UNESCO droht Wien mit Entzug des Welterbe-Status

UNESCO droht Wien mit Entzug des Welterbe-Status

Wiens historisches Zentrum droht seinen Status als Welterbe zu verlieren. Die UNESCO hat es auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Das Hochhausprojekt am Heumarkt war ausschlaggebend für Entscheidung. Wiens Altstadt verliere durch die "massive städtebauliche Entwicklung der letzten Jahre" ihren "außergewöhnlichen, universellen Wert".

Wiens Innenstadt droht den Status als Welterbe zu verlieren. Die UNESCO hat das historische Stadtzentrum auf die Rote Liste gefährdeter Kulturgüter gesetzt. Ausschlaggebend für die Entscheidung war der geplante Hochhausbau am Heumarkt. Das historische Stadtzentrum verliere dadurch seinen außergewöhnlichen, universellen Wert.

Die UNESCO hatte bereits andere Bauprojekte beanstandet, etwa die Neubauten im Bereich des Bahnhofs Wien Mitte und beim Hauptbahnhof. Die Höhe und Kubatur des geplanten, 66 Meter hohen Hochhauses am Heumarkt neben dem Hotel Intercontinental, das ebenfalls neu gebaut werden soll, war war der UNESCO nun zu viel.


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  • Der Streit ums Welterbe Analyse von Georg Eisenberger, Univ.-Prof. für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft an der Uni Graz mit Schwerpunkt Bau-und Raumplanungsrecht. Der Partner der Wirtschaftskanzlei Eisenberger & Herzog begleitete erfolgreiche Bewilligungsverfahren für Projekte in Graz und Salzburg, bei denen mit dem Entzug des Weltkulturerbes dagegen argumentiert wurde.

Das 2001 als Welterbe aufgenommene "Historische Zentrum von Wien" umschließt die Innere Stadt sowie die Areale von Schloss Schwarzenberg, Schloss Belvedere und dem Kloster der Salesianerinnen am Rennweg. Es umfasst eine Kernzone von ca. 3,7 Quadratkilometern und eine Pufferzone von 4,6 Quadratkilometern, insgesamt also knapp zwei Prozent des Stadtgebiets.

"Blamabel für Wien"

Die Stadtplanungsinstrumente zum Schutz des Welterbegebiets unzureichend, begründete die UNESCO die Aufnahme in die Rote Liste. "Die nun erfolgte Eintragung auf die Rote Liste schadet dem Kulturland Österreich, ist blamabel für die Stadt Wien und Österreich. Es zeigt die fehlende Wertschätzung für das selbst ausgewählte Welterbegebiet und auch das Unverständnis für die Bedeutung des Welterbes. Es geht beim Welterbestatus nicht um ein Tourismus-Ranking oder ein Etikett für die touristische Vermarktung, sondern um den langfristigen Erhalt einer außergewöhnlichen Stätte für die Menschheit, für zukünftige Generationen", erklärte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission in einer Aussendung.

Österreich hat nun bis zum 1. Februar 2018 Zeit, dem Welterbekomitee ein Update über den Erhaltungszustand der Welterbestätte zu übermitteln. Sollte die Wiener Stadtregierung die erforderlichen Maßnahmen nicht umsetzen, droht als nächster Schritt die Aberkennung des Welterbestatus.

Um wieder von der Roten Liste zu kommen, müsste die Stadt Wien das Bauprojekt am Heumarkt so umplanen, dass die von der UNESCO vorgegebene Maximalhöhe von 43 Metern eingehalten wird. Zudem müsste die Stadt verbindliche Planungsinstrumente zum Schutz des Welterbes schaffen. "Die UNESCO möchte kein Welterbegebiet verlieren, weshalb sie so lange an die Staaten appelliert und ihnen die Richtung weist", sagte Eschig. Eine Bewegung der Stadt Wien in die richtige Richtung erscheine ihr allerdings mittlerweile "sehr unwahrscheinlich".

Die Einschätzung und die Drohung der UNESCO sind jedoch auch nicht ohne Kritik. Universitätsprofessor Georg Eisenberger hat in einem Kommentar für den trend bereits analysiert, dass die Aberkennung des Status aus touristischer Sicht keine Auswirkungen haben dürfte. Kritik übt er auch an den Prüfern der UNESCO. Bei diesen handle es sich zumeist um pensionierte ehemalige Denkmalschützer, die als "Gegenleistung" für ihre gutachterliche Wohlmeinung sachlich nicht begründete und wirtschaftlich kaum zu rechtfertigende Projektverkleinerungen fordern.

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