor allem der wirtschaftliche Druck, der den Journalisten zu schaffen macht“, sagt Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.com: 90 Prozent der Befragten Journalisten geben an, dass der Zeitdruck in den letzten Jahren größer geworden ist – 2004 hatten sich nur 43,5 Prozent über einen steigenden Zeitdruck beklagt. Laut Studie sind vor allem Fernsehjournalisten vom steigenden Zeitdruck betroffen. Vom Diktat der Ökonomie fühlt sich heute rund ein Drittel der Journalisten in der Arbeit negativ beeinflusst, gegenüber Erhebungsbeginn ist der Anteil deutlich gestiegen: 2004 spürten 22 Prozent den wirtschaftlichen Druck, heute sind es 35 Prozent.

Gestiegen, aber weniger präsent als der wirtschaftliche Druck sind Belastungen durch Überstunden und die Angst um den Arbeitsplatz: Aktuell ist davon knapp jeder fünfte Journalist betroffen.

Eigene Recherche ist noch immer wichtig

Trotz der insgesamt negativen Stimmung haben die Befragten aber auch positive Punkte zu verkünden. So zeigen sich die Journalisten im Großen und Ganzen mit den verfügbaren Recherchemöglichkeiten zufrieden: Insgesamt 78 Prozent bewerten diese als eher oder sehr zufriedenstellend – im Jahr 2004 war die Zufriedenheit in dieser Hinsicht aber auch höher gewesen.

Auch ist zu beobachten, dass trotz des steigenden Zeitdrucks die Bedeutung von Presseaussendungen (2004: 84,2 Prozent vs. 2015: 70,9 Prozent), Presseagenturen (2004: 71,8 Prozent vs. 2015: 56,6 Prozent) und PR-Agenturen (2004: 61,9 Prozent vs. 2015: 48,1 Prozent) nachgelassen hat. Die wichtigsten Informationsquellen sind heute das Internet (95,2 Prozent) sowie eigene Recherchen (93,3 Prozent).

Schlussendlich sagen außerdem sieben von zehn Befragten (69,3 Prozent), dass Sie sich trotz allem rückblickend wieder für diesen Beruf entscheiden würden. Doch auch hier geht es bergab: Vor zehn Jahren waren noch rund 90 Prozent rückblickend der Meinung, die richtige Berufswahl getroffen zu haben.

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