Tiroler Sommer-Posse um Zusatzstoffe im Kunstschnee

Tiroler Sommer-Posse um Zusatzstoffe im Kunstschnee

Zusatzstoffe sollen die Effizienz von Schneekanonen und die Eigenschaften von Kunstschnee verbessern.

Das Tiroler Landesverwaltungsgericht hat die von den Seefelder Bergbahnen angestrebte Beimischung gestattet. Die Seilbahnwirtschaft und Landeshauptmann Platter hatten sich prompt dagegen ausgesprochen. Und Seefeld wieder einen Rückzieher gemacht.

Eine sommerliche Farce um Proteine, die Kunstschnee zur Verbesserung der Haltbarkeit beigemischt werden sollen: Mitten in der anhaltenden Schönwetterperiode des Sommers 2018 sorgte eine Entscheidung des Tiroler Landesverwaltungsgerichts (LVwG) für Aufregung. Das Gericht hatte - unter bestimmten Auflagen - die Beimischung des Zusatzstoffes "Snomax" bei der Erzeugung von Kunstschnee genehmigt. Es war bereits das zweite Mal, dass die Causa das Tiroler LVwG beschäftigte. In erster Instanz war dessen noch negativ ausgefallen, die Seefelder Bergbahnen hatten das Urteil jedoch angefochten und in der Folge Recht bekommen.

"Eine wasserrechtliche Bewilligung kann nicht aufgrund allfälliger Imageschäden oder aufgrund der öffentlichen Meinung versagt werden", heißt es in der Begründung des LVwG. Nachdem das von der Wasserrechtsbehörde durchgeführte Ermittlungsverfahren unbestritten ergeben habe, dass der Einsatz des Zusatzstoffes Snomax keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tiere, Pflanzen und die Umwelt erwarten lasse und auch sonst keine Beeinträchtigungen von rechtlich relevanten öffentlichen Interessen zutage getreten seien, habe das Landesverwaltungsgericht der Beschwerde Folge zu geben.

Weißer Goldrausch

Auf der Website der Herstellerfirma "Snomax" aus Colorado, USA, wird das eigene Produkt als eisiger Traum für den Wintertourismus angepriesen. "Dank Snomax kann Schnee in einer besseren Qualität erzeugt werden, der zudem länger hält. Da mehr Wasser schneller zu Schnee ausfriert können die wertvollen Ressourcen Wasser und Energie gespart werden." So das Versprechen des Unternehmens auf seiner Website. Das Produkt selbst besteht aus Eiweißstoffen aus dem Bakterium "Pseudomonas syringae", die als zusätzliche Nukleide wirken und so einen verbesserten Kristallisationsprozess ermöglichen.

Pseudomonas syringae zählen zu den eisbildenden Organismen, die auch in der Atmosphäre für die Bildung von Schneeflocken oder Regentropfen verantwortlich sein können. Bei der Herstellung von Snomax werden die Proteine aus den Bakterien gewonnen, zu einer Schlacke verarbeitet und gefriergetrocknet. Die noch lebenden Bakterien werden anschließend abgetötet. Mit Hilfe des Gefrierbeschleunigers verspricht das Unternehmen Snomax, die Effizienz der Kunstschneeproduktion um bis zu 40 Prozent steigern zu können und obendrein einen haltbareren Schnee zu generieren, der sich obendrein auch besser bearbeiten lässt.

Mehr, besseres, sichereres und haltbarerers Weißes Gold - das Versprechen des US-Unternehmens ist Musik in den Ohren der Winter-Tourismusbranche. Zumal sich Snomax auch auf eine - allerdings nicht näher genannte - Studie der Regierung Kanadas beruft, derzufolge bei einem Einsatz in allen Kanadischen Skigebieten nicht mehr Organismen in Umlauf kommen würden, als auf 100 Blättern eines Baumes leben.

Dabei gilt es jedoch als erwiesen, dass Pseudomonas syringae verschiedene Pflanzenkrankheiten wie Baumkrebs, Welke oder Flecken verursacht. Unterschiedliche Stämme, befallen unterschiedliche Pflanzenarten, darunter auch einige wichtige Nutzpflanzen wie Rüben, Weizen, Soja, Bohnen, Erbsen, Flieder, Tomaten der Holzäpfel.

Front gegen Zusatzstoffe

Seilbahnen-Obmann Franz Hörl sah jedenfalls prompt eine rote Linie überschritten und forderte ein Machtwort seitens der Landespolitik. "Wenn schon die Gerichte hier keine Sensibilität haben, dann ist die Politik am Zuge", polterte er. Seilbahnunternehmen, die Zusatzstoffe anwenden, dürften keine öffentlichen Mittel, auch keine seitens der Tourismuswerbung, bekommen, verlangte Hörl, der einen Imageschaden für die gesamte Seilbahnwirtschaft befürchtete. Er sah das selbst auferlegte Reinheitsgebot der Skigebiete in Gefahr und mahnte: "Wir werden die schwarzen Schafe namhaft machen und überlegen eine Aufstellung jener Skigebiete zu veröffentlichen, die sich an unser Reinheitsgebot halten"

Prompt meldete sich auch der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter zu Wort. Er gab das Bekenntnis ab, in Zukunft auf jeglichen Zusatz bei der Schneeerzeugung verzichten zu wollen. "Als Tourismusland Nummer eins setzen wir auf hundertprozentige Authentizität. Künstliche Zusatzstoffe passen für mich nicht zu einem glaubwürdigen Tiroler Naturerlebnis", versicherte der Landeshauptmann.

Die Infrastrukturförderungen würden entsprechend angepasst, kündigte Platter an: "Wir werden in der künftigen Richtlinie keine Infrastrukturförderungen etwa für Seilbahnen mehr gewähren, wenn außer Wasser und Luft künstliche Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden." Für den Fall, dass dennoch Zusatzstoffe verwendet werden, sei keine Förderung auszubezahlen oder eine erhaltene Förderung zurückzuzahlen. Platter brachte auch legistische Maßnahmen ins Spiel. "Es ist höchst an der Zeit, auch rechtlich alle möglichen Maßnahmen für ein Verbot von Zusatzstoffen bei der Schneeerzeugung zu erheben", meinte er und gab in Auftrag, eine gesetzliche Grundlage zu prüfen, dass künstliche Zusatzstoffe bei der Schneeproduktion ausgeschlossen werden können.

Das vorläufige Ende der sommerlichen Farce: Die Seefelder Bergbahnen machen einen Rückzieher und werden trotz der richterlichen Erlaubnis auf die Beimischung von Zusatzstoffen in Kunstschnee verzichten. Much Ado About Nothing.

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