Tourismus: Branche in der Billig-Falle

Trotz Nächtigungsrekorden stehen zahlreiche österreichische Tourismusbetriebe vor Existenzproblemen. ÖHV-Chefin Michaela Reitterer sieht die Branche in der Falle der Billigangebote.

Tourismus: Branche in der Billig-Falle

Ungetrübte Aussichten gibt es in Österreichs Tourismusbranche derzeit selten.

Die zwei Seiten des Tourismusgeschäfts: Während offiziell Stellen einen Anstieg der Nächtigungszahlen und Umsatzsteigerungen feiern, sehen Branchenvertreter die Lage der Tourismusbetriebe differenzierter. "Der Nächtigungsrekord wurde mit Billigangeboten erkauft", meint etwa Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Das ließe sich auch aus den Zahlen herauslesen: Wenn das Nächtigungungsplus um 4,2 Prozent gestiegen ist, das Umsatzplus aber gleichzeitig nur um 1,7 Prozent, dann ist bedeute das eine Verringerung der Einnahmen pro Nächtigung und eine Verschiebung in Richtung günstigerer Angebote.

"Die Urlauber sparen, die Krise steckt noch immer in ihren Köpfen", meint Reitterer weiter. Die Branche habe im vergangenen Jahr weder die von der Regierung beschlossenen Steuererhöhungen noch andere Kostensteigerungen wie etwa die für Investitionen oder neue Mitarbeiter verdient.

Petra Nocker-Schwarzenbacher, Tourismus-Bundesspartenobfrau der WKO warnte angesichts der gesunkenen Ertragskraft der Betriebe schon im März, dass viele österreichische Tourismusbetriebe trotz der Nächtigungsrekorde vor Existenzproblemen stehen. Sie sieht dafür die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Verlängerung von Abschreibungszeiten als hauptverantwortlich. In Österreich wurde die Mehrwertsteuer für Übernachtungen mit der Steuerreform 2016 von zehn auf 13 Prozent erhöht. In den Nachbarländern gelten teilweise deutlich niedrigere Sätze. In Italien müssen Tourismusbetriebe etwa zehn Prozent, in Deutschland sieben Prozent und in der Schweiz gar nur 3,8 Prozent abführen.

Abshreibung über vier Jahrzehnte

Auch die Verlängerung der Abschreibungszeit von Gebäuden auf 40 Jahre wird kritisiert. Derzeit gebe es zwar eine gewisse Entlastung durch die niedrigen Zinsen, dennoch koste die lange Abschreibungszeit die Tourismuswirtschaft insgesamt 150 Millionen Euro, rechnet Nocker-Schwarzenbacher vor. Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Austria, bekrittelt die vier Jahrzehnte lange Abschreibungsdauer als "lebensfrend", da praktisch kein Gebäude über vier Jahrzehnte unverändert bleibe.

Auch die Steigerung des geförderten Investitionsvolumens der Branche um 63 Prozen sei laut ÖHV-Chefin Reitterer kein Grund, um auf eine übermäßig positive Stimmung in der Branche zu schließen. Tatsächlich lägen diese Investitionen sogar unter dem Wert von vor zehn Jahren. Nur 2013 und 2015 wurde noch weniger investiert. "Wer diese Fakten ausblendet, wird falsche Schlüsse ziehen“, mahnt Reitterer.

Für den Preisdruck in der Branche gibt es allerdings auch noch weitere Ursachen, etwa die zahlreichen Online-Vergleichsportale und Vermittlungsplattformen, über die Nächtigungen oft deutlich unter den offiziellen Tarifen angeboten werden. Für jeweils rund ein Drittel der Beherbergungsbetriebe sind auch die Registrierkassenpflicht, die Rauchergesetze und die Pflicht zur Barrierefreiheit ein finanzielles Problem. „Wir müssen wegkommen von Überregulierung, Belastungen und dem Überbewerten von Indikatoren wie der Nächtigungsentwicklung", sagt Reitterer, "im Zentrum einer zukunftsorientierten Tourismuspolitik muss die Wertschöpfung stehen.“

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