Nizza-Terror: Schwieriger Sommer für Frankreichs Tourismus

Nizza-Terror: Schwieriger Sommer für Frankreichs Tourismus

Die Tourismusbranche in Frankreich stellt sich nach dem Anschlag von Nizza auf deutliche Einbußen im restlichen Sommer ein. "Frankreich hat der Welt in den letzten 18 Monaten viele Bilder der Gewalt geschickt", sagt Vanguelis Panayotis von der Beratungsgesellschaft MKG, die auf die Tourismusbranche spezialisiert ist: "Der Effekt bei den Unternehmen wird groß sein."

Dies sei besonders bitter, weil Frankreich eigentlich gerade aus einer sehr erfolgreichen Fußball-Europameisterschaft komme - mit dem eigenen Team im Finale und ohne Anschläge während des Turniers. Nach Nizza sei das Gefühl der fehlenden Sicherheit wieder zurück. In den kommenden Monaten dürften jetzt voraussichtlich etwa 30 Prozent weniger Besucher kommen.

Frankreich ist das meistbesuchte Land der Welt. Es lockt nicht nur mit der sonnigen Mittelmeerküste, sondern auch mit viel Kultur, beliebten Städten, Weinregionen und Skigebieten. Nach Paris ist Nizza die meistbesuchte Stadt des Landes. Dort hat am Donnerstagabend, als die berühmte Strandpromenade wegen des Feuerwerks und Konzerten am Nationalfeiertag voller Menschen war, ein 31-jähriger Tunesier einen Laster in die Menge gelenkt. Mindestens 84 Menschen starben. Die Extremisten-Miliz IS hat die Verantwortung für die Tat übernommen. Die französische Regierung fürchtet weitere Anschläge.

Am Wochenende blieben viele Cafes, Restaurants und Strandbars in Nizza leer. Die Stadt an der Cote d'Azur nimmt 1,5 Mrd. Euro im Jahr dank der Touristen ein. Das Geschäft mit den Besuchern aus aller Welt steht landesweit für bis zu 8 Prozent der Wirtschaftsleistung.

"Es wird keine Jobs geben."

Joanna Marat, Besitzerin des Hotels Cronstadt in einer Seitenstraße der Strandpromenade, sagt, bei ihr sei ein Paar aus Australien wegen des Anschlags abgereist: "Sie hatten Angst." Jetzt würden sicherlich weniger Besucher im Sommer kommen. "Ich wollte eigentlich zusätzliche Mitarbeiter einstellen, die im August mithelfen sollten. Aber jetzt musste ich Ihnen sagen: Es wird keine Jobs geben."

Unklar ist, ob der Anschlag nur kurzfristig einen Dämpfer bedeutet oder ob der Tourismus auch auf längere Sicht unter Druck steht. In Spanien und Großbritannien wurde in den vergangenen Jahren nach Anschlägen die Wirtschaft nur kurz belastet. So war es auch in Frankreich nach den Angriffen in Paris im November. Der Konsum ging zurück, aber nicht für lange. Das dürfte jetzt wieder so sein, sagt der Ökonom Christopher Dembik von der Saxo Banque.

Philippe Waechter, Chefökonom beim Vermögensverwalter Natixis, widerspricht teilweise: Die tragischen Ereignisse zeigten, dass Anschläge jetzt auch außerhalb von Paris passieren könnten. Frankreich werde von Ausländern womöglich zunehmend als riskantes Land wahrgenommen. Das Image sei aber mitentscheidend, wenn Touristen eine Reise buchten. Das bekamen Fluglinien wie Air France und Europas größte Hotelkette Accor bereits nach den Paris-Anschlägen zu spüren. Für Reisekonzerne wie TUI und Thomas Cook spielen aber andere Länder mit mehr Pauschaltourismus eine noch größere Rolle.

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