10 Jahre Airbnb: Milliarden-Business und touristische Problemzone

10 Jahre Airbnb: Milliarden-Business und touristische Problemzone

Eine Dachwohnung in Wien - für Touristen via Airbnb leicht zu finden.

Die Online-Buchungsplattform Airbnb wird in diesen Tagen zehn Jahre alt. Binnen eines Jahrzehnts wurde das Unternehmen vom Start-up, das Schlafplätze in Priatwohnungen vermittelt, zu einem Global Player der Tourismusbranche. Das rasante Wachstum ist begleitet von steten Konflikten.

"Vergesst Hotels" - mit diesem Claim trat im Sommer 2008 ein Start-up an, das mit einer eigentlich simplen Idee binnen eines Jahrzehnts die globale Tourismuswirtschafft - und nicht nur diese in ihren Grundfesten erschüttern sollte.

Die Rede ist von Airbnb, dem von Brian Chesky und Joe Gebbia vor zehn Jahren in San Francisco gegründeten als Mitwohn-Plattform gegründeten Unternehmen. Binnen eines Jahrzents wurde aus dem Musterbeispiel der "Sharing Economy" eines der wertvollsten Start-ups weltweit. Ein Unternehmen, das inzwischgen allenorts ein großer Rivale die etablierte Hotellerier und Tourismusbranche ist. Und das mittlerweile auch in vielen Städten dazu beiträgt, dass Wohnraum knapp wird und die Mieten auf ein bisher unvorstellbares Niveau steigen.

Zunächst stand der Gemeinschaftsgedanke noch stark im Vordergrund, so zumindest schildert es Chesky in Interviews. "Wir hatten keine Vorstellung davon, dass Air bed and breakfast groß werden könnte." Ursprünglich hätten er, Gebbia und der dritte Gründer Nathan Blecharczyk eine Plattform zur Mitbewohnersuche aufbauen wollen. Nach viermonatiger Arbeit sei ihnen aufgefallen, dass es diesen Service bereits gibt. So kam es zu Airbnb - oder wie Chesky amüsiert sagt: "Der schlechtesten Idee, die jemals funktioniert hat".

Milliarden-Geschäft mit Nebenwirkungen

Heute wird Airbnb von Investoren auf rund 31 Milliarden Dollar (rund 27 Milliarden Euro) taxiert und hätte das Zeug, einen der größten Tech-Börsengänge der Finanzgeschichte hinzulegen. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben mit über fünf Millionen gelisteten Unterkünften in 191 Ländern und rund 81.000 Städten weltweit präsent.

Das rasante Wachstum war und ist nicht ohne Reibereien möglich. Airbnb stößt immer wieder an rechtliche Grenzen und die Möglichkeit, leerstehende Betten, Zimmer oder Wohnungen an zahlungswillige und zahlungskräftige Touristen zu vermieten hat auch problematische Nebenwirunkgen auf den Wohnungsmarkt. In Wien werden von den rund 900.000 vorhandenen Wohnungen derzeit etwa 7.000 bis 8.000 Wohnungen auf Airbnb und weiteren Online-Plattformen angeboten. Einer an der Technischen Universität (TU) Wien im Jahr 2017 erstellten Studie zufolge wurden damals bereits rund 2.000 Wohnungen permanent dem Wohnungsmarkt entzogen (TU-Forschungsprojekt und Detailergebnisse).

Airbnb ist nämlich längst kein Beispiel mehr für eine "Sharing Economy", bei der Wohnraum geteilt wird, sondern ein knallhartes und prosperierendes Geschäft, bei dem Investoren Wohnungen zum Zweck der touristischen Weitervermietung erwerben. Obendrein nicht immer ohne die dafür fälligen Abgaben oder Steuern zu entrichten. Aufgrund der Geschäftsbedingungen - die "Gastgeber" geannten Vermieter werden von Airbnb grundsätzlich einmal nicht bekannt gegeben - wird dadurch auch Geldwäsche zumindest begünstigt.

Ermittlungen gegen die Plattformen und die Anbieter der Unterkünfte sind schwierig, denn häufig sind auf den Portalen weder die genaue Wohnungslage noch ein voller Name des Anbieters angegeben.

Airbnb Topverdiener in Wien 2017. Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf die Abbildung klicken.

Airbnb Topverdiener in Wien 2017. Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf die Abbildung klicken.

Geschätzte 81 Millionen Euro haben die Airbnb-Vermieter in Wien im Jahr 2016 eingenommen. In den Hot Spots beliefen sich die Einnahmen auf monatlich bis zu 300.000 Euro brutto. Rund zwei Drittel der monatlichen Gesamteinnahmen gingen an die obersten 20 Prozent mit den meisten Einnahmen. Wiens Top-Verdiener nahm über Airbnb monatlich rund 60.000 Euro ein. Wirklich viel Geld verdienten allerdings nur wenige Anbieter mit touristisch sehr gut gelegenen Immobilien. Die Top 40 Anbieter kamen aber immerhin auf mindestens 13.500 Euro monatlich. Das potentielle Steuer- und Abgabenvolumen hinter diesen Einnahmen liegt bei geschätzten 21 Millionen Euro.

"Wenn sich das Wachstum von Airbnb der letzten Jahre fortsetzt, dann wären im Jahr 2022 bereits über 40.000 Wohnungen dauerhaft über Airbnb vermietet. Damit würden wesentliche Teile des Wohnungsangebots für Wohnzwecke in der Stadt verloren gehen und der Verdrängungsdruck weiter steigen", warnen die Studien-Projektleiter der TU Wien.

Die Grenzen der Legalität

Wien müht sich seit langem, eine Lösung mit Airbnb und seinen digitalen Klonen zu finden, will nun eine verpflichtende Datenübermittlung an die Stadt, um die Abführung der Ortstaxe sicherzustellen. Doch diese Regel wäre etwas zu kurz gefasst, denn dabei geht es nur um die vordergründige, finanzielle Komponente aus Sicht der Stadt.

In anderen Großstädten wie Berlin, Amsterdam oder Madrid wurden die Regeln für Vermietung von Immobilien via Airbnb mittlerweile deutlich verschärft. In Berlin war es zwischenzeitlich sogar ganz verboten, Ferienwohnungen auf dem Portal zu inserieren. Auch in Paris und New York, zwei der lukrativsten Standorte, gibt es seit Jahren Konflikte. Oft geht es dabei darum, dass Airbnb-Vermieter ihre Abgaben (in Österreich etwa die Ortstaxe) nicht abführen. Immer häufiger ist aber der Kampf gegen Mietwucher und Wohnungsnot ein Thema, warum Städte versuchen, die Online-Plattformen zumindest einzuschränken.

Airbnb Quartiere lassen sich dort am besten vermieten, wo es auch für viele aus der ortsansässigen Bevölkerung interessant wäre, zu wohnen. Jedoch tragen die Vermietungsplattformen dazu bei, dass gerade in besonders beliebten Stadtvierteln und Grätzeln die Mieten und Wohnungspreise deutlich steigen.

Im Kampf gegen wuchernde Mieten und die Wohnungsnot hat nun auch der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio die Befugnisse von Plattformen wie Airbnb weiter eingeschränkt. Airbnb muss künftig eine Liste seiner Gastgeber sowie Informationen über sämtliche getätigte Transaktionen an die Behörden übermitteln, andernfalls drohen Strafen von 1.500 Dollar pro Monat und Wohnung. Was für das Unternehmen allerdings nicht besonders abschreckend sein dürfte.

Doch Airbnb zeigt sich natürlich "enttäuscht" und signalisiert, man wolle eine "vernünftige Regel" schaffen, die nur "schwarze Sshafe" treffen soll. Verständlich, denn New York ist für Airbnb der größte Markt in den USA. Entsprechend machen Politiker die Plattformen schon länger für die extrem hohen Mieten und den knappen Wohnraum im "Big Apple" mitverantwortlich. Der Staat New York hatte die Regeln für Airbnb bereits 2016 verschärft und Geldstrafen für Bürger eingeführt, die nicht selbst bewohnte Wohnungen und Häuser für einen Zeitraum von unter 30 Tagen vermieten.

Kampf der Wohnungssuchenden

Auf der Mittelmeerinsel Mallorca versucht man dem Geschäft einen Riegel vorzuschieben, nachdem Bürgerinitiativen einen Protestmarsch gegen die touristishcen Auswüchse initiiert hatten. Im Stadtgebiet der Hauptstadt Palma ist nur noch die Ferienvermietung von Einfamilienhäusern erlaubt, und auch dann nur sofern sich diese nicht auf geschütztem ländlichen Boden, in der Nähe des Flughafens oder in Gewerbegebieten befinden.

Der Hintergrund ist, dass als Folge des Airbnb-Booms die Mieten in der Hauptstadt Palma in den vergangenen fünf Jahren um rund 40 Prozent gestiegen sind. Vor allem den Jüngeren fiel es wegen der privaten Ferienvermietung über die Online-Plattformen immer schwerer, leistbare Wohnungen zu finden. Auf Mallorca gab es zum Zeitpunkt des Beschlusses im April knapp 15.000 Airbnb-Angebote, davon rund 3.000 in der Hauptstadt Palma.

Auch München will die Zweckentfremdung von Wohnungen als Ferienwohnungen bekämpfen und verlangt Zugeständnisse von Internetanbietern. So fordert das Sozialreferat der Stadt umfassende Auskunft zu Wohnungen, die insgesamt mehr als acht Wochen lang für Feriengäste angeboten werden. Um Zweckentfremdungen - die gewerbliche Vermietung von Wohnraum - zu bekämpfen, setzt das Sozialreferat ein Sonderermittlungsteam ein. Mit Erfolg: 2017 wurden knapp 300 Wohnungen dem Markt wieder zugeführt und 850.000 Euro Bußgelder verhängt.

"Wir haben Airbnb mehrfach gebeten, Lösungen zu entwickeln, damit illegale Zweckentfremdungen nicht unterstützt werden, und dazu auch konkrete Vorschläge gemacht", sagt die Münchner Sozialreferentin Dorothee Schiwy. "Passiert ist nichts." Deshalb fordert das Sozialreferat die Daten nun per Bescheid ein. Kommt Airbnb dieser Forderung nicht nach, werde ein Zwangsgeld von 300.000 Euro fällig.

Dessen ungeachtet läuft es für Airbnb und seine Gründer weiterhin gut. Die Gründer Chesky und Gebbia sind angesichts des Unternehmenswerts mittlerweile Multimilliardäre und Airbnb hat 2017 auch operativ einen ersten Jahresgewinn erzielt. Berechnungen der Financial Times zufolge lag der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen bei rund 100 Millionen Dollar, die Buchungen waren um weitere 150 Prozent gestiegen, der Jahresumsatz lag bei über 3,5 Milliarden Dollar.

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