"Projektmanager sind gewohnt, mit Unsicherheit umzugehen"

Brigitte Schaden. Präsidentin Projekt Management Austria (pma), über Onlinezertifizierung und die Flexibilität von Projektmanagern.

"Projektmanager sind gewohnt, mit Unsicherheit umzugehen"

trend: Wie ist Ihre Organisation als Zertifizierer von Projektmanagementkompetenzen mit dem Lockdown in der Corona-Krise umgegangen?
Brigitte Schaden: Eine Schockphase gab es bei uns nicht. Wir haben von Beginn an die Einschätzungen unserer Stakeholder über die erwarteten Entwicklungen für die nächsten Monate eingeholt. Dabei sind wir schnell zu dem Schluss gekommen, dass es für uns in jedem Fall Sinn macht, Projektmanagement-Zertifizierungen online per Videokonferenz durchzuführen. Das haben wir auf die Beine gestellt und konnten schon Mitte April mit den Onlinezertifizierungen nach IPMA-Standard (Anm.: International Project Management Association) beginnen.

Wie laufen diese jetzt ab, und auf welche Veränderungen mussten sich alle Beteiligten dabei einstellen?
Die Zertifizierungen finden jetzt ortsunabhängig per Videokonferenz statt. Zwei virtuell anwesende pma-Assessoren überprüfen dabei die Kompetenzen. Neben dem theoretischen Wissen werden auch Berufserfahrung und Praxis-Know-how in die Evaluierung einbezogen. Je nach Level gibt es zusätzlich ein Rollenspiel, wo zum Beispiel eine konkrete Verhandlungssituation gelöst werden muss. Die Unternehmen waren froh über unser Angebot, denn viele haben die Zeit genutzt, um in Weiterbildung zu investieren und beim Neustart mit einer besseren Mannschaft dazustehen. Technisch mussten wir uns darauf einstellen, dass Kunden unterschiedliche Kommunikationstools verwenden, und sind da jetzt auch differenziert aufgestellt. Das Setting ist so, dass niemand das Gefühl hat, es sei jetzt leichter, und dass alles nach wie vor den IPMA-Vorgaben entspricht. Am kritischsten waren da unsere eigenen Assessoren. Die hatten ja Vergleichsmöglichkeiten und waren nach dem ersten Onlinetermin überzeugt, dass es auch so geht.

Bleibt das Onlineangebot? Wird es zur "neuen Normalität"?
Nicht als alleiniges Geschäftsmodell, aber wir werden das weiter als kundenfreundliche Alternative anbieten, etwa als Service für Firmen im ländlichen Raum.

Was wird aus Ihrer Sicht im Allgemeinen von den Veränderungen in der Krise bleiben?
Homeoffice und virtuelle Meetings sind gute Beispiele für Chancen auf Veränderungen, die genutzt wurden und bleiben werden. Auch weil man gesehen hat, dass das funktioniert und viel Zeit und Geld spart.

Sie haben gesagt, bei Ihnen gab es keine Schockphase. Macht Projekterfahrung krisenresistenter?
Wer im Projektmanagement arbeitet, muss sich auf neue Situationen einstellen können. Projektmanager sind gewohnt, flexibel und dynamisch zu arbeiten sowie mit Unsicherheit umzugehen. Ich würde sogar sagen, sie mögen das. Insofern ist man mit Projekterfahrung sicher besser auf Krisen eingestellt. Wenn plötzlich das Geschäftsmodell wegbricht, können Methoden des Projektmanagements sehr hilfreich sein. In Projekten geht es immer darum, eine komplexe Aufgabe in einem vorgegebenen Zeitrahmen mit einem bestimmten Budget zu erledigen. Genau darum geht es auch bei der Entwicklung neuer Produkte oder Services. Auch da weiß man, wohin man will, aber nicht genau, wie man hinkommt, es gibt Risiken, und der Erfolg ist unsicher.

Das kennzeichnet heute nicht nur Projekte.
Deshalb verlangen Projektmanagement und Führung heute sehr ähnliche Skills. Auch in einer Linienfunktion ist es notwendig, interdisziplinär und vernetzt zu arbeiten, sich auf kurzfristig verändernde Rahmenbedingungen einzustellen sowie schnell und positiv darauf zu reagieren. Umfeld und Umwelt nähern sich an. Projektmanagementkompetenz ist deshalb eine Basisqualifikation für alle Führungsaufgaben, genau so wie Betriebswirtschaft oder IT.

Zur Person

Brigitte Schaden ist Präsidentin von Projekt Management Austria (pma), der mit rund 1.200 Mitgliedern größten österreichischen Projektmanagement-Vereinigung, einer Plattform für Kommunikation, Austausch und Weiterbildung in diesem Bereich.



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