Hotspot Ischgl: Ende des Alpen-Ballermanns?

Der Ischgler Tourismuschef Alexander von der Thannen will exzessiven Partytourismus minimieren, aber keine Neuausrichtung des Geschäfts.

Party- und Wintersport-Hochburg Ischgl: "Nichts an der grundsätzlichen Ausrichtung ändern."

Party- und Wintersport-Hochburg Ischgl: "Nichts an der grundsätzlichen Ausrichtung ändern."

Eine Lektion hat Alexander von der Thannen aus Corona gelernt: "Im Umgang mit den Medien werden wir uns künftig anders verhalten." Vor der Krise "haben wir eingeladen, jetzt werden wir vorgeladen", fasst der Geschäftsführer des Tourismusverbands Ischgl-Paznaun den Umstand zusammen, dass statt wie früher Reisejournalisten jetzt vor allem kritische Reporter nach Ischgl kommen, um dort die Geschehnisse im März 2020 zu rekonstruieren. Eine ORF-Schauplatz-Reportage mit dem sprechenden Titel "Das große Schweigen" am 10. Dezember zeigte von der Thannen als vor der Kamera davon eilenden Tourismusvertreter. "Kein Kommentar" ist alles, was dem Hotelier heute noch zu dieser Sendung einfällt.

Abgesehen von der Medienarbeit sieht der Tourismuschef aber auch nach den Negativschlagzeilen in nationalen und internationalen Medien - Stichwort: "Virenschleuder Europas" - keinen großen Korrekturbedarf. Grundsätzlich bleibt für von der Thannen "Après-Ski-und Partytourismus mit gutem Champagner und gutem Wein" wünschenswert - im Gegensatz zu "Ballermann-Tourismus".

Schluss mit billigen Feiern und Partys?

Alexander von der Thannen

Alexander von der Thannen, Obmann des Tourismusverbands Paznaun-Ischgl

Schon in den Jahren vor Corona habe man durch Schritte wie einem nächtlichen Skischuh-und einem Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen damit begonnen, den exzessiven Partytourismus einzudämmen. "Das Dorf ist wesentlich leiser geworden", behauptet von der Thannen einen Effekt dieser Prä-Corona-Maßnahmen. Nun wolle man auch noch das Abstellen von Bussen, die nur zur Party und nicht auch zum Skifahren kommen, so verteuern, dass Feiern um des Feierns willen entsprechend kostspieliger werde, sagt er: "Die billigen Preise werden nicht mehr zu halten sein." Und er fügt hinzu: "Nur haben wir es in dieser Saison noch nicht unter Beweis stellen können".

Die Bergbahnen Ischgl werden -Stand Redaktionsschluss -diesen Winter nicht mehr öffnen. Mit 1,8 Millionen Übernachtungen war Ischgl-Paznaun in der Saison 2019/20 die zweitstärkste Region Tirols nach dem Ötztal (2,3 Millionen). Jetzt steht es still. Es werde, schätzt von der Thannen, "zwei, drei Winter" dauern, "bis wir wieder dort sind, wo wir vorher waren". Er meint das auf den Umsatz bezogen, bei den Gästezahlen hat selbst er seine Zweifel. Dauerhaften Schaden kann er vorerst aber keinen erkennen. "Wir werden weder am Namen noch am Logo noch an der grundsätzlichen Ausrichtung etwas ändern. Das wird es nicht spielen."

Generell ist man in Ischgl noch immer überzeugt, zu Unrecht zum Sündenbock gestempelt worden zu sein. "Wir haben viel über uns ergehen lassen müssen", sagt von der Thannen, Betreiber des Hotels Trofana Royal: "Exzesse gibt es überall, wo der Party-Wochenend-Tourismus stattfindet." Generell werde übersehen, dass von 120 Bussen am Wochenende bisher 80 Prozent zum Skifahren gekommen seien. Dass der verlorene Ruf nur durch penible Sicherheitskonzepte wieder hergestellt werden kann, sei aber jedem klar. Gerne würden die Ischgler, deren Bevölkerung zu über 40 Prozent "durchseucht" ist, deshalb den Impf-Nachweis als Quasi-Eintrittskarte in ihren Ort. Von der Thannen: "Dazu brauchen wir aber eine Gesetzesvorlage."


Lesen Sie mehr darüber, wie sich der Tiroler Tourismus auf die Zeit nach Corona vorbereitet in der trend. PREMIUM Ausgabe vom 26. Februar 2021


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