Zuverdienst: So tappen Sie nicht die Steuer- und SVS-Falle

Zuverdienst: So tappen Sie nicht die Steuer- und SVS-Falle

Wer als Student, Arbeitnehmer oder Pensionist etwas dazu verdienen will, sollte sich genau informieren, ob und wie viel davon der Staat kassiert und ob dadurch nicht staatliche Leistungen gefährdet sind. Die wichtigsten Tipps und wie Sie sich mit dem neuen Zuverdienst-Rechner rasch einen groben Anhaltspunkt verschaffen können.

Die Familienbeihilfe und das Geld der Eltern reichen nicht, um sich das Leben als Student zu finanzieren, mit den Pensionsbezügen ist nur schwer über die Runden zu kommen oder das Gehalt als Angestellter oder Arbeiter reichen nicht aus, um das leben so zu gestalten, wie man es sich vorstellt. Die einen müssen, die anderen wollen etwas dazuverdienen. Doch wer nebenbei Geld verdienen will, sollte sich vor unliebsamen Überraschungen wappnen. Denn es drohen zusätzliche Steuern und Nachzahlungen an die Sozialversicherung. Im schlimmsten Fall können staatlichen Leistungen gestrichen oder gekürzt werden.

Zunächst gilt es für alle, die etwas Extrageld verdienen wollen, herauszufinden, ob eine sogenannte Zuverdienstgrenze einzuhalten ist. Solche gibt der Staat vor, wenn dieser eine finanzielle Leistung gewährt, etwa in Form einer Familienbeihilfe oder einer Frühpension. Solche Zuverdienstgrenzen können für Studenten und je nach Art der Pension unterschiedlich sein.

Zuverdienstgrenzen für Studenten

Studenten dürfen derzeit ab dem 20. Lebensjahr höchsten 10.000 Euro brutto pro Jahr verdienen, ohne den Anspruch auf die Familienbeihilfe zu verlieren oder das Stipendium ganz oder teilweise zurückzahlen zu müssen. Das zur Berechnung herangezogene Einkommen gilt, auch bei anderen Zuverdienern, stets ohne Sonderzahlung, also etwa ohne dem 13. und 14. Gehalt oder einem Bonus.
Übersteigt das Jahreseinkommen bei Studenten die Grenze von 10.000 Euro, verringert sich die Familienbeihilfe um diesen Betrag. Wenn Unterhalt für eigene Kinder geleistet wird, erhöht sich der Betrag um 2.988 Euro pro Kind. Laut türkis-grünem Regierungsprogramm ist künftig geplant die Zuverdienstgrenze für Studenten auf 15.000 Euro anzuheben.

Zuverdienstgrenzen bei Korridorpension und Hacklerpension

Wie viel Pensionisten ohne finanzielle Einbußen bei den Pensionsbezügen dazu verdienen können, variiert je nach Pension. Um die Bezüge der Pensionsversicherungsanstalt bangen, müssen nämlich nur all jene, die eine vorzeitige Pension beziehen. Nur für sie gelten auch Zuverdienstgrenzen.

Das betrifft all jene, die eine Korridorpension beziehen, unter die Hacklerregelung fallen oder bis zur Regelpension eine Frühpension aus gesundheitlichen Gründen beziehen. Die Betroffenen dürfen im Jahr 2020 nicht mehr als die monatliche Geringfügigkeitsgrenze von 460,66 Euro pro Monat an Zusatzeinkommen lukrieren. Andernfalls riskieren sie die Pension zu verlieren. „Bei nur einem Euro mehr fällt die gesamte Pension für den Zeitraum der nicht geringfügigen Beschäftigung weg“, warnt die AK.

Steuerliche Regeln für Frühpensions-Bezieher aus gesundheitlichen Gründen

Wer aus gesundheitlichen Gründen, also Berufsunfähigkeitspension (Angestellte), Invaliditätspension (Arbeiter), Dienstunfähigkeitspension (Beamte) oder Erwerbsunfähigkeitspension (Selbstständige) in Frühpension ist, darf die neu gewonnene Freizeit damit nur äußerst eingeschränkt zum Geldverdienen nutzen. Nur wer monatlich nicht mehr als 1.220,01 Euro brutto aus Pension und Erwerbseinkommen bezieht, verliert seine Pension nicht. Wer zwischen 1.220,01 Euro und 1.830,08 Euro brutto im Monat einnimmt, dem wird der Anteil, der die Grenze übersteigt um 30 Prozent vermindert. Der Teil zwischen 1.830,08 Euro und bei einem Gesamtverdienst von 2.440,01 Euro pro Monat wird die Pensionszahlung um 40 Prozent vermindert. Alle Einkünfte über 2.440,01 Euro werden um 50 Prozent vermindert.

Sobald das gesetzliche Pensionsalters von 60 Jahren bei Frauen und 65 Jahren bei Männern erreicht wird, gibt es für jene, die eine vorzeitige Alterspension bezogen haben, keine Zuverdienstgrenzen mehr.

Minimales Jahreseinkommen steuerfrei

Ob Pensionist oder Lohn- oder Gehaltsempfänger, die Chancen, ohne zusätzliche Steuern zahlen zu müssen, durchzukommen, sind minimal. Nur wenn das Gesamtjahreseinkommen bei Arbeitnehmern 12.000 Euro nicht überschreitet, werden keine Steuern fällig, ob mit oder ohne Zuverdienst. Bei Selbstständige ist bereits bei 11.000 Euro Schluss. Alles darüber, ruft den Fiskus auf den Plan und löst eine Steuer aus. All jene, die Honorarnoten stellen, können zusätzlich zu ihrem Gehalt 730 Euro Gewinn, also Einnahmen abzüglich Betriebsausgaben, steuerfrei lukrieren.


Viele unterliegen dem Irrglauben, sie dürften bis zu Zuverdienstgrenze steuerfrei Geld dazuverdienen

Doch unabhängig davon, ob man einer Zuverdienstgrenze unterliegt oder nicht. „Für jeden Cent, den man dazuverdient, sind Steuern zu zahlen“, warnt Vanessa Mühlböck, Steuerexpertin der Arbeiterkammer. „Viele unterliegen aber dem Irrglauben, sie dürften bis zu Zuverdienstgrenze steuerfrei Geld dazuverdienen“, weiß die Steuerexpertin, deren Hauptanfragen von Kunden in Punkto Steuern sich um die Zuverdienstgrenze drehen.

All jene, die eine Alterspension beziehen, können jedoch so viel sie wollen dazuverdienen ohne zu riskieren die Pension zu verlieren. „Bei Erwerbseinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze sind wieder Beiträge in die Kranken- und Pensionsversicherung zu leisten“, so Steuerexperte Wolfgang Höfle von der TPA.

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