Was die Steuerreform ab 2020 bringt

Der Eingangssteuersatz sinkt auf 20 Prozent, Unternehmen können erstmals Verluste mit Gewinnen gegenrechnen werden und Neuinvestitionen in Gebäuden sind rascher absetzbar. Unternehmer, Arbeitnehmer und auch Geringverdiener bekommen durch das neue Steuerpaket mehr Geld.

Thema: Steuertipps
Was die Steuerreform ab 2020 bringt

Der Nationalrat hat die jüngsten Entlastungsmaßnahmen für Unternehmen und sozial Schwachen einstimmig zugestimmt.

Um das Wirtschaftswachstum in Zeiten von Corona anzukurbeln, hat der Nationalrat einstimmig zahlreiche steuerliche Maßnahmen beschlossen, welche sowohl Investitionen von Unternehmen fördern als auch eine steuerliche Entlastung herbeiführen sollen. TPA Steuerberater Christopher Schein erklärt die Eckpunkte der Reform.

Eingangssteuersatz gesenkt – Höchststeuersatz verlängert
Ein zentraler Punkt im Steuerpaket ist die Senkung des Eingangssatzes in der Einkommenssteuer von 25 auf 20 Prozent. Diese Änderung gilt bereits rückwirkend ab 1. Jänner 2020. Dadurch kommt es insbesondere für Arbeitnehmer bereits in diesem Jahr zu einer unterjährigen Entlastung.
Arbeitgeber sollten dabei beachten, dass bis spätestens 30. September 2020 ein Aufrollen der Lohn- und Gehaltszahlungen für vergangene Monate, in welchen seit Jahresanfang noch der höhere (Eingangs-)Steuersatz angewendet wurde, erforderlich ist. Der Höchststeuersatz von 55 Prozent für Spitzenverdiener wird bis 2025 verlängert.

100 Euro mehr Negativsteuer
Arbeitnehmer, die keine Einkommensteuer zahlen, werden mit einer höheren SV-Rückerstattung (früher: Negativsteuer) im Ausmaß von bis 400 Euro, statt bisher 300 Euro, entlastet.

Degressive Abschreibung für Investitionen ab Juli möglich
Eine weitere Neuerung besteht in der Möglichkeit der Inanspruchnahme einer degressiven Abschreibung. Wirtschaftsgüter, die ab dem 1. Juli 2020 angeschafft oder hergestellt werden, können dabei mit einem Abschreibungssatz von höchstens 30 Prozent vom jeweiligen Buchwert (bzw Restbuchwert) abgeschrieben werden.
Bei der Inbetriebnahme in der zweiten Hälfte des (Wirtschafts-)Jahres steht die Halbjahres-AfA von bis zu 15 Prozent zu.
Ausgenommen von der degressiven Abschreibung sind unter anderem
- Gebäude und andere Wirtschaftsgüter, die Sonder-Abschreibungsregeln unterliegen
- Kraftfahrzeuge mit einem CO2-Emissionswert von mehr als 0 Gramm pro Kilometer
- Gebrauchte oder unkörperliche Wirtschaftsgüter (zB Patente, mit Ausnahmen)
- Anlagen zur Förderung, Transport, Speicherung oder Nutzung fossiler Energieträger

Im ersten Jahr höchstens die dreifache Afa abschreibbar
Es besteht die einmalige Möglichkeit, von der degressiven zur linearen Abschreibung zu wechseln, dies wird meist angewendet, wenn nach einigen Jahren die lineare AfA höher als die degressive ist.
Vorgezogene Abschreibung für Investitionen in Gebäude ab Juli möglich
Für ab 1. Juli 2020 angeschaffte oder hergestellte Gebäude beträgt die mögliche Absetzung für Abnutzung (AfA) im Jahr der erstmaligen Berücksichtigung höchstens das Dreifache und im darauffolgenden Jahr höchstens das Zweifache des jeweils anzuwendenden AfA-Prozentsatzes. Auch bei Inbetriebnahme in der zweiten Jahreshälfte steht die volle Jahres-AfA zu.

Verlustrücktrag“- Erstmals Verluste mit Gewinnen aus Vorjahren verrechenbar
Auf Antrag besteht künftig erstmals bei der Einkommenssteuer und auch bei der Körperschaftssteuer die Möglichkeit einen steuerlichen Verlustrücktrag geltend zu machen. Dadurch können Verluste aus betrieblichen Einkünften des Jahres 2020 mit positiven Einkünften des Jahres 2019 darüber hinaus unter bestimmten Voraussetzungen mit positiven Einkünften des Jahres 2018 verrechnet werden. Nicht rückgetragene Verluste gehen grundsätzlich nach den bisherigen Regeln in den steuerlichen Verlustvortrag ein.
Sofern im Jahr 2020 ein abweichendes Wirtschaftsjahr, etwa mit dem Bilanzstichtag 30. Juni 2020 endet, besteht das Wahlrecht, entweder einen betrieblichen Verlust aus der Veranlagung 2020 oder einen Verlust aus der Veranlagung 2021 – in diesem Fall auf die Jahre 2020 und 2019 – rückzutragen.

Der Verlustrücktrag ist, wie in Deutschland, mit fünf Millionen Euro begrenzt. Eine relative Begrenzung, wie etwa eine Verrechnungsgrenze von 75 Prozent beim Verlustvortrag, ist für den Verlustrücktrag nicht vorgesehen.
Im Rahmen der Gruppenbesteuerung kann der Verlustrücktrag nur vom Gruppenträger geltend gemacht werden. Dabei ist der Verlustrücktrag mit einem Betrag von fünf Millionen Euro für den Gruppenträger sowie weiteren fünf Millionen Euro pro Gruppenmitglied begrenzt.

Umsatzsteuer wird für mehrere Branchen gesenkt
Bereits seit 1. Juli in Kraft ist die Senkung des Umsatzsteuersatzes auf fünf Prozent bei Umsätzen in der Gastronomie, Hotellerie, im Kunst- und Kultursektor und im publizistischen Bereich. Die Steuersenkung ist bis 31. Dezember 2020 befristet. Siehe auch Artikel:Mehrwertsteuer-Senkung: Das müssen Unternehmen beachten

Bis zu 14 Prozent Investitionsprämie
Neu ist auch eine Investitionsprämie in Höhe von 7 Prozent, durch die für Unternehmen Anreize geschaffen werden sollen, mehr zu investieren. Für Investitionen, die Entwicklungen in den Bereichen Klimaschutz, Digitalisierung und Gesundheit/Life-Science vorantreiben, erhöht sich diese Prämie auf 14 Prozent. Durch die Prämie sollen für Unternehmer aller Größen und Branchen mit Sitz oder Betriebsstätten in Österreich Investitionsanreize geschaffen werden. Gefördert werden aktivierungspflichtige Neuinvestitionen in das abnutzbare, materielle oder immaterielle Anlagevermögen an Standorten in Österreich.

Voraussetzung ist, dass die Investitionen (bzw erste damit in Zusammenhang stehende Maßnahmen) zwischen 1. August 2020 und 28. Februar 2021 getätigt werden. Der zugehörige Antrag kann beginnend mit 1. September 2020 bis 28. Februar 2021 eingereicht werden. Die Gewährung der Förderungen wird vom AWS abgewickelt. Klimaschädliche Investitionen sowie Investitionen in Finanzanlagen, Unternehmensübernahmen und aktivierte Eigenleistungen, also selbst Hergestelltes, sind von der Förderung grundsätzlich ausgeschlossen.

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