Crowdfunding im Tourismus: Hermann Maier will Ihr Geld

Crowdfunding im Tourismus: Hermann Maier will Ihr Geld
Crowdfunding im Tourismus: Hermann Maier will Ihr Geld

Hermann Maier und Rainer Schönfelder bei der Eröffnung ihres ersten gemeinsamen Hotels: "Es gibt gute Ideen für gute Standorte, aber oft ist es schwer, eine Finanzierung zu bekommen"

Im Jänner eröffneten die Ski-Asse Hermann Maier und Rainer Schönfelder ihr erstes gemeinsames Hotel in Tirol. Nun ist ein neuer Standort geplant. Die Neo-Hoteliers wollen diesen mit Hilfe ihrer Fans finanzieren. Über eine neue Crowdinvesting-Plattform soll das nötige Kleingeld beschafft werden.

"Wir haben uns viele verschiedene Länder angesehen, doch so kitschig das nun auch klingen mag: Zuhause ist es immer noch am schönsten", sagt der Ski- und Dancing Star Rainer Schönfelder. Gemeinsam mit seinem Skifahrer-Kollegen Hermann Maier hat er es sich daher entschlossen, den österreichischen Tourismus zu pushen und Skifahren im eigenen Land wieder leistbar zu machen. Gesagt, getan: Im Jänner eröffneten die beiden Ski-Asse das "adeo Alpin"-Hotel in St. Johann in Tirol, bei dem mit "Zimmern ohne Schnickschnack" der Fokus auf dem Wintersport liegen soll. Schon damals hieß es, dass bald weitere Standorte hinzukommen sollen.

Die Hotel-Pläne von Hermann Maier und Rainer Schönfelder: Klicken Sie auf das Bild, um alle Details zu erfahren.

Allerdings gibt Schönfelder nun zu bedenken, dass viele Projekte in der Tourismus-Branche am nötigen Kapital scheitern: "Es gibt gute Ideen für gute Standorte, aber oft ist es schwer, eine Finanzierung zu bekommen", sagt er - und er selbst stelle hier keine Ausnahme dar: "Es ist schön, wenn man Schönfelder heißt. Aber bei den Banken hilft das am Ende des Tages nicht viel." Sehr wohl können er und sein Kollege Maier aber ihre Prominenz nutzen, um alternative Finanzierungsformen zu promoten - konkret: Crowdinvesting.

Und so verkündet Schönfelder, dass die Eröffnung des neuen Hotel-Standortes zumindest zum Teil via Crowdinvesting finanziert wird. Derzeit spreche man mit conda.at, einer der großen österreichischen Plattformen, über die Details. "Die Bleistifte sind aber schon gespitzt", sagt Schönfelder. Private Investoren sollen sich dann schon mit kleinen Beträgen an den Projekten der Skistars beteiligen können.

Neue Crowdfunding-Plattform für Österreichs Tourismus

Details zum Crowdinvesting-Projekt sollen in Kürze auf der neu eingerichteten Plattform we4tourism.at veröffentlicht werden. Noch finden sich auf der Website, die seit 20.9. online ist, allerdings lediglich Basis-Informationen rund um Crowdinvesting für die Tourismus-Branche. Ab Anfang November soll das Investieren in konkrete Projekte möglich sein - darunter eben auch der nächste Standort der "adeo Alpin"-Hotels.

Initiator der neuen Plattform ist die Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), Plattformbetreiber ist die Conda AG. Allerdings, so betonen ÖHT-Geschäftsführer Wolfgang Kleemann und Conda-Chef Paul Pöltner unisonso, ist we4tourism.at nicht eine weitere Plattform in den Händen der Conda AG - vielmehr soll die Website als eine Art Meta-Plattform verstanden werden, bei der Tourismus-Projekte verschiedener Crowdinvesting-Plattformen gebündelt werden. Wer also explizit in ein Tourismus-Crowdinvesting-Projekt investieren möchte, der informiert sich auf der neuen Website über seine Optionen - wer selbst mit seinem Projekt auf Investorensuche ist, der handelt die Details mit den Betreibern der bestehenden Plattformen aus.

Laut Pöltner ist Crowdinvesting seit der Einführung des Alternativfinanzierungsgesetzes vor rund einem Jahr im Aufwind: Wurden im Gesamtjahr 2015 noch 8,1 Millionen Euro aufgebracht, so waren es allein im ersten Halbjahr 2016 rund 13 Millionen Euro. "Im Gesamtjahr 2016 wird die Finanzierungssumme von 26 Millionen Euro überschritten", sagt Pöltner.

Zugleich betont Kleemann, dass Crowdinvesting kein Allheilmittel ist - auch nicht im Tourismus. Er glaubt, dass die Betriebe nur fünf bis 15 Prozent ihrer Investitionssumme über die Crowd generieren können - der Rest läuft über klassische Finanzierungsformen wie Bankkredite und Förderungen. Allerdings, so Kleemann, kann ein erfolgreiches Crowdinvesting-Projekt auch die Initialzündung sein, um überhaupt an eine Bankfinanzierung zu kommen - denn immerhin steigen mit dem Geld aus dem Schwarm die von Banken nachgefragten Eigenmittel.

Investment bleibt riskant

Kleemann warnt zugleich, dass es sich bei Crowdinvesting um eine risikobehaftete Form der Geldanlage handelt. Denn dabei handelt es sich um nachrangige Darlehen - kommt es zu einem Ausfall, so hat der Crowdinvestor gegenüber anderen Geldgebern das Nachsehen. Pöltner betont, dass nicht jedes Projekt für ein Crowdinvesting in Frage komme, Informationen müssen aufbereitet und diverse Anforderungen erfüllt werden. Letztlich ist es aber Aufgabe eines jeden Investors, sich über die Projekte zu informieren und zu entscheiden, ob Risiko und Ertrag in einem für sie vertretbaren Verhältnis stehen.

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