So integrieren Sie "Pokemon Go" in Ihr Marketing-Konzept

So integrieren Sie "Pokemon Go" in Ihr Marketing-Konzept

Brücke zwischen realer und virtueller Welt: Im Handy-Spiel "Pokemon Go" jagt man digitale Monster in der ganzen Stadt.

Das Handy-Spiel "Pokemon Go" von Nintendo bricht derzeit alle Rekorde und führt zu teils obskuren Situationen auf Wiens Straßen. Unternehmen können mit der App neue Kunden anlocken - das ist vor allem für die Gastronomie und den Handel spannend.

Seit ein paar Tagen spielen sich in Wiens Straßen völlig ungewohnte Szenen ab. Horden an – großteils jungen – Menschen ziehen durch die Gassen, den Blick immer wieder hektisch auf den Bildschirm ihrer Smartphones gerichtet. Zwischendurch kichern sie, heben das Handy in die Höhe, streichen über das Display und laufen anschließend gleich weiter. An manchen Orten der Stadt kommt es zu regelrechten Menschenaufläufen, die Leute sitzen auf Parkbänken oder auf dem Asphalt, tippen auf ihren mobilen Geräten herum. „Ich habe schon wieder ein Rattfratz erwischt“ ist eine für Außenstehende recht kryptisch wirkende Floskel in der neu entstandenen Community, „mein Akku ist leer, hast Du ein Power Bank dabei?“ klingt dagegen schon fast wieder nach deutscher Sprache.

Mit diesem Trailer bewirbt Nintendo das Handy-Spiel "Pokemon Go".

Die Rede ist von „Pokemon Go“ – einem neuen Handy-Spiel, das vor ein paar Wochen zuerst in USA, Australien und Neuseeland veröffentlicht wurde und seit 16.7. auch in Österreich offiziell erhältlich ist. Nach dem Start war das Spiel die meist-heruntergeladene App auf Smartphones und zugleich auch jene, die den meisten Umsatz einbrachte. Nutzer verbringen inzwischen mehr Zeit mit dem Handy-Spiel als mit anderen beliebten Apps, wie WhatsApp und Instagram. Nintendo, das Unternehmen hinter dem Spiel, konnte seinen Aktienwert in wenigen Tagen mehr als verdoppeln – und was den Aktionären gefällt, davon können auch KMU profitieren: Pokemon Go kann selbst von kleinen Unternehmen in das Marketingkonzept integriert werden. Um den Hype zu nutzen, müssen Geschäftsleute aber das Spielprinzip von Pokemon Go zumindest im Ansatz verstehen.

Putzige Monster und schöne Fresken

Bei dem Spiel, das für die Smartphone-Plattformen Android und iOS (iPhone, iPad) erhältlich ist, jagt der Spieler kleine Monster, die sogenannten Pokemons. Der typische Spielbildschirm zeigt eine Karte der näheren Umgebung und die Spielfigur des Spielers. Diese ist an den GPS-Sensor des Handys gebunden und bewegt sich, wenn der Spieler sich in der realen Welt bewegt – was auch erklärt, warum die Nerds in den letzten Tagen die Straßen der realen Welt erobert haben: Sie müssen die eigene Wohnung verlassen, um am Spiel teilhaben zu können.

Hin und wieder taucht auf der virtuellen Karte ein Pokemon auf, das der Nutzer sammelt, indem er einen Spielball – den „Pokeball“ – nach ihm wirft. Die Pokebälle wiederum bekommt der Spieler, indem er sogenannte „Pokestops“ besucht – darunter versteht man auffällige Points of Interest in der näheren Umgebung: Zum Beispiel schöne Fresken in einem Wiener Altbauhaus, eine interessante Statue oder ein Restaurant. Und das ist der Punkt, der für Unternehmer interessant wird.

Lockmodule locken Kunden an

Denn Gegenden mit besonders vielen Pokestops locken dementsprechend viele Pokemon-Spieler an. Das haben die US-amerikanischen Nationalparks ebenso bemerkt wie die Betreiber des Wiener Zentralfriedhofs und der Gedenkstätte des KZ Auschwitz – wer sich hier durch den Andrang von Smartphone-Fetischisten belästigt fühlt, sollte seine Besucher darauf hinweisen, dass bei aller Pokemon-Begeisterung ein gewisser Respekt gegenüber dem realen Ort angebracht ist.

Anders ist die Situation in der Gastronomie: Findet sich ein Pokestop – oder gar eine „Arena“, in der die digitalen Monster gegeneinander kämpfen können – direkt in einer Bar, so zieht dies die Kunden an, die den Zwischenstopp auf dem Heimweg vielleicht auch gleich nutzen, um sich ein Bier zu bestellen. Yelp, eine Empfehlungsplattform für Reisende, springt auf diesen Trend auf: Nutzer können hier dezidiert nach Etablissements suchen, die sich in der Nähe eines Pokestops befinden.

Zwar ist es Glückssache, ob sich eine Bar oder ein Restaurant an einem Pokestop befinden – wer aber in der entsprechenden Situation ist, der kann mit einem kleinen Investment den eigenen Pokestop zusätzlich aufwerten. Denn das Spiel finanziert sich dadurch, dass Spieler gegen reales Geld digitale Werkzeuge kaufen, wodurch sie schneller ans Ziel kommen. Eines dieser Tools ist das so genannte „Lockmodul“: Wird dieses in einem Pokestop installiert, so tauchen mehr Pokemons in der Nähe des Ortes auf – parallel dazu werden auch die Spieler, also potenzielle Kunden, angelockt.

Ein Lockmodul kostet 99 Cent, es kann in der App gekauft werden und lockt die Kundschaft 30 Minuten lang zum Spot – ein Gastronom, der den Umsatz von zwei Krügerln in sein Marketing investiert, kann also einen ganzen Abend lang Kunden ködern. Ein weiteres Asset ist wohl, den Kunden ein WLAN zu bieten – denn die App ist für ihren Datenhunger bekannt, und das drückt auf die Handyrechnung. Auch ausreichend Steckdosen sind nach Ansicht der Kunden ein Asset.

Ebenso könnten Gastronomen die Kontaktdaten ihrer Neukunden sammeln, um sie über weitere Aktionen –etwa das Installieren von Lockmodulen an bestimmten Tagen – via SMS oder Twitter zu informieren und sie somit in Stammkunden zu verwandeln.

Rabatte für Pikachu

Abgesehen von den Spezifika rund um das Spiel können Marketing-Experten auch andere, altbekannte Maßnahmen nutzen – Pokemon Go ist ja nicht der erste Hype, und er wird wohl auch nicht der letzte sein. Ein Konditor, der Punschkrapfen mit Pikachu-Konterfei verkauft, dürfte in der Community entsprechend Absatz finden. Und auch das gute alte Rabatt-System kann hier genutzt werden – etwa 20 Prozent auf Turnschuhe, wenn der Kunde vorweisen kann, dass er auf der Jagd nach einem besonders seltenen Pokemon die Sohlen seines bestehenden Schuhwerks kaputt gelaufen hat (Profi-Tipp: User der Web-Community „Reddit“ haben eine Liste der in Österreich verbreiteten Pokemons erstellt, weitere Informationen und Bilder gibt es im PokeWiki ).

Allerdings sollte sich jeder Unternehmer bewusst sein, dass er mit derartige n Aktionen zwar viele neue Kunden sammelt, diese aber auch das eingangs erwähnte Verhalten zeigen: „Da, auf dem Klo sitzt ein Pummeluff“, dürfte ein Satz sein, den man in diversen Bars über die kommenden Wochen wohl öfter zu hören bekommt. Das mag obskur wirken, lässt aber die Kassen klingeln. Und das ist schließlich eine Sprache, die wir gut verstehen.

Ihre Meinung ist gefragt.

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Virtuelle Karte für "Pokemon Go" in Österreich

Diese Karte wurde von ambitionierten Spielern entwickelt. Sie ist über die Website https://pokemongo.wien abrufbar und zeigt die wichtigsten Hotspots für "Pokemon Go"-Spieler in Österreich.

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