Corona hat Österreichs Tourismus um Jahrzehnte zurückgeworfen

Den vorläufigen Daten der Statistik Austria zufolge ist Österreichs Tourismus im Jahr 2020 auf das Niveau der frühen 1970er Jahre zurückgefallen.

Österreichs Tourismus in der Krise: Seit einer Ewigkeit war es Hallstatt nicht mehr so still wie in der Pandemie.

Österreichs Tourismus in der Krise: Seit einer Ewigkeit war es Hallstatt nicht mehr so still wie in der Pandemie.

Die Statistik Austria hat Bilanz über das Touriusmusjahr 2020 gezogen. Den vorläufigen Zahlen zufolge ist die Zahl der Nächtigungen gegenüber erstmals seit etwa 50 Jahren unter die 100-Millionen-Grenze gerutscht. Die Beherbergungsbetriebe verbuchten einen Rückgang um 35,9 Prozent, von 152,7 Millionen auf nur noch 97,9 Millionen Nächtigungen. Die Zahl der Urlauber halbierte sich fast.

"Coronabedingte Betriebsschließungen, internationale Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen setzen dem Tourismus in Österreich stark zu", erklärt Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas Nach einem Höchstwert bei den Nächtigungen von mehr als 150 Millionen im Jahr 2019 ist die Zahl der Übernachtungen "auf das Niveau der frühen 1970er-Jahre" zurückgefallen.

"Die Zahlen sind keine Überraschung, sie spiegeln die Realität der letzten Monate und die dramatische Situation der Branche wider", sagte Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, und verwies dabei auf die Reisebeschränkungen und Grenzsperren, sieben Monate Lockdown und zwischendurch drastische Maßnahmen, wie das teils komplette Verbot von Veranstaltungen.

Wien und Städte leiden massiv

"Damit fehlen der Hotellerie die ausländischen Gäste, die im Sommer wie im Winter einen Hauptanteil der Nächtigungen generieren. Zudem fehlt - vor allem in der Stadthotellerie - der komplette Kongress- und Veranstaltungstourismus, ein traditionell ebenso starker Nächtigungsbringer", verdeutlichte Kraus-Winkler.

Den mit Abstand drastischsten Nächtigungseinbruch erlitt Wien mit einem Minus von 74 Prozent auf nur noch 4,6 Millionen Buchungen. Dahinter folgten Niederösterreich (minus 41 Prozent auf 4,6 Millionen) und Oberösterreich (minus 36 Prozent auf 5,4 Millionen). Um rund ein Drittel weniger Übernachtungen verzeichneten auch Tirol (minus 33 Prozent auf 33,2 Millionen), Salzburg (minus 32 Prozent auf 20,3 Millionen) und Vorarlberg (minus 31 Prozent auf 6,4 Millionen). Mit rund einem Viertel weniger Buchungen schlossen das Burgenland (minus 27 Prozent auf 2,3 Millionen) und die Steiermark ab (minus 25 Prozent auf 10 Millionen). Am glimpflichsten kam Kärnten mit einem Buchungsrückgang von 17 Prozent auf 11,1 Millionen Nächtigungen davon - in das südliche Bundesland kamen während der Coronakrise um 5,4 Prozent mehr inländische Gäste als im Jahr davor.

Auslandsgäste fehlen

Im abgelaufenen Jahr kamen laut Statistik zwar noch immer mehr ausländische Touristen (15,1 Millionen) als inländische (9,94 Millionen). Allerdings hat sich die Zahl der Besucher aus dem Ausland mehr als halbiert (minus 52,7 Prozent); die Urlauberzahl aus Österreich verringerte sich mit einem Minus von fast einem Drittel (minus 30,5 Prozent) weniger stark.

Die Gäste aus dem Ausland buchten 66,3 Millionen Übernachtungen - ein Minus von 41,2 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Unter 70 Millionen waren die Nächtigungen ausländischer Gäste den Statistikern zufolge zuletzt im Jahr 1970 (63,6 Millionen) gelegen. Die Nächtigungen inländischer Gäste sanken 2020 gegenüber dem Jahr davor um gut ein Fünftel auf 31,63 Millionen (minus 20,8 Prozent).

Die meisten Nächtigungen stammten auch im Krisenjahr von den Deutschen - obgleich auf massiv gesunkenem Niveau. Hier kam es zu einem Einbruch von 32,1 Prozent auf 38,5 Millionen Buchungen. Dahinter rangierten die Urlauber aus Österreich, die ihre Ferien im eigenen Land verbrachten, mit 31,6 Millionen Nächtigungen (minus 20,8 Prozent). Es kamen weiters beispielsweise auch um 28,4 Prozent weniger Holländer und um 36,2 Prozent weniger Touristen aus der Schweiz und Liechtenstein.

Im Dezember, in dem bereits der bis dato laufende Lockdown samt behördlich verfügtem Beherbergungsverbot galt und nur Geschäftsreisen erlaubt waren, wurden 785.000 Nächtigungen verzeichnet. Das entspricht einem Rückgang um 93,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dabei gingen die Nächtigungen ausländischer Gäste laut Statistik Austria nahezu vollständig zurück (minus 97,6 Prozent), die Nächtigungen inländischer Gäste um 78,0 Prozent.

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