Reisereportage - Pura Vida: Naturparadies Costa Rica

Reisereportage - Pura Vida: Naturparadies Costa Rica

Das mittelamerikanische Costa Rica bietet viele Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen Urlaub: Tropisches Klima, Strände, Regenwälder, Vulkane sowie eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.

Das mittelamerikanische Land Costa Rica punktet mit Stabilität, guter touristischer Infrastruktur, Naturerlebnissen in zahlreichen Nationalparks, einer beeindruckenden Flora und Fauna, tollen Stränden und freundlichen Menschen. Und von Österreich aus ist die sogenannte "Schweiz Mittelamerikas" leicht erreichbar. Eine Reisereportage.

San Jose. Wenn sich der Autor dieses Berichts aus diversen Schwimmhilfen eine provisorische Luftmatratze bastelt, um genüsslich im riesigen Pool zu dümpeln, dann muss es schon wirklich heiß sein: Und das war es in Uvita an der Costa Ricanischen Pazifikküste im Hotel Christal Ballena zum Abschluss einer intensiven, aber abwechslungsreichen Rundreise.

Das Christal Ballena wurde vom pensionierten Salzburger Notar Waldemar Steiner und seiner Frau Hertha errichtet – und wird mittlerweile von seinem Sohn Andreas Steiner und dessen Lebensgefährtin Angelika geführt. Die Steiners haben sich so wie viele andere auch in das mittelamerikanische Land verliebt – und sich entschlossen dort zu bleiben.

Im Ort selbst, in dem erst in den vergangenen zehn Jahren der Tourismus eingezogen ist, fliegen paarweise rote Aras und sitzen so wie – Überraschung – Leguane in den Bäumen herum; das Bild wird von bunten Häuschen und freundlichen Menschen mit südländischer Gelassenheit dominiert.

Meeresschildkröten und Delfine

Zum Schnorcheln geht es von Uvita mit einen 300 PS starken Speedboat in rund eineinhalb Stunden auf die gut 50 Kilometer entfernte Isla de Cano – ein geschützes biologisches Reservat mit Korallenriffen und einer Vielfalt bunter Tropenfische. Und unterwegs sind Sichtungen von Meeresschildkröten oder Delfinen keine Seltenheit. Wer hingegen kürzere Wege bevorzugt, der unternimmt einfach einen Strandspaziergang oder wandert auf einem der in Costa Rica allgegenwärtigen Naturtrails durch den Regenwald. Ebenfalls Erlebnisse, bei denen man den Alltagsstress rasch hinter sich lässt.

Auch zahlreiche andere Ausländer leben in dem Land, dessen Erscheinungsbild von Regenwäldern, Bergen und zahllosen Stränden geprägt wird. Viele sind gekommen um Plantagen zu betreiben, haben dann erkannt wie wichtig die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts ist und engagieren sich mittlerweile mit entsprechenden touristischen und sozialen Projekten.

Etwa der Oberösterreicher Roland Spendlingwimmer, der im Landesinneren das Longo Mai-Dorf Finca Sonado - zuerst ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Projekt für Flüchtlinge und später eines für einkommensschwache Costa Ricaner, initiiert hat ¬– oder Michael Schnitzler, der Gründer des Regenwalds der Österreicher. Der Amerikaner John Ewing wiederum hat sich in seinem Naturreservat namens Hacienda Barú in Dominical u. a. der Rettung der Kapuzineräffchen verschrieben.

Lagunen und Urwald

In der Lagune und dem gleichnamigen 20.000 Hektar großen Nationalpark Tortuguero, an der Karibikküste hat ebenfalls ein US-Amerikaner Archie Carr in den 1950er Jahren die Sea Turtle Conservancy, eine Forschungsstation vor allem für die gefährdete grüne Meeresschildkröte, initiiert, bei der Freiwillige aus verschiedenen Ländern mithelfen.

Dort legen Schildkröten an den rund 30 Kilometer langen Stränden ihre Eier ab – und daher kommt auch der Name des Lagunenortes, zudem man erst nach einer einstündigen Bootsfahrt durch eine unberührte, urwaldartige Umgebung gelangt. 39.600 Nester gibt es hier während der Eilegesaison, zu der die Schildkröten tausende Kilometer übers Meer geschwommen kommen. Das wissen im übrigen auch die 14 Jaguare die im hiesigen Nationalpark leben und für die die Meeresbewohner eine beliebte Beute sind. 2016 wurden 400 von den Raubkatzen getötete Schildkröten gefunden – gefährliche Begegnungen mit Menschen sind hingegen bislang noch keine vorgekommen.

Die Besucher kommen vor allem auch wegen der Bootstouren und Kajakfahrten durch eine Kanal- und Lagunenlandschaft, die an das Amazonasgebiet erinnert – ansonsten gibt es in Tortuguero nicht viel zu tun, abgesehen vom Schlendern durch den verschlafenen gleichnamigen Ort oder dem Relaxen in einer der angenehmen Lodges.

Kreolisches Feeling

Karibisches Flair, Reggae-Feeling und heiße Temperaturen gibt es weiter südlich in Puerto Vieja de Limon – einen ziemlich relaxten Ort an einem Küstenabschnitt mit schönen Stränden und nicht weit von der Grenze zu Panama gelegen. Im kreolisch angehauchtem Puerto Viejo findet sich auch eine Tierrettungsstation namens Jaguar Rescue Center, bei der ebenfalls zahlreiche Freiwillige aus verschiedenen Nationen mitarbeiten. Jaguar gab es beim Besuch zwar keinen zu sehen, dafür aber einen Nasenbären, Ozelote und zahlreiche Faultiere, die man sonst kaum so nahe beobachten kann.

Auf einer kleinen Insel vor der Provinzhauptstadt Limon landete 1502 übrigens Christoph Columbus an; heute erinnert eine Gedenktafel am Meer an dieses historische Ereignis, das alljährlich mit einem Fest begangen wird. Ansonsten ist die Provinzhauptstadt Limon vor allem durch seinen riesigen Containerhafen bekannt, von wo aus Waren in aller Herren Länder exportiert werden. Einen Abstecher wert ist auch das zwischen Puerto Viejo und Limon gelegene, beschauliche Küstenörtchen Cachuita mit seinem Nationalpark samt traumhaftem Strand.

Vulkane und Göttervögel

Weiter geht es ins Landesinnern durch malerische Szenerien in die Hochebene von Cartago, nach Turrialba und von dort auf den 3436 Meter hohen Vulkan Irazu. Von dort hat man einen weiten Ausblick auf die unten liegenden Landschaften - so es die Wolkendecke zulässt. Und hier oben ist das Klima ganz anders als an der Küste – nämlich ziemlich frisch. Ohne Pullover und Windjacke geht es hier oben nicht. An den Hängen des Irazu wird Gemüse und Obst angebaut und entsprechend üppig ist das Angebot auf den regionalen Märkten.

Auch im rund 2400 Meter hoch gelegenen Tal rund um San Gerardo del Dota kann es recht frisch werden – zumindest abends. Aber wenn die Sonne rauskommt – und das tut sie verlässlich – dann steigen auch die Temperaturen und es ist wieder angenehm warm. Das gilt im übrigen auch für die regelmäßigen Regengüsse, die zum Teil wolkenbruchartig niederprasseln und zu Costa Rica dazugehören.

Die Attraktion im Tal ist der bunt schillernde Quetzal, der Vogel der Götter, der mit seinen langen Schwanzfedern auch Nicht-Ornitologen mit Sicherheit beeindruckt. Dafür heißt es allerdings früh aufstehen: Um sechs Uhr geht es los. Die morgendliche Suche nach dem Quetzal ist ein echtes Spektakel, bei dem unser Grüppchen, geführt von Guide Marino Chacon – zugleich Chef der idyllisch gelegenen Savegre Lodge - mit Megateleskop von einem Platz zum nächsten sprintet, sobald ein Exemplar gesichtet wird. In der Regel sind das Plätze an denen wilde Avocados wachsen, denn die sind die Hauptnahrung des Göttervogels. Doch die muss man kennen, sonst wird die Quetzal-Jagd zu einem reinen Glücksspiel.

Als erholsame Alternative bietet sich Wandern auf diversen angelegten Trails – vorbei an üppiger Blumen- und Pflanzenpracht an. Und abenteuerlichere Naturen kommen beim Canopy – abgeleitet von der Bezeichnung für Baumkronen – auf ihre Kosten. Canopy, das sind Flying Fox-artige Seilverbindungen, auf denen man in rund zehn Meter Höhe im Regenwald mittels Klettergeschirr gesichert von Plattform zu Plattform gleitet.

Relaxte Atmosphäre

Generell herrscht in Costa Rica eine entspannte Atmosphäre, die überall im Land zu finden ist – vielleicht mit Ausnahme des Straßenverkehrs. Da setzt sich mehr das südliche Temperament der Ticos (so die Bezeichnung für die Costa Ricaner) durch. Jeder ist um den Vorrang bemüht – auch gegenüber Fußgängern. Und das gilt im übrigen auch für die zahlreichen Radfahrer, die oft in geradezu wagemutiger Weise unterwegs sind.

Das Motto lautet „Pura Vida – reines Leben“, das die Ticos immer wieder gut gelaunt von sich geben – etwa Don Arturo, unser umsichtiger Busfahrer, der stets darauf bedacht war, vor Einbruch der Dunkelheit am Zielort anzukommen. Denn die Strassen sind in der Regel zwar in gutem Zustand, aber lediglich zweispurig und kurvig und manchmal ziemlich eng – selbst die legendäre Panamericana, die auch durch Costa Rica führt, ist lediglich eine normale Landstrasse. Dazu kommt noch, dass es oft bergauf und bergab geht und viele Lkws unterwegs sind.

Fazit: In Costa Rica heißt es für Fahrten von A nach B genügend Zeit einzuplanen, auch weil angesichts der schier unüberwindbaren Bergkette alle Wege über die Hochebene rund um die Hauptstadt San Jose in der Landesmitte führen, wo 1,3 Millionen Einwohner leben.


Fakten: Costa Rica

Costa Rica gilt auch als die Schweiz Mittelamerikas, was nicht nur mit der vergleichbaren Größe zu tun: Das Land gilt als sicher, stabil und relativ wohlhabend. 1948 wurde zudem das Militär abgeschafft und die freigewordenen Gelder ins Schul- und Gesundheitssystem investiert. Der Wohlstand ist freilich relativ, die Durchschnittsgehälter betragen 600 bis 700, maximal 1000 US-Dollar. Der erste Eindruck der Ortschaften ist meist ein durchaus ärmlicher. Das Gros der Menschen lebt in Häuser, eher Hütten, mit Wellblechdach, wenngleich so gut wie alle Satellitenantennen haben. Aber bemerkenswert: fast überall gibt es WLAN-Empfang, auch in Hotels in wirklich abgelegenen Regionen.

Das Land ist mit 51.000 Quadratkilometern Größe und fünf Millionen Einwohner kleiner als Österreich. 78 Prozent der Einwohner sind Katholiken, 14 Prozent Protestanten. Das Gros der Bevölkerung ist spanischstämmig, der Anteil der Schwarzen beträgt sieben Prozent. Als Urlaubsziel lockt Costa Rica vor allem mit seiner vielfältigen Fauna und Flora. Faultiere und Brüllaffen sind die Stars. Im Land wurden 13.000 verschiedene Schmetterlingsarten – zehn Prozent aller weltweit –, 917 verschiedene Vogelarten, 240 Säugetierarten – 50 Prozent davon Fledermäuse, 115 verschiedene Frösche gezählt. Dafür gibt es nur vier Affenarten – Klammer-, Kapuziner-, Totenkopf- und Brüllaffen - der ohrenbetäubende Lärm Letzterer ist überall zu hören. Knapp fünf Prozent aller Arten leben in dem Land, das nur 0,4 Prozent der Erdoberfläche einnimmt.

In Summe gibt es 161 geschützte Gebiete – von Nationalparks, über Wildschutzgebiete, Feuchtgebiete und Waldschutzgebiete bis zu biologischen Reservaten. Sie umfassen rund ein Viertel der gesamten Staatsfläche. Damit ist Costa Rica das Land mit der größten Fläche geschützter Gebiete im Verhältnis der Gesamtfläche.

Als Urlaubsziel hat das mittelamerikanische Land immer noch einen gewissen Exotenstatus: 2016 kamen rund drei Millionen Touristen, rund die Hälfte davon aus den USA und Kanada. Europäer machen lediglich rund 20 Prozent der Besucher aus. Anreise ab Wien z. B. mit Swiss/Edelweiss via Zürich nach San Jose. Flugzeit rund 15 Stunden inkl. ca. zwei Stunden Umsteigezeit in Zürich. Geführte Rundreisen oder Fly-and-Drive-Angebote buchbar z. B. bei Ruefa Reisen.

Costa Rica ist ein interessantes und sicheres Reiseland, das auch kulinarisch einiges zu bieten hat – von Fleisch, über Fische und viel Gemüse bis zu äußerst wohlschmeckendem Obst: Die Ananas, die in Costa Rica in Massen angebaut werden, sind verführerisch süß, einfach ein Traum. Wer wissen will, wie und was die Einheimischen essen, besucht am besten, eines der landestypischen einfachen Restaurants, Sodas genannt. Eines ist sicher: Reis und Bohnen findet man überall auf der Karte. Im Land werden drei Biersorten gebraut; Wein gibt es auch, der wird aber importiert und ist entsprechend teuer.

Billig ist Costa Rica insgesamt nicht, das Preisniveau bewegt sich zumindest in österreichischen Dimensionen. Doch dafür braucht man sich angesichts der freundlichen Bevölkerung keine übertriebenen Sorgen um seine Sicherheit zu machen und bekommt üppige Natur- und spannende Tiererlebnisse geboten. Die einheimische Währung heißt übrigen Colones – und ein Euro entspricht rund 645 Colones. US-Dollar werden so gut wie überall als Zweitwährung akzeptiert.

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