Zeitenwende bei Online-Buchungen: Werden Hotels bald teurer?

Zeitenwende bei Online-Buchungen: Werden Hotels bald teurer?

Mit "Bestpreisklauseln" werden Hotels von Buchungsplattformen wie Booking.com und Expedia gezwungen, bei ihnen stets die günstigsten Angebote zu publizieren. Durch eine Gesetzesnovelle soll dem nun ein Riegel vorgeschoben werden. Die Lobby wehrt sich: Die Transparenz leidet, die Hotels werden teurer und kleine Anbieter schießen sich selbst ins Knie, heißt es von der Interessensvertretung.

Wer heutzutage auf Urlaub oder auf Geschäftsreise fährt, der steuert Websites wie Booking.com, HRS, Expedia oder Hipmunk an, um sich dort ein Bild vom Hotelangebot am Zielort zu machen und die Unterkunft auch sogleich zu buchen. Die Buchungsplattformen reichen den Kunden an das Hotel weiter und erhalten dafür eine Vermittlungsprovision. Jede vierte Unterkunft wird in Österreich über derartige Plattformen gebucht, während über die eigenen Websites der Hotels laut Bundeswettbewerbsbehörde nur rund 13 Prozent der Nächtigungen gebucht werden. Neben der einfachen Vergleichbarkeit der Angebote hat die Beliebtheit der Plattformen aber auch finanzielle Gründe: Denn dem Kunden wird garantiert, dass er auf Booking.com und ähnlichen Websites stets einen besseren Preis angeboten bekommt als auf der Hotels. Das wird sich bald ändern.

Als "Bestpreisklauseln" bezeichnet man jene Regeln der Online-Reisebüros, laut denen die Hotels ihre Zimmer zwar per E-Mail, Telefon, Fax, Brief, direkt vor Ort oder auch über andere Online-Reisebüros billiger anbieten dürfen - nicht aber auf der hauseigenen Website. Damit ist die "unternehmerische Freiheit" der Hoteliers eingeschränkt, meinte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) im Juli. Der Ministerrat hat daher eine Gesetzesnovelle auf den Weg geschickt, laut der Bestpreisklauseln auch für Hotel-Websites verboten werden. Im Herbst soll die Novelle durch das Parlament gehen und bis Ende des Jahres in Kraft treten.

"Derzeit sind Plattformbetreiber bevorteilt, die weitreichende Forderungen gegenüber Hotelbetreibern stellen konnten", sagt der Minister: "Die Buchungsplattformen verlangen nicht nur hohe Provisionen, sondern stellen für die Auflistung auch umfangreiche weitere Bedingungen wie zum Beispiel Bestpreisklauseln." Österreich folgt damit den Beispielen von Deutschland, Frankreich und Italien, wo Bestpreisklauseln ebenfalls verboten wurden.

"Kleine Hotels werden benachteiligt"

Die Buchungsplattformen wollen sich in dieser Hinsicht nicht geschlagen geben. Daher hat der Europäische Verband der Online-Reisebüros (ETTSA) beim Online-Marktforscher Marketagent.com eine Umfrage unter 800 Personen in Auftrag gegeben, die abfragt, welche Veränderungen Konsumenten durch das Aus des Bestpreisklauselverbots erwarten. Ergebnis: Käme es zu einem Verbot von Bestpreisklauseln, rechnen zwei von drei Befragten mit einer Einschränkung des Wettbewerbs. Mehr als 70 Prozent der befragten Konsumenten erwarten, dass die Hotelpreise aufgrund mangelnder Vergleichsmöglichkeiten steigen werden.

Betroffen sind einer Aussendung des Verbands zufolge vor allem die kleinen Hotels: Denn 63 Prozent der Konsumenten geben an, dass sie dann vermehrt Hotels mit einfachem Buchungssystem wählen würden - und das können kleine Unterkünfte aus Kostengründen selten bieten, meinen die Reisebüros. „Mit der Reform schießen sich die Hotels ins eigene Knie", ist ETTSA-Generalsekretär Christoph Klenner überzeugt.

Window-Shopping bei Booking.com

Entgegen der Ausführungen der Online-Reisebüros haben Wirtschaftskammer (WKÖ) und Hoteliervereinigung (ÖHV) die Änderungen im Gesetz allerdings sehr wohl begrüßt. Und auch Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKÖ, spricht sich im Gespräch mit trend.at gegen die Behauptungen des ETTSA aus. "Heutzutage kann man bei fast jedem Anbieter direkt buchen", sagt sie: Kleine Unterkünfte seien hier definitiv nicht benachteiligt; außerdem gebe es regionale Touristen-Organisationen, über die auch kleine Hotels gebucht werden können.

Den Vorwurf der nun schwindenden Transparenz lässt sie ebenfalls nicht gelten: Die Hotels werden auch weiterhin auf den Buchungsplattformen vertreten sein, der Kunde kann sich dort ein ungefähres Bild von der Preiskategorie des Hotels machen. Dem Hotel selbst steht es dann frei, ob es das Zimmer lieber auf der eigenen Website oder auf der Buchungsplattform billiger anbietet - und der Kunde trifft die Entscheidung, wann er was über welchen Kanal bucht.


Service: Die Presseunterlagen, Studienergebnisse und Hintergrundinformationen der ETTSA liegen trend.at vor und werden hier zum Download angeboten.

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