Studie: Ein Drittel der Filmschaffenden armutsgefährdet

Studie: Ein Drittel der Filmschaffenden armutsgefährdet

Dreharbeiten zum Spielfilm "Egon Schiele" 2015 in der Klimt-Villa in Wien.

Hoher Leistungsdruck, lange Arbeitszeiten, finanzielle Nöte, "unmenschliche Zustände": Das Bild, das heimische Filmemacher von ihrer sozialen und beruflichen Lage zeichnen, verlangt nach Reformen. Zu diesem Schluss kommen die Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS) und der Dachverband der österreichischen Filmschaffenden anhand einer Studie

Neben Tantiemen zahlt die VdFS Lebenskostenzuschüsse an jene ihrer 2.500 Bezugsberechtigten aus den Bereichen Regie, Kamera, Filmschnitt, Szenenbild, Kostümbild und Schauspiel aus, die in eine prekäre Lage geraten sind. Als die Einreichungen 2014 doppelt so hoch waren wie im Jahr davor und sich die Auszahlungsbeträge gar verdreifacht haben, "sind bei uns die Alarmglocken losgegangen", sagte VdFS-Vorstandsvorsitzender Fabian Eder bei einer Pressekonferenz im Künstlerhaus.

Die aus diesem Anlass vom Institut L&R Sozialforschung durchgeführte Studie unter rund 700 beruflich aktiven Filmschaffenden habe nun "unsere schlimmste Befürchtungen bei weitem übertroffen", so Eder - und offenbare eine Gesamtsituation, "die eines zivilisierten Landes im 21. Jahrhundert nicht würdig ist": Knapp ein Drittel der Filmschaffenden kann demnach der einkommensschwachen Gruppe zugerechnet werden und gilt damit als armutsgefährdet - womit der Anteil doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung und viermal so hoch wie unter Erwerbstätigen sei. "Erfolgreich armutsgefährdet" nennt Eder das, ist der internationale Erfolg österreichischer Produktionen doch sichtbar, die Berufsrealität aber weitgehend unbekannt.

Branche im Sozialbereich extrem benachteiligt

Die filmische Tätigkeit ist laut Studie von Diskontinuität, Fragmentierung und fehlender Planbarkeit geprägt: Fast jeder Neunte befindet sich in einer unregelmäßigen Arbeitssituation, knapp jeder Dritte war im Jahr 2014 mit Stehzeiten konfrontiert, also phasenweise zwei oder drei Monate ohne Beschäftigung und ohne Einkommens- und Sozialleistungsbezug. Die sozialversicherungs- und steuerrechtliche Situation ist daher schwierig, die Integration in die Arbeitslosen- und Pensionsversicherung lückenhaft. "Unser Berufsbild ist eine Hochschaubahn", meinte Regisseur Michael Kreihsl, "die uns einerseits Möglichkeiten gibt, wenn wir im Wettbewerb bestehen, auf der anderen Seite im Sozialbereich aber extrem benachteiligt."

Ist ein Filmschaffender beschäftigt, sind Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit die Regel. Gut die Hälfte nennen lange Arbeitstage (mehr als 13 Stunden) und Arbeitswochen (mehr als 60 Stunden) sowie geringe Ruhezeiten (weniger als 11 Stunden). Jeweils ein Drittel der Befragten ist entweder ausschließlich selbstständig, unselbstständig oder in einer Mischform beschäftigt. Wobei bei allen Formen Kurzanstellungen von bis zu maximal drei Monaten dominieren: Fünf unselbstständige Anstellungen haben die Befragten daher durchschnittlich im Jahr - der Maximalwert liegt bei rund 80. Bei den Selbstständigen sind es durchschnittlich elf Aufträge im Jahr. Der Anteil von Filmschaffenden, die alleine und/bzw. ohne Kinder leben, ist dementsprechend im Vergleich mit der erwerbstätigen Bevölkerung hoch und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Befragte ein belastendes Thema.

"Vier Großbaustellen"

"Herausragende Filmschaffende brauchen a la longue eine gesunde Branche, in der sie arbeiten und vor allem auch leben können", bilanzierte Eder, und nannte "vier Großbaustellen" für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen: eine branchenspezifische Sozial-und Pensionsversicherungslösung, eine Anpassung der Arbeitszeitregelung bzw. spezielle Förderung der Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf, eine Weichenstellung für u.a. Wirtschaftsförderung und Produktionsoffensive sowie die Neugestaltung des Kollektivvertrags. Auch andere Berufsgruppen würden Ausnahmeregelungen erhalten, so Kreihsl, "und wir sind eine Gruppe von rund 3.500 Leuten, die viel für die Außenwirkung Österreichs leisten". "Dafür sollten sich die Politiker schon mit uns zusammensetzen, um zu sehen, wie die Berufsrealität ist, und wie man die Vorschläge mit relativ wenig Aufwand umsetzen kann."

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