Viele Fragen für Hoteliers vor der Wiedereröffnung

Wie soll die Hotellerie hochfahren? Noch fehlen die behördlichen Vorgaben für die Umsetzung. Tourismusberater Klaus Ennemoser ortet große Unsicherheit in der Branche.

Hochsölden

Toursimusort Hochsölden: Wie in ganz Österreich stehen die Hoteliers auch hier vor der Frage, wie der Betrieb nach dem Corona-Shutdown wieder aufgenommen werden kann.

Der Countdown für den 29. Mai, dem Tag der möglichen Wiedereröffnung von Hotels, tickt unaufhörlich. Hoteliers haben spätestens mit der Online-Wirtekonferenz auf klare Regeln für den Betrieb gehofft. Doch auch weniger als drei Wochen vor dem Eröffnungstermin, gibt es noch immer viele Unklarheiten! Planungen sind so fast unmöglich, besonders für Betriebe, deren Existenz von der Sommersaison alleine abhängig ist.

Der Tiroler Tourismusberater Klaus Ennemoser wendet sich mit einer Aussendung an die Politik. Die in der Gastronomie-Pressekonferenz vom 08. Mai 2020 erwähnt einwöchige Vorlaufzeit für die Hotellerie sei viel zu knapp. In der Theorie getroffene Aussagen hielten in der Praxis nicht immer stand, betont er.

Detail-Regeln noch unbekannt

Ennemoser kritisiert auch das Fehlen der spezifischen Regeln für die Hotellerie, nach denen sich die Unternehmer richten und planen können. Die allgemeinen Regeln bezüglich Abstand und Hygiene, welche auch für die Gastronomie gelten, seien hinreichend bekannt, der Hotellerie fehlen aber noch wichtige Parameter, anhand derer sie entscheiden kann, ob überhaupt und mit welcher Kapazität ein Betrieb öffnen soll.

Tourismusberater Klaus Ennemoser

Tourismusberater Klaus Ennemoser

Es wären einige essentielle Fragen zu klären, bevor überhaupt der betriebswirtschaftliche Planungsprozess starten kann, meint der Tourismusberater. Ennemoser: "Es macht wenig Sinn, die Zeit mit Spekulationen über die Maßnahmen zu verbringen, wenn die Zeit für operative Umsetzung ohnehin schon zu knapp ist. Man wird wohl zwischen einem theoretisch möglichen und einem praktischen Eröffnungstermin unterscheiden müssen."

Geklärt werden müssten seiner Einschätzung nach:

  • Regelungen und Leitlinien hinsichtlich Kapazität und Verpflegung.
  • Sind nur operative Maßnahmen erforderlich oder auch bauliche?
  • Fristen: Bis wann können diese Maßnahmen umgesetzt werden?
  • Sind Lieferengpässe zu befürchten, wenn erst knapp vor dem möglichen Eröffnungstermin die Regeln bekannt werden?
  • Wie sieht es mit der touristischen Infrastruktur aus? Kann diese nur teilweise oder vollumfänglich genutzt werden?

"Die Regeln für die Hotellerie hätten vor jenen der Gastronomie aufgestellt werden müssen", kritisiert Ennemoser. Das praktische Umsetzen von notwendigen Maßnahmen könne nicht innerhalb einer Woche erfolgen.

Markt- und Konsumverhalten

Die – leider noch nicht festgelegten - regulativen Maßnahmen hätten auch einen großen Einfluss auf das Buchungsverhalten der Gäste und darauf, ob nach Einschätzung des Hoteliers Gäste überhaupt in seinen „Hotelbetrieb mit neuer Normalität“ kommen wollen. Um einen ganzen Tag mit der Gesichtsmaske herzumlaufen, werde die Bereitschaft auf Urlaub zu fahren, eher sinken. Dazu komme noch der Einfluss der Reisebeschränkungen, das massive Werben um den Inlandsgast in den Herkunftsmärken und weitere Erschwernisse.

Um Marketing zu betreiben, Mitarbeiter anzustellen oder Einkäufe in den Zulieferbetrieben zu tätigen müsse erst eine valide betriebswirtschaftliche Planrechnung erfolgen. Und für eine solche Finanzplanung fehlen die Parameter. Auch Arbeitsverträge und Zusagen für Mitarbeiter könnten erst dann gegeben werden, wenn das Betriebskonzept für den Sommer 2020 steht.

Schlussendlich geht es darum, genau zu prüfen, ob in der Sommersaison etwas verdient werden kann und nicht am Saisonende die Schulden gestiegen sind", meint Ennemoser. "Es handelt sich um ein existenzielles Thema, deshalb will Opening und Closing der Sommersaison 2020 genau geplant sein."

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