Aus Angst vor Terror: Deutsche reisen weniger

Aus Angst vor Terror: Deutsche reisen weniger

Terroranschläge haben die Reiselust der deutschen Bundesbürger zum Jahresbeginn gedämpft. Nach einer Befragung der GfK-Konsumforscher sank die Bereitschaft, in Trips im In- und Ausland zu investieren unter dem Eindruck der Anschläge von Paris, Brüssel und Istanbul.

Im Laufe des ersten Halbjahres kehrte die Reiselaune wieder zurück, wie aus dem Barometer des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hervorgeht. Die Befragung fand im Juni vor dem Anschlag in Nizza mit 84 Toten, den beiden Attentaten in Bayern und dem gescheiterten Putsch in der Türkei statt.

Der bisherige Verlauf bis Mitte des Jahres bestätigt aus Sicht des BTW aber die Annahme, "dass die Reiselaune nach einer krisenbedingten Verunsicherung relativ schnell wieder an Fahrt aufnimmt". Die generelle Lust am Reisen ließen sich die Deutschen nicht nehmen, erklärte BTW-Präsident Michael Frenzel. Positiv wirken die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, die niedrige Inflation und daraus resultierende Einkommenszuwächse.

Weniger spontane Tagesausflüge

Die Zahl der Reisetage sank von Jänner bis April gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent. Alleiniger Grund waren dem BTW zufolge Rückgänge bei Tagesausflügen: "Die Bilder von den Anschlägen in europäischen Städten haben die Menschen in den folgenden Tagen und Wochen bei spontanen Ausflügen in Städte zögern lassen." Hinzu kamen Schneemangel in Skigebieten und Wetterturbulenzen in der Karnevalssaison - einige Umzüge wurden abgesagt. Die Zahl der Reisetage mit Übernachtungen stieg dem BTW zufolge.

Wie sich die mutmaßlich islamistischen Attentate von Würzburg und Ansbach auf den Tourismus in Deutschland auswirken, ist der Branche zufolge noch schwer abzuschätzen. Aktuell sei bei den Mitgliedern des Bundesverbandes der Deutschen Incoming-Unternehmen (DIU) keine Stornowelle von Gästen aus dem Ausland bekannt, hieß es beim DIU. Der Verband vertritt Tourismusunternehmen, die mit Veranstaltern im Ausland zusammenarbeiten und ihnen Produkte für den deutschen Markt anbieten.

Airlines beklagen schwaches Geschäft

Bei den Fluggesellschaften Lufthansa und Easyjet ließen die Terroranschläge in Europa bereits Umsätze und Gewinne schmelzen. Beide Unternehmen berichteten vergangene Woche von Problemen in Folge der jüngsten Attentate sowie der politischen Instabilität in der Türkei und im Nahen Osten. Nach einem starken Jahresbeginn hätten die Vorausbuchungen vor allem auf Langstreckenverbindungen nach Europa deutlich nachgelassen, erklärte Lufthansa.

Der BTW-Tourismusindex wird zweimal im Jahr veröffentlicht. Grundlage ist unter anderem der monatliche GfK-Konsumklimaindex, für den etwa 2.000 Verbraucher befragt werden.

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