"Wir betrachten Airbnb nicht als Mitbewerber"

Andreas Berger, Geschäftsführer Austria Trend Hotels

Andreas Berger, Geschäftsführer Austria Trend Hotels

Andreas Berger, General Manager der Austria Trend Hotels, über Tourismus im Schatten von Terrorismus und die Hotellerie in der Zwickmühle von Online-Buchungs- und Vermittlungsplattformen wie Booking.com und Airbnb.

trend: Herr Berger - Paris, London, Brüssel, München und zuletzt auch Barcelona - europäische Städte wurden in den letzten Jahren immer wieder Ziel von Terroranschlägen. Bemerken Sie, dass bei Reisenden immer ein Gefühl der Unsicherheit mitschwingt?
Andreas Berger: Die Nachricht vom Terroranschlag in Barcelona hat wieder einmal massiv eingeschlagen. Sie hat allen bewusst gemacht, dass die Gefahr latent vorhanden ist. Es stimmt, dass die Unsicherheit bei den Touristen mitschwingt. Aus der Sicht der Amerikaner oder der Japaner liegen auch Paris, London oder Brüssel mit Österreich in einem Raum. Da werden keine großen Unterschiede gemacht.

trend: Wie gehen Sie als Tourismusmanager damit um?
Berger: Man muss realistisch sein. Man wird Terroranschläge niemals ganz verhindern können. Man kann auch keine Dinge ungeschehen machen, also muss man sich dem Problem stellen. Im letzten Jahr haben wir uns daher intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, und ein Krisenmanagement im Unternehmen aufgestellt. Einsatzpläne wurden entwickelt und ein Plan, wie unsere Gäste im Ernstfall umgebucht werden können. Führungskräfte wurden für den Fall der Fälle trainiert und eine doppelte Infrastruktur aufgebaut. Im Wiener Hotel Savoyen wurde eine sichere Zentrale eingerichtet, an der im Krisenfall alle Führungskräfte zusammenkommen. Diese Maßnahmen helfen uns jetzt auch. Besonders Firmen aus Asien fragen bei einer Buchung, ob wir einen Plan für den Fall eines Terror-Anschlags haben.

trend: Macht sich die Terror-Welle auch in Ihrem Geschäft bemerkbar?
Berger: Es klingt vielleicht sarkastisch, aber gerade in Wien wird das Geschäft mit dem Kongress-und Tagungs-Tourismus dadurch beflügelt. Man stellt sich nach den Anschlägen in Brüssel, London, Paris und jetzt auch Barcelona die Frage, wohin man gehen soll. Und Wien gilt immer noch als sicherer Hafen. Das Firmengeschäft hat wohl auch deswegen stark angezogen. Sein Anteil am Gesamtgeschäft ist im ersten Halbjahr von 20 auf 22 Prozent gestiegen. Zum ersten Mal liegen wir mit dem Konferenz- und Meeting-Geschäft über dem Rekordjahr 2008, als die Fußball-Europameisterschaft in Österreich war und die Finanzkrise noch nicht voll durchgeschlagen hatte.


Wien gilt als sicherer Hafen.

trend: Macht sich auch der Wirtschaftsaufschwung in Europa bemerkbar?
Berger: Die Wirtschaft floriert, die Konjunktur zieht an. Das merkt man an den Buchungen. Unternehmen investieren wieder mehr, laden Kunden wieder vermehrt ein.

trend: Das Thema Einladungen schien mit den verschärften Compliance-Bestimmungen eigentlich vorüber zu sein.
Berger: Es ist nach wie vor ein sehr sensibles Thema. Großeinladungen wie es sie früher gab, als Geschäftspartner in Scharen zu den Salzburger Festspielen oder zu den Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel eingeladen wurden, gibt es praktisch nicht mehr. Das Geschäft ist gegen null zurückgegangen. Aber die Leute haben sich daran gewöhnt, nicht mehr zu allem eingeladen zu werden. Sie zahlen sich die Hotels eben selbst. In der Krise gab es auch kein Verständnis dafür, dass Kunden eingeladen werden. Auf der einen Seite sparen zu müssen und auf der anderen Seite viel Geld für Einladungen auszugeben – das passt nicht zusammen.

trend: Die Stadt Wien kämpft seit längerem gegen Online-Plattformen wie Airbnb, die internationale Hotellerie ebenso. Wie ist denn Ihre Meinung dazu?
Berger: Airbnb & Co betrachten wir nicht wirklich als Mitbewerber. Dort werden private Wohnungen an Touristen vermietet. Es ist vielleicht ganz nett und mag auch Charme haben, in einer Wohnung zu wohnen. Aber wenn der Wohnungsbesitzer nicht da ist, hat man auch nichts davon. Unser Geschäft lässt sich nicht nebenher verrichten. Unser Fokus liegt auf einem tollen Aufenthalts-Erlebnis. Dazu gehören tolle Betten, ein ebenso tolles Frühstück, ein Concierge-Dienst, ein gutes Angebot an Essen und vieles mehr.
Dazu braucht man auch gute Mitarbeiter. Es wird ein immer größeres Problem, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Mit einer Mitarbeiterakademie und einer Lehrlingsoffensive halten wir dagegen. Das ist einer der Vorteile, den wir als großes Unternehmen haben: Wir können unser Personal selbst ausbilden..

trend: Und wie steht es um Online-Buchungsplattformen wie Tripadvisor und Booking.com und deren Bestpreis-Klauseln?
Berger: Es steht jedem in der Branche frei, ob er mit Booking.com zusammenarbeiten will. Ob man sich auf die dort geltenden Bestpreise einlässt oder eben nicht. Wir haben uns dafür entschieden, denn in unserem Geschäft hat Booking.com mittlerweile eine sehr starke Position. In manchen Häusern ist Booking.com bereits der größte Kunde.

trend: Die weit verbreitete Sorge vor schlechten Kommentaren und Bewertungen teilen Sie nicht?
Berger: Wir leben von dem, wie es den Gästen bei uns gefällt. Die Quality-Ratings der Online-Plattformen sind dafür mittlerweile ganz wichtige Gradmesser. Mit einem Fünf-Sterne-Hotel mit einem Rating von 7,6 hat man bei Online-Buchungen gegen ein Drei-Sterne-Haus mit einem Rating von 9 keine Chance. Die Kommentare sind für uns außerdem extrem wertvoll für die Verbesserung unseres Angebots.

trend: Das kann aber auch einen ziemlichen Investitionsdruck schaffen. Immer wieder schlittern Hotels in die Pleite, weil ihnen die Kosten über den Kopf wachsen.
Berger: Entscheidend ist die Flächen-Effizienz, also die Gesamtkosten und Einnahmen pro Quadratmeter Zimmerfläche. Deshalb funktionieren auch Budget-Hotels sehr gut. Dort sind die Zimmer klein und die sonstigen Räume ebenfalls, also die Einnahmen pro Quadratmeter daher relativ hoch. Auf der anderen Seite kann man keine Luxus-Wellness-Anlage für eine Hand voll Gäste einrichten. So eine Investition muss sich natürlich rechnen. Wir investieren daher auch in andere Dinge wie ein Online-Buchungssystem oder ein Kundenbindungsprogramm. So konnten wir in den vergangenen Jahren jeweils um 60 bis 70 Prozent über dem Markt wachsen.


Zur Person

Andreas Berger , 52, ist seit Anfang 2013 Geschäftsführer der zur Verkehrsbüro Gruppe gehörenden Austria Trend Hotels (Verkehrsbüro Hotellerie GmbH). Wirtschaftlicher Eigentümer des Unternehmens ist die Wiener Städtische/Vienna Insurance Group.

Die Austria Trend Hotels umfassen 27 Häuser, davon 17 in Wien und vier in Salzburg. 2016 erzielte die Hotelgruppe einen Jahresumsatz von 148,6 Millionen Euro. Das erste Halbjahr 2017 war eines des besten in der Unternehmensgeschichte. Aus heutiger Sicht zeichnet sich der höchste Umsatz der letzten zehn Jahre ab. Vor allem in Wien ist die Entwicklung mit einem Umsatzplus von 13 Prozent Halbjahr sehr dynamisch.

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