Erdogan-Satiren: Springer-Chef deckt Jan Böhmermann den Rücken

Erdogan-Satiren: Springer-Chef deckt Jan Böhmermann den Rücken

Auch Komik-Urgestein Dieter Hallervorden hat nun ein Lied über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan veröffentlicht. Springer-Chef Mathias Döpfner bezeichnet Jan Böhmermanns "Schmähkritik" als "Kunstwerk". Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Fronten zwischen der deutschen Satiriker-Gemeinde und der türkischen Regierung verhärten sich zunehmend. Nach dem Team der TV-Sendung extra3 und dem Satiriker Jan Böhmermann lässt es sich nun auch Komiker-Urgestein Dieter Hallervorden nicht nehmen, sich über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan lustig zu machen. Am Sonntag veröffentlichte er auf der Musik-Plattform Soundcloud den Song "Erdogan, zeig mich an!" als Reaktion auf den jüngsten Umgang der Politik mit Böhmermanns "Schmähkritik". Ein Video soll bald folgen, heißt es von Hallervorden auf Twitter.

Böhmermann hatte das Gedicht mit dem Titel "Schmähkritik" am 31. März in seiner satirischen TV-Show "Neo Magazin Royale" präsentiert - und vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Prompt ermittelt nun die Staatsanwaltschaft, nachdem es Anzeigen gegen Böhmermann und ZDF-Verantwortliche gab. Anlass für das Schmähgedicht war der Protest des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen einen Satire-Beitrag des NDR-Fernsehmagazins "extra 3". Nach eigenen Worten wollte Böhmermann daraufhin an einem praktischen Beispiel erklären, was in Deutschland von der Satire-Freiheit gedeckt sei und was nicht.

Rückenwind vom Springer-Chef

Neben Hallervoirden ergreift nun Mathias Döpfner , Vorstandsvorsitzender des Axel Springer
Verlags, Partei für Böhmermann: "Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht", schreibt der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses ("Bild", "WeltN24") in einem offenen Brief in der "Welt am Sonntag".

In den vergangenen Tagen habe man keinen Beitrag über Böhmermanns Gedicht gelesen, der nicht betont habe, "wie geschmacklos und primitiv und beleidigend" die Satire über Erdogan sei, meint Döpfner. "Das ist ungefähr so originell und aussagekräftig, als wenn man einem Formel-1-Autobauer vorwirft, seine Autos seien aber schnell. Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja - wenn ich es richtig verstanden habe - der Sinn der Sache." Döpfner sieht das Gesicht als "Kunstwerk" und meint weiters: "In Deutschland brach eine Art Staatskrise aus, nur weil Sie Herrn Erdogan als 'Ziegenficker' bezeichnet haben." Döpfner schließt seinen offenen Brief mit den Worten: "Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen."

Weiterlesen: Erdogan und der Streisand-Effekt - Warum man kein Öl ins Feuer gießen sollte

Werbung, Marketing & PR

Markenwertstudie: Google bleibt Erster vor Apple und Microsoft

Werbung, Marketing & PR

Confare IDEAward 2017 – das sind die Gewinner

Judith Schinnerl und Thomas Rybnicek (META/MMO)

Werbung, Marketing & PR

Medienbeobachter META & MMO bündeln ihre Kräfte