Wann Geschäftsführer bei Verstößen gegen Bilanzregeln haften

Geschäftsführer einer GmbH haften bei Verstößen gegen die Bilanzregeln mit hohen Geldstrafen und bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Die Steuerexperten der TPA erklären, wann das Strafrecht, das Finanzstrafrecht, das Steuerrecht oder das Zivilrecht unerbittlich zuschlägt und Geschäftsführer zur Rechenschaft gezogen werden.

Thema: Steuertipps
Wann Geschäftsführer bei Verstößen gegen Bilanzregeln haften

Sich rausreden gilt nicht. Geschäftsführer die gegen Bilanzregeln verstoßen, werden gnadenlos abgestraft.

Bei etlichen Firmen, darunter auch GmbHs, stehen Vertriebsspezialisten an der Spitze eines Unternehmens. Diese tragen nicht selten auch im kaufmännischen Sinn die alleinige Verantwortung. Denn häufig wird aus Kostengründen der Posten des kaufmännischen Geschäftsführers gestrichen, was bleibt ist ein Leiter des Rechnungswesens, das ausführende Organ des Geschäftsführers - ohne Einspruchsrecht bei finanziellen Belangen wie ein kaufmännischer Geschäftsführer. Gerade in solchen Fällen, aber auch wenn mehrere Geschäftsführer ein Unternehmen leiten, ist es essentiell, das diese in bestimmten Bilanzfragen sattelfest sind. Sonst droht Schaden sowohl für das Unternehmen als auch Strafen für die Geschäftsführer einer GmbH, die bis zu Freiheitsstrafen gehen. Denn Geschäftsführer haften für zahlreiche Delikte persönlich.

Welche Sanktionen drohen, wenn nahe Angehörige bevorzugt werden

Bei Gesellschaftern und anderen Anteilsinhabern ist es aus steuerlicher und finanzstrafrechtlicher Sicht notwendig, dass diese ihren nahen Angehörigen Leistungen zu denselben Bedingungen bieten als anderen. Dazu zählen Mietverträge, Kredite, Verrechnungskosten oder Verträge für eine Anstellung. Gibt es abweichende Verträge oder fremdunübliche Konditionen kann die Finanz eine „verdeckte Gewinnausschüttung“ feststellen.

Bis zu rund 38 Prozent Strafsteuer drohen – Selbstanzeige möglich


Eine Gewinnausschüttung unterliegt der Kapitalertragsteuer (KESt) in Höhe von 27,5 Prozent. Wird die KESt von der Gesellschaft übernommen, droht zusätzlich eine verdeckte Gewinnausschüttung, der Kapitalertragsteuer-Satz beträgt dann insgesamt 37,93 Prozent der verdeckten Gewinnausschüttung. Eine verdeckte Gewinnausschüttung kann auch finanzstrafrechtlich relevant sein. Besteht darüber hinaus der Verdacht eines „Bilanzdeliktes“, ist die Finanz sogar verpflichtet, das bei der Kriminalpolizei oder Staatsanwaltschaft anzuzeigen. „Gab es eine solche verdeckte Gewinnausschüttung sollte man eine strafbefreiende Selbstanzeige in Betracht ziehen“, sagt Manuela Ponesch-Urbanek, Wirtschaftsprüferin bei TPA.

Vier Gründe, wann ein Geschäftsführer haftet

Vier Gründe, warum ein Geschäftsführer haftet bei:
- einem erlittenen Schaden ,
- einem Zusammenhang zwischen Schaden und pflichtwidriger Handlung / Unterlassung ,
- einer rechtswidrigen Handlung oder der Unterlassung einer Handlung und
- einem Verschulden .

Die Haftung trifft sämtliche Geschäftsführer eines Unternehmens. Die Verantwortung auf einzelne Geschäftsführer einzuschränken, ist nur schwer möglich. Geschäftsführer werden nur unter bestimmten, strengen Bedingungen entlastet. Zivilrechtlich haftet der Geschäftsführer jedoch nur, wenn er seine Pflichten verletzt.

Bilanzdelikte: Welche Tatbestände neuerdings strafbar sind

Strafrechtlich haften Geschäftsführer neben Finanzstrafdelikten und Wirtschaftsdelikten wie Betrug und Untreue vor allem aufgrund neu geregelter „Bilanzdelikte“.

Geschäftsführer müssen mit Strafen rechnen, wenn in bestimmten Unterlagen, etwa im Jahresabschluss, Lagebericht oder einem Quartalsabschluss wesentliche Informationen vorenthalten wurden , die die
- Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage der Gesellschaft betreffen,
- in unvertretbarer Weise falsch oder unvollständig darstellt und
- die Handlung geeignet ist, einen erheblichen Schaden für bestimmte Personen zu verursachen.

Wer da trickst oder andere dazu anstiftet, dem drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Das Strafgesetzbuch sieht eine maximale Freiheitsstrafe von drei Jahren vor.

Geschäftsführer haften auch, wenn bestimmte Vorschriften nicht eingehalten wurden

So haften Geschäftsführer

- prüfungspflichtiger Gesellschaften persönlich mit bis zu 100.000 Euro, wenn die Gesellschaft in die Insolvenz schlittert und in den zwei Jahren davor eine Eigenkapitalquote von acht Prozent nicht erreicht wurde und die Schulden , wenn auch nur rein rechnerisch, nicht binnen 15 Jahren getilgt werden konnten und keine Reorganisation eingeleitet wurde. (Rechtsgrundlage dafür bildet das Unternehmensreorganisationsgesetz (URG).) Es sei denn, die Insolvenz ist aus anderen Gründen als wegen der Unterlassung der Reorganisation eingetreten.
- wenn ein Insolvenzantrag nicht rechtzeitig, spätestens jedoch 60 Tage nach Feststellung der Insolvenz eingebracht wurde. So sieht es die Insolvenzordnung vor.
- Wenn trotz Firmenkrise Kreditrückzahlungen an den Gesellschafter erfolgen. Das ist ein Verstoß gegen das Eigenkapitalersatzrecht.
- wenn ein oder mehrere Gesellschafter oder andere Anteilseigner sogenannte fremdunübliche Vorteile erhalten. Das fällt unter das Verbot der Einlagenrückgewähr.

Da Geschäftsführer auch persönlich haften, sollten diese über wesentliche unternehmensrechtliche, gesellschaftsrechtliche, steuerrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Rahmenbedingungen gut informiert sein. „Schon eine kleine Unachtsamkeit kann sowohl über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg eines ganzen Unternehmens entscheiden und darüber, ob man für sein Tun Strafe kassiert oder gar vor Gericht landet“, warnt TPA-Wirtschaftsprüferin Ponesch-Urbanek.

TPA-Broschüre „Geschäftsführer und Jahresabschluss“ zeigt eine Vielzahl der Aspekte auf, die es für jeden Geschäftsführer einer GmbH zu beachten gilt. Ein kostenloses Exemplar finden Sie unter www.tpa-group.at

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