Schweizer Reisekonzerne hinken den Kunden hinterher

Die drei Schweizer Reisekonzerne Hotelplan Suisse, Kuoni Schweiz und TUI Suisse haben im laufenden Jahr keinen Grund zum Jubeln. Anders sieht es bei Anbietern aus, die sich ausschließlich auf Individualreisen spezialisieren. Der Grund: Bei den Großen bricht das Massengeschäft weg, das sie selbst mit margenträchtigeren Individualreisen nicht kompensieren können.

Schweizer Reisekonzerne hinken den Kunden hinterher

Luxus-Schiffsreisen verkaufen sich prächtig - aber der starke Schweizer Franken setzt der Branche zu.

Die Migrostochter Hotelplan Suisse verbucht ein Minus von 1 bis 5 Prozent; Kuoni Schweiz, in Besitz der deutschen Rewe, denkt derzeit über Entlassungen nach und liegt gar im zweistelligen Minusbereich, schätzt das Fachmagazin Travel Inside die Umsätze der Reisekonzerne im laufenden Jahr. Von TUI Suisse, das von Skaleneffekten mit dem Haupthaus TUI in Hannover profitiert, sind keine Angaben zu bekommen.

Starker Franken ließ die Preise sinken

In Zusammenhang damit kennt auch das Preisniveau nur eine Richtung: nach unten. Bereits 2015 wurden Reisen im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent günstiger. Ließ sich der Preisrutsch damals noch mit dem Frankenschock begründen, zeigt sich aber auch 2016, dass die Preise weiter sinken. Was die Kunden freut, stellt die Anbieter jedoch vor Probleme.

Im Gegensatz dazu vermelden Veranstalter wie Knecht Reisen und Globetrotter ein Plus von jeweils 2 Prozent. Beide haben sich auf das Angebot von Individualreisen spezialisiert. So verzeichnet beispielsweise der Politreiseanbieter Background Tours bei Globetrotter den höchsten Zuwachs, sagt Andre Lüthi, CEO der Globetrotter Gruppe gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Sehr zufrieden zeigt er sich auch mit den Luxus-Schiffsreisen in die Arktis und die Antarktis: "Lernen und Entdeckergeist stehen bei den Reisenden im Vordergrund", sagt Lüthi.

Auch das Buchungsbarometer von Travel Inside und Reise-Treuhand zeigt für Ende Mai den Trend, dass Reisebüros ein Plus von 6,9 Prozent verbuchen - Büros mit einem hohen Anteil Individualreisen sind dabei eindeutig besser unterwegs.

Beratung vs. Internet

"Das klassische Reisebüro, wo dem Kunden ein Katalog für Badeferien in Thailand in die Hand gedrückt wird, funktioniert nicht mehr", kommentiert Lüthi. Gefragt seien vielmehr der persönliche Kontakt und kompetente Beratung von Spezialisten, die das Reiseland kennen.

Hinter diesen Aussagen steckt die Erkenntnis, dass wegen Terroranschlägen für eine gewisse Zeit einzelne Destinationen wegbrechen - momentan beispielsweise die Türkei, Tunesien oder Ägypten - und, dass wegen des Frankenschocks Preise und Umsätze sinken.

Die Tatsache, dass Kunden ihre Badeferien mit wenigen Mausklicks im Internet selbst buchen, ist jedoch eine dauerhafte Veränderung im Kundenverhalten, die von den Anbietern neue Strategien verlangt.

"Bei den klassischen Badeferien handelt es sich um ein Massengeschäft, bei dem sich die Angebote der Anbieter kaum unterscheiden", sagt Marcel Schlatter, Sprecher bei Kuoni Schweiz. Wegen des Internets herrsche ein enormer Wettbewerb und damit verbundener Preiskampf. Lüthi zieht daraus einen Schluss: "Wir müssen lernen, das zu tun, was das Internet nicht kann."

Damit deutet er an, dass das Problem in der Reisebranche ein Grundsätzliches ist: Die Reisekonzerne wurden einst groß mit dem Geschäftsmodell der Charter-Reisen, mit eigenen Flugzeugen und eigenen Resorts in den Feriengebieten. Heute ist das jedoch kein Geschäftsmodell mehr.

Kunden nuchen ihre Pauschalreisen selbst

Bei TUI Suisse ist der Anteil der Pauschalreisen größer als jener der Individualreisen, die in der Art eines Baukastensystems für jeden Kunden zusammengestellt werden. Bei Hotelplan Suisse sind beide Bereiche etwa gleich groß.

Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir sagt, dass die Individualreisen "margenstärker" seien und dass der Reiseveranstalter im ersten Halbjahr 2016 (November bis April) mit diesem Bereich "knapp über dem Vorjahr" liege. Kuoni Schweiz macht keine Angaben.

Die großen Reisekonzerne setzen also nach wie vor zu einem überwiegenden Teil auf das Massengeschäft mit Pauschalreisen. Fatal daran ist, dass sie ihren Kunden damit hinterher hinken. Die buchen nämlich ihre Pauschalreise selbst. Wenn sie aber Beratung brauchen, bevor sie sich aufmachen in fremde Länder, dann sind sie auch bereit dafür zu bezahlen. Das zeigen die Anbieter von spezialisierten Individualreisen.

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