Marriott und Starwood: Was bringt die Mega-Fusion der Hotelbranche?

Die US-Schwergewichte Marriott International und Starwood wollen sich zum größten Hotelkonzern der Welt zusammenschließen. Der Weg zur Fusion war holprig, und die Zukunft könnte es auch werden. Es gibt harte Konkurrenz - vor allem ein Start-up mischt die Branche auf.

Nach turbulenten Wochen mit einem milliardenschweren Wettbieten ist der US-Hotelriese Marriott International fast am Ziel. Wenn die Aktionäre am (heutigen) Freitag ihr Ja-Wort geben, steht der Hochzeit mit Starwood Hotels zur weltweiten Nummer Eins nichts mehr im Wege.

Die Mega-Fusion könnte jedoch ein Zeichen mehr sein, dass die Branche nach etlichen Jahren mit brummenden Geschäften bald Abstriche machen muss. Analysten sehen verschiedene Risiken für die Hotel-Industrie, darunter das rasante Wachstum eines Rivalen, der trotz seines Status als Underdog die meisten Betten im Angebot hat: Airbnb.

Hilton auf der Verlierer-Position

Mit einem gemeinsamen Börsenwert von etwa 30 Mrd. Dollar (26,4 Mrd. Euro), mehr als 5.500 Hotels und über einer Million Betten würden Marriott und Starwood ihren schärfsten Wettbewerber Hilton deutlich hinter sich lassen. Gemeinsam bringen es die Unternehmen auf 30 Hotelmarken.

Marriott mit Sitz im US-Staat Maryland machte im vergangenen Jahr etwa 14 Mrd. Dollar Umsatz und bringt diverse Ketten wie Ritz-Carlton, Rennaissance oder Courtyard in die Fusion ein. Starwood aus Stamford, Connecticut, steuert unter anderem Le Meridien, Westin oder Sheraton bei.

Durchgesetzt gegen die Mitbieter aus China

Bis zuletzt musste Marriott allerdings um die eigentlich bereits im November eingefädelte Starwood-Übernahme bangen. Mitte März funkte eine Investorengruppe um den chinesischen Versicherer Anbang mit einem höheren Gebot dazwischen. Fast drei Wochen lang lieferten sich die Parteien einen Bieterkampf.

Bevor Anbang und seine Partner ihr Bemühen Anfang April überraschend und ohne Angabe triftiger Gründe aufgaben, hatte ihr Kaufoffert bei etwa 14 Mrd. Dollar und damit ein gutes Stück über der von Marriott gelegen. Starwood-Chef Thomas Mangas sprach von einer "wilden Fahrt", die sein Unternehmen durchgemacht habe.

Anbang hatte 2014 zwar schon das berühmte Hilton-Vorzeigeobjekt Waldorf-Astoria an der berühmten New Yorker Park Avenue für 1,95 Mrd. Dollar gekauft. Experten zweifelten aber trotzdem, ob die Chinesen mit dem Management eines riesigen Hotel-Konzerns nicht überfordert wären.

Der "Financial Times" zufolge mussten Anbang und Co. ihr Buhlen letztlich aufgeben, weil sie keine ausreichende Finanzierungssicherheit belegen konnten. Dadurch hat Marriott wieder die Nase vorn, das 21 Dollar in bar sowie 0,8 eigene Aktien je Starwood-Anteilsschein bietet und damit etwa 13,3 Mrd. Dollar hinlegen will.

Wachstum könnte die nächsten Jahre anhalten

Marriott geht davon aus, ab dem ersten Jahr nach dem Zusammenschluss mindestens 200 Mio. Dollar an jährlichen Kosten einsparen zu können. Analyst Stuart Gordon von der Berenberg Bank glaubt, dass dieses Ziel locker übertroffen werden dürfte. Doch wie ist der Ausblick für die Branche insgesamt?

Nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts IbisWorld legte der Umsatz der weltweiten Hotel-Industrie seit 2011 mit jährlichen Wachstumsraten von im Schnitt 4,3 Prozent zu und dürfte 2016 einen Jahresumsatz von 864 Mrd. Dollar erreichen. Das ist gemessen an der Entwicklung der Weltwirtschaft ein guter Wert, allerdings weit entfernt von Turbo-Wachstum.

Die Marktforscher gehen zwar davon aus, dass der Aufwärtstrend in den nächsten fünf Jahren anhält. Die Analysten der Investmentbank Jamie Rollo sind hingegen etwas skeptischer. Die Belegungsraten hätten in den meisten Regionen Rekordniveau erreicht und seien teilweise bereits rückläufig, schreiben sie in einer Studie.

Der Feind mit den Privatbetten

Zudem lege der Boom an Übernahmen und Fusionen nahe, dass die Branche sich ihrem Zenit nähere. Darüber hinaus könnten steigende geopolitische Risiken Urlauber abschrecken. Erschwerend komme hinzu, dass das Angebot wachse. Den Hauptschuldigen dafür haben die Experten schnell ausgemacht: "Airbnb könnte eine wirkliche Bedrohung sein."

Der private Zimmervermittler ist zwar offiziell noch ein Start-up, macht den Hotels aber zu schaffen. Das von Investoren mit etwa 25,5 Mrd. Dollar bewertete Unternehmen listet nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Zimmer und Ferienwohnungen rund um den Globus und ist damit so etwas wie der heimliche Weltmarktführer der Branche.

Recht

Bestpreisklauseln: Buchungsplattformen blitzen bei VfGH ab

Wirtschaft

Airbnb: Millionen-Business und Wohnraum-Killer

Wirtschaft

Air Berlin checkt aus: Time to Say Goodbye