Laute Kritik von Privatsendern und Zeitungen an ORF Start-up-Initiative

Kritisch beurteilen Österreichs Privatsender das Start-up-Beteiligungsmodell des ORF. Dem ORF-Programm würden dadurch finanzielle Mittel entzogen, so der Vorwurf. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl hatten am Mittwoch erste konkrete Schritte zum ORF-Start-up-Cluster präsentiert.

Laute Kritik von Privatsendern und Zeitungen an ORF Start-up-Initiative

Grasl berichtete in der Tageszeitung "Kurier" von Kooperationen mit dem Nachrichtendienst Updatemi und der Grußbotschaft-Plattform Greetzly. Mit zwei weiteren Start-ups gebe es Verhandlungen. Im Rahmen der Initiative beteilige sich der ORF in einem Ausmaß von sieben bis zehn Prozent. In einem Fall sei dabei Geld geflossen, der Großteil laufe über Media-Leistungen wie Werbung oder Kooperationsvereinbarungen, so Grasl. Zugleich bot der Finanzdirektor anderen heimischen Medien und Verlagshäusern an, sich am Start-up-Cluster des ORF zu beteiligen.

Kritik von Privatsendern und Zeitungen

Kritik an diesen Aktivitäten kam umgehend vom Verband Österreichischer Privatsender (VÖP): Auch wenn der ORF betont, dass es sich dabei nicht um Gebührengelder handeln würde, sei es logische Konsequenz, dass die finanziellen Mittel, die der ORF hierfür verwendet, nicht mehr dem ORF-Programm zur Verfügung stehen. Angesichts einer möglichen Gebührenerhöhung ab 2017 erscheine diese Mittelverwendung völlig abwegig.

"Solange der ORF genügend Geld hat, um es in spekulative Projekte zu investieren, kann eine Gebührenerhöhung jedenfalls nicht gerechtfertigt sein. Vielmehr muss über eine Senkung der Programmentgelte diskutiert werden. Offensichtlich ist diese ohne Einbußen im Programm möglich", meinte VÖP-Vorsitzender Ernst Swoboda.

316.000 Euro Personalbudget

Ende 2015 hatte bereits ein Bericht der Tageszeitung "Der Standard" für Staunen gesorgt, laut der für den Geschäftsführer der ORF-Start-up-Tochter, Ex-Futurezone-Chefredakteur Gerald Reischl, und zwei Halbtageskräfte Personalkosten von 316.000 Euro veranschlagt wurden. Die Summe enthält den Dienstgeberanteil.

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) fordert eine Prüfung des Beteiligungsmodells durch die Medienbehörde KommAustria. "Je nach Art der Beteiligung an hochspekulativen Internet-Start-Ups ergeben sich sowohl Fragestellungen rundfunkrechtlicher als auch EU-beihilfenrechtlicher Natur. Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Bereich und Initiativen, um im Kampf gegen große US-Unternehmen zu bestehen, können nicht gleichbedeutend sein mit gebührenfinanziertem Wettbewerb im zeitungsähnlichen Geschäft", sagte VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger dem "Standard".

Oliver Köttnitz, Senior Manager Media & Entertainment Horváth & Partners Düsseldorf

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