EU-Verordnung: Gastronomen und Hoteliers sparen sich Kosten

EU-Verordnung: Gastronomen und Hoteliers sparen sich Kosten

Bezahlt der Gast mit Kreditkarte sein Hotelzimmer, fallen beim Hotelier Gebühren an. Eine neue EU-Verordnung reduziert diese Kosten.

Für jeden Gast, der mit Kredit- oder Bankomatkarte seinen Aufenthalt zahlt, muss der Hotelier Gebühren an den Zahlungsdienstleister abführen. Eine neue EU-Verordnung deckelt einen Teil dieser Gebühren. Die Kosten für Gastronomen und Hoteliers sollen laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) um mehr als 5 Millionen Euro sinken, bei der Hoteliervereinigung relativiert man hingegen die Einsparung.

Jeder Gast bedeutet für den Hotelier ein leeres Bett weniger und zugleich mehr Umsatz. Allerdings hängen die Einnahmen vom Zahlungsmittel ab, das der Gast wählt. Denn bei der Zahlung mit Kredit- oder Bankomatkarte fallen die sogenannten Disagio-Gebühren an: Die Hoteliers müssen diese Gebühren an die Zahlungsdienstleister abführen. Diese leiten sie an die Bank weiter, von der die Karte ausgegeben wurde. Ein Beispiel: Kostet ein Doppelzimmer 90 Euro, fallen bei Zahlung mit einer Visa-Karte rund 90 Cent Disagio-Gebühren für den Hotelier an.

Dank einer aktuellen EU-Verordnung sinkt ein Teil der Disagio-Gebühren, die sogenannten Interbankenentgelte. Die Hoteliers und Gastronomen sparen sich also Kosten, wenn Gäste ihre Rechnung mit Karte begleichen - die große Mehrheit der Gäste in Österreich zahlt laut Wirtschaftskammer bargeldlos. Laut EU-Kommission sind in der Europäischen Union mehr als 700 Millionen Zahlkarten im Umlauf.

Betriebe sparen mehr als fünf Millionen Euro ein

Sowohl für nationale als auch grenzüberschreitende Transaktionen sind die Interbankenentgelte seit 9. Dezember gedeckelt. Bisher variierten sie innerhalb der EU je nach Kartenkategorie und Land. So werden nun bei Kreditkartenzahlungen 0,3 Prozent des Transaktionswertes fällig, bei der Zahlung mit Bankomatkarten höchstens 0,2 Prozent. "Wir rechnen damit, dass sich die österreichischen Beherbergungsbetriebe alleine bei den Logis-Einnahmen mehr als fünf Millionen Euro ersparen werden", sagt Matthias Koch, Geschäftsführer beim Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer.

Zahlungsdienstleister wie card complete haben bereits mit Aufklärungsarbeit bei Kunden in Handel und Hotellerie auf die neue EU-Verordnung reagiert. "Die Vorteile aus der Senkung der Interbankenentgelte wurden bereits in entsprechendem Ausmaß an die Akzeptanzpartner weitergegeben", heißt es vom Unternehmen.


"Bei American Express und Diners Club ist die Beliebtheit enden wollend", Oliver Wolf ÖHV.

Von der EU-Verordnung profitieren aber nicht nur die Hoteliers und Gastronomen, sondern auch die Gäste. Denn die Einführung von Obergrenzen bei den Interbankenentgelten fördert den Wettbewerb unter den Zahlungsdiensten - und senkt so die Kosten.

Eine Sonderregelung gilt jedoch für Karten wie American Express und Diners Club bis 9. Dezember 2018: Bei diesen Karten ist nur eine Bank involviert, sie sind die kommenden drei Jahre von der Deckelung ausgenommen. Das ist nicht unwesentlich, denn die Hoteliers und Gastronomen kommen diese und asiatische Karten wie JCB oder Union Pay am teuersten, die Disagio-Gebühr beträgt knapp drei Prozent - bei Visa und Mastercard liegt sie bei 1 bis 1,2 Prozent. "American Express und Diners Club werden in den Betrieben deutlich weniger akzeptiert, da ist die Beliebtheit enden wollend", sagt Oliver Wolf von der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV).

Deutlich höhere Kosten entstehen für die Hoteliers auch bei Business cards wie etwa den "miles & more"-Karten der Lufthansa bzw. Austrian Airlines. Diese von Unternehmen ausgegebenen Karten sind von der EU-Regelung nicht betroffen. Die Disagio-Gebühr ist für die Betriebe mit ein bis zwei Prozent deutlich höher.

Bundesländer profitieren unterschiedlich

Wolf begrüßt die EU-Verordnung, relativiert aber die Einsparungen für die Hotels, da die EU-Verordnung nur die Interbankenentgelte deckelt. Sie würden vor allem vom Bundesland abhängen, da die Deckelung einheimische Karten betrifft. "Das Burgenland und Niederösterreich profitieren von der EU-Verordnung, weil sie viele heimische Gäste mit nationalen Karten beherbergen. Vorarlberg, Tirol, Salzburg aber auch Wien haben ein sehr großes internationales Publikum. Da wird sich nicht viel ändern und die Disagio bei Kreditkarten wird im Bereich von knapp einem Prozent bleiben", so der ÖHV-Experte.

Eine weitere wichtige Änderung ist der Wegfall der "Honours all cards rule". Bisher musste die Hotelbetriebe sämtliche Karten als Zahlungsmittel akzeptieren, auch wenn sie ein kostengünstigeres bevorzugt hatten. "Künftig können Unternehmen frei entscheiden, welche Karten sie akzeptieren", sagt Fachverbands-Geschäftsführer Koch. Diese Regel tritt ab 9. Juni 2016 in Kraft.


Stichwort: Disagio-Gebühr

Die Disagio-Gebühr setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  • Interbankenentgelt
  • Gebühren an die Abwickler: Also jene Gebühr, die der Händler für die Abwicklung einer Bezahl-Transaktion zu leisten hat
  • Sogenannte "Scheme-Fees": Damit sind Gebühren an die großen Lizenzgeber wie Visa, Mastercard oder JCB gemeint. Sie werden für die Nutzung internationaler elektronischer Netzwerke, die für die Abwicklung notwendig sind, erhoben
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