Höhere Kontingente für Tourismus-Saisonarbeitskräfte

Arbeitsminister Martin Kocher will die Kontingente für Saisonarbeitskräfte im Tourismus Im Jahr 2022 um 60 Prozent erhöhen. Zur Hochsaison sollen bis zu 3.000 Saisoniers aus Nicht-EU-Ländern in der Branche arbeiten.

Höhere Kontingente für Tourismus-Saisonarbeitskräfte

Österreichs Tourismusbranche hofft auf das Jahr 2022. Auf ein Jahr ohne Corona-Ausfälle und zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland. Für viele in der Branche ist der Personalbedarf allerdings noch schwer abschätzbar. Einerseits, weil ungewiss ist, wie sich die Buchungslage entwickelt und andererseits, weil unklar ist, wie viele die vor der Corona-Pandemie im Tourismus gearbeitet haben, das danach auch noch wollen.

Arbeitsminister Martin Kocher hat daher vorgeschlagen, für das Jahr 2022 das Kontingent für Saisoniers im Tourismus um 60 Prozent auf rund 2.000 zu erhöhen. Diese Quote soll in Spitzenzeiten noch um die Hälfte überzogen werden können, sodass in der Hochsaison bis zu 3.000 Saisonarbeiter die Branche verstärken sollen. Dazu kommen noch bis zu 1.000 "Stammsaisoniers".

"Ziel ist es, vor allem im Tourismus, in dem die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften sehr hoch sein wird, dem Personalmangel entgegenzuwirken", schreibt Kocher in einer Aussendung. Alleine der Brexit mache eine Erhöhung des Kontingents für den Wintertourismus nötig, denn "gar nicht so wenige britische Staatsbürgerinnen und -bürger kommen in der Wintersaison nach Österreich, um hier als Skilehrerinnen und Skilehrer zu arbeiten und benötigen nunmehr eine Beschäftigungsbewilligung".

Arbeitslose und EU-Bürger haben Vorrang

An der Gesamtbeschäftigung hätten die von außerhalb der EU stammenden Saisonarbeiter einen sehr geringen Anteil, außerdem hätten in Österreich arbeitslos gemeldete Personen Vorrang bei der Vermittlung eines Jobs, versichert Kocher. Auch habe man berücksichtigt, dass in den kommenden Wochen im Lockdown die Nachfrage nach Saisoniers geringer sein werde. Letztlich hänge die Ausnutzung des Kontingents vom Saisonverlauf ab - Im Coronawinter 2020 seien nur 15 Prozent des Kontingents genutzt worden.

2020 wie 2021 hatte es ein Kontingent von 1.263 Saisonarbeiterinnen oder Arbeitern für den Tourismus gegeben, das in der Spitzenzeit um bis zu 20 Prozent hätte überzogen werden dürfen (also maximal 1.515 Personen). Die neue Regelung würde also für Spitzenzeiten eine Verdoppelung ermöglichen, noch ohne Stammsaisoniers zu berücksichtigen.

Kritik von der Arbeiterkammer

Aus Sicht der Arbeiterkammer sind nicht nur die Zahlen für Saisoniers zu hoch, die AK kritisiert das Konzept der Saisonarbeiter grundsätzlich. "Sinnvoller als eine Aufstockung des Kontingents für SaisonarbeiterInnen wäre es auf die ohnehin verfügbaren Arbeitskräfte in Österreich zurückzugreifen", so AK-Experte Johann Peyrl. Das gelte insbesondere für Asylwerber, für deren Integration Saisonarbeit positive Auswirkungen hätte, während Saisonarbeit "ein falsches Migrationsmodell" sei, da es keinerlei Integrationsschritte gebe. Saisonarbeiter würden auch oft schlechte Arbeitsbedingungen akzeptieren müssen, um in der nächsten Saison wieder eine Arbeitsbewilligung zu bekommen, sagt Peyrl.

"Minister Kocher verhöhnt mit seinen Plänen jene Kolleginnen und Kollegen, die in Österreich auf Arbeitssuche sind. Er hat noch immer nicht erkannt, dass endlich die Arbeitsbedingungen zu verbessern sind, anstatt Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen, die für wenig Geld bereit sind, alles zu tun", kritisiert auch Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus der Gewerkschaft vida, den Vorschlag Kochers. Österreichweit seien 36.000 Menschen dem Tourismus zugeordnet und auf Arbeitssuche, daher brauche es keine zusätzlichen Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Abgesehen von den Saisonarbeitern im Tourismus bleibt laut Begutachtungsentwurf das Kontingent für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft mit 3.100 unverändert zum Vorjahr. Hier kann das Kontingent um 30 Prozent überzogen werden. In der Land- und Forstwirtschaft kommen zusätzlich rund 2.200 Personen als Stammsaisoniers in Frage.

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