Verlustersatz: Bis zu 90 Prozent vom Umsatz vom Staat retour

Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes in bestimmten Zeiträumen verloren haben, können nun einen Verlustersatz beantragen. Welche Bemessungsgrundlage dafür gilt und bis wann die Anträge für die 1. und die 2. Tranche eingereicht werden können und ob die neue Förderung mit dem Fixkostenzuschuss vereinbar ist.

Verlustersatz: Bis zu 90 Prozent vom Umsatz vom Staat retour

Um Liquiditätsengpässe von Unternehmen zu überbrücken, wurde nun neben dem Lockdown-Umsatzersatz für November und Dezember 2020 und der Verlängerung des Fixkostenzuschusses ein sogenannter Verlustersatz eingerichtet. Die Steuerberater von LBG erklären, worum es beim Verlustersatzz geht.

Der Verlustersatz ist so etwas wie eine Variante des Fixkostenzuschuss II, mit dem Unternehmen ein Teil ihrer Verluste in den gewählten Betrachtungszeiträumen (16.9.2020 – 30.6.2021) kompensiert werden soll. Beide Varianten (Fixkostenzuschuss II und Verlustersatz) können nicht kumuliert werden. Es ist daher vor Beantragung abzuwägen, welche Variante gewählt wird. Wurde bereits ein Fixkostenzuschuss II beantragt, kann allerdings vor Beantragung der zweiten Tranche in den Verlustersatz gewechselt werden.

Wer kann den Verlustersatz beantragen?
Es können Unternehmen aller Betriebsgrößen mit Sitz/Betriebsstätte in Österreich beantragen, die steuerliche Einkünfte aus einem Gewerbe, selbstständiger Tätigkeit oder Land- und Forstwirtschaft erzielen. Voraussetzung dafür ist, dass das betreffende Unternehmen vor dem 16. September 2020 Umsätze getätigt hat.
Ausgenommen sind Unternehmen, über die in den letzten fünf Jahren rechtskräftig Finanzstrafen von mehr als 10.000 Euro verhängt wurden, Unternehmen des Finanzsektors und Non-Profit-Organisationen. Voraussetzung für einen Anspruch auf den neu geschaffenen Umsatzersatz ist , wie beim Fixkostenzuschuss I und Fixkostenzuschuss II, ein Umsatzausfall aufgrund der Pandemie. Dieser muss im gewählten Zeitraum mindestens 30 Prozent betragen.

Bis zu zehn Betrachtungszeiträume
Der Verlustersatz ist ein Zuschuss, der einen Teil der Verluste in den gewählten Betrachtungszeiträumen kompensieren soll. Es können Zuschüsse für bis zu zehn Betrachtungszeiträume im Zeitraum 16. September 2020 bis 30. Juni 2021 gewährt werden. Voraussetzung ist ein Umsatzausfall von mindestens 30 Prozent gegenüber den entsprechenden Vergleichszeiträumen im Jahr 2019 (Junge Unternehmen können den Umsatzausfall auf Basis einer Planungsrechnung plausibilisieren).
Für die Berechnung des Umsatzausfalls können bis zu zehn der folgenden Betrachtungszeiträume gewählt werden:
• Betrachtungszeitraum 1: 16. September 2020 bis 30. September 2020
• Betrachtungszeitraum 2: Oktober 2020
• Betrachtungszeitraum 3: November 2020
• Betrachtungszeitraum 4: Dezember 2020
• Betrachtungszeitraum 5: Jänner 2021
• Betrachtungszeitraum 6: Februar 2021
• Betrachtungszeitraum 7: März 2021
• Betrachtungszeitraum 8: April 2021
• Betrachtungszeitraum 9: Mai 2021
• Betrachtungszeitraum 10: Juni 2021
Die ausgewählten Betrachtungszeiträume müssen unmittelbar zusammenhängen. Eine Ausnahme besteht, wenn Umsatzersatz bezogen wurde: Solche Zeiträume dürfen die Betrachtungszeiträume im Verlustersatz unterbrechen.

Erlöse aus Waren und Leistungen maßgeblich
Als Berechnungsbasis für den Umsatzausfall gelten die für die Einkommen- oder Körperschaftsteuerveranlagung maßgebenden Waren- und/oder Leistungserlöse.
Für die Ermittlung des Verlustes wird auf die Erträge des Unternehmens und auf Betriebsausgaben gemäß EStG bzw KStG abgestellt. Außerplanmäßige Abschreibungen betreffend das Umlaufvermögen werden berücksichtigt.

Bis zu 90 Prozent Verlustersatz vom Umsatz
Durch den Verlustersatz werden
• 70 Prozent, wenn das Unternehmen mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt und sich der Jahresumsatz oder die Bilanzsumme auf mehr als zehn Millionen Euro belaufen, oder
• 90 Prozent, wenn das Unternehmen weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigt und sich Jahresumsatz oder Bilanzsumme auf weniger als zehn Millionen Euro belaufen,
des maßgeblichen Verlustes abgedeckt. Die Höhe des Verlustersatzes ist dabei mit drei Millionen Euro pro Unternehmen gedeckelt. Der Verlustersatz wird jedoch nur dann ausbezahlt, wenn sich der errechnete Ersatzbetrag auf mindestens 500 Euro beläuft. Der Verlust ist durch schadensmindernde Maßnahmen zu verringern, soweit möglich.

Anträge müssen vom Steuerberater eingebracht werden
Die Antragstellung erfolgt über FinanzOnline in zwei Tranchen. Die Anträge auf Gewährung des Verlustersatzes sind von jedenfalls von einem Steuerberater einzubringen.
Erste Tranche: kann ab 16.12.2020 bis 30.6.2021 beantragt werden und umfasst 70 Prozent des voraussichtlichen Verlustersatzes. Für die Beantragung der ersten Tranche sind die Höhe des Umsatzausfalles sowie des Verlustes bestmöglich zu schätzen (Prognoserechnung).
Zweite Tranche: kann ab 1. Juli 2021 bis 31. Dezember 2021 beantragt werden. Bei der Beantragung der zweiten Tranche müssen die tatsächlich erlittenen Umsatzrückgänge und Verluste anhand einer gutachterlichen Stellungnahme eines Steuerberaters belegt werden („Endabrechnung“). Es können bei Beantragung der 2. Tranche noch die Betrachtungszeiträume geändert werden.

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