Online-Plattform Airbnb gegen den Rest der Welt

Online-Plattform Airbnb gegen den Rest der Welt

Die Online-Plattform Airbnb galt lange als mustergültiges Start-up und als Vorzeige-Beispiel einer funktionierenden Sharing Economy. Bis die Plattform eine kritische Größe erreicht hatte und der Realwirtschaft in die Quere kam. Seither sieht sich Airbnb mit Widerstand und zahlreichen Klagen konfrontiert. Auch in den USA.

Im Jahr 2008 hatte der Amerikaner Brian Chesky die Idee seines Lebens. Weil er sich nach dem Abschluss des Studiums die Miete für seine Wohnung nicht leisten konnte, vermietete er wie so viele andere auch ein Zimmer. Chesky suchte sich aber nicht einfach einen Mitbewohner der monatlich einen Anteil an der Miete übernimmt, sondern vermietete das Zimmer an Kurzzeit-Gäste. Diesen bot er ein Airbed, eine aufblasbare Matratze, und ein Frühstück.

Es war der Anfang von Airbnb, das in der Folge schnell in den elitären Club der Unicorns - der mit mehr als einer Milliarde Dollar bewerteten Unternehmen - aufstieg und das mittlerweile in rund 200 Ländern Betten, Zimmer, Wohnungen und Häuser an Gäste vermittelt. Inzwischen wird der Wert des Unternehmens auf rund 30 Milliarden Dollar geschätzt.

Von der ursprünglichen Idee Cheskys, Touristen in das leerstehende Zimmer in seiner eigenen Wohnung einzuquartieren, um seine Miete bezahlen zu können, ist jedoch nicht mehr viel übrig geblieben. Bald kamen findige Leute auf die Idee, leerstehende Wohnungen anzumieten oder zu kaufen, sie günstig einzurichten und an Touristen zu vermieten. Die einzigen Gebühren, die dabei anfielen waren diejenigen, die an Airbnb abgeliefert werden mussten. Airbnb verdient daran prächtig: Bei jeder Buchung fällig wird: Bis zu 15 Prozent fließen an die Online-Plattform, und Airbnb nach wie vor im Aufwind. In Österreich ist das Angebot etwa zuletzt jährlich um 80 Prozent gewachsen.

Verlierer der Sharing Economy

Andere schauen dafür durch die Finger: Die Städte, die Finanz, die offiziellen Beherbergungsunternehmen und nicht zuletzt auch alle, die in einer Stadt eine Wohnung suchen, weil sie tatsächlich dort wohnen wollen.

So gibt es erstens für Airbnb-Vermieter bisher nur in wenigen Städten die Verpflichtung, ihre Gäste zu melden. Den Städten entgehen dadurch die Einnahmen aus den Ortstaxen, die in Wien beispielsweise 3,2 Prozent des Buchungspreises ausmachen. Auch wenn Airbnb auf der eigenen Website darauf hinweist, dass sich die Vermieter an die lokalen Steuergesetze halten müssen - Airbnb selbst kontrolliert die Einhaltung dieses Gebots nicht und gibt die Daten der Vermieter - Namen, Adressen und Buchungsinformationen zu den Unterkünften - nicht preis. Airbnb argumentiert mit dem "Schutz der Privatsphäre der Nutzer". An die Behörden gibt Airbnb nur aggregierte Daten weiter, etwa die durchschnittlichen jährlichen Einnahmen der Gastgeber


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Werden Übernachtung nicht offiziell gemeldet, dann entgehen auch der Finanz Einnahmen, hauptsächlich die Umsatzsteuern. Seit April müssen Beherbergungsunternehmen 13 Prozent Umsatzsteuer abführen. Doch die Airbnb-Gastgeber halten sich offenbar nur selten an dieses Gebot. Schätzungen der österreichischen Hoteliervereinigung zufolge führt nur rund ein Fünftel von ihnen die Taxen und Steuern ordnungsgemäß ab. Das wiederum, argumentiert die Plattform, sei eine Angelegenheit der Gastgeber. Die Hoteliers sehen sich in der Causa als Verlierer, das sie ihren Obolus ordnungsgemäß abführen.

Nicht zuletzt gehören auch Wohnungssuchende zu den Verlierern der Sharing Economy. Wenn leerstehende Wohnungen nicht auf den Markt kommen, sondern stattdessen als Ferienwohnungen vermietet werden oder wenn Wohnungen extra zum Zweck der Vermietung erworben oder angemietet werden, dann verringert sich dadurch das Angebot und die Preise steigen. Problematisch ist das vor allem in begehrten, zentrumsnahen Innenstadtlagen, wo Wohnraum ohnehin knapp ist. Damit wird Airbnb auch für jene zum Bumerang, die vielleicht wie einst wie Gründer Brian Chesky aus Geldmangel nur ein Zimmer vermieten wollen.

Städte und Gerichte gegen Airbnb

Weltweit versuchen daher jetzt Kommunen, auf dem Rechtsweg strengere Vorschriften für Airbnb sowie weitere ähnlich operierende Plattformen wie Wimdu oder 9flats und deren Gastgeber zu erwirken.

Ausgerechnet in San Francisco, der Heimatstadt von Airbnb, könnte es nun zu einem Präzedenzfall kommen. Anstoß war eine Klage von Airbnb gegen eine neue Regelung, nach der keine Buchungsgebühren mehr von Immobilienbesitzern eingehoben werden dürfen, die nicht offiziell bei der Stadt gemeldet sind. Airbnb steht auf dem Standpunkt, als Plattform nur Vermittler zu sein und argumentiert wie überall, für das Verhalten der Nutzer nicht verantwortlich gemacht werden zu dürfen.

In New York steht eine ähnliche Weichenstellung an. Schon jetzt ist es in New York City weitgehend verboten, Wohnungen für weniger als 30 Tage unterzuvermieten. Künftig soll auch die Werbung für solche Angebote verboten werden. Die Stadt Berlin fordert, dass Airbnb alle Vermieter bekannt gibt, die mehr als die Hälfte einer Immobilie - also eine vor allem ganze Wohnungen - anbieten. So wie Wien hat sich bislang auch Berlin mit der Forderung nach Daten die Zähne ausgebissen. Doch der Stadtsenat gibt sich kämpferisch: Wenn Airbnb es auf einen Prozess ankommen lasse, werde auch die Stadt diesen Weg nicht scheuen, heißt es dort.

Organisator Gery Keszler wird den Life Ball 2019 zum letzten Mal veranstalten.

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