US-Steuerreform: So wirkt sie sich auf Austro-Firmen aus

US-Steuerreform: So wirkt sie sich auf Austro-Firmen aus

Die US-Steuerreform, seit Anfang 2018 gültig, hat gravierende Auswirkungen auf die Besteuerung von Unternehmen, auch für ausländische Unternehmen mit Standorten in den Vereinigten Staaten.

Mit der Steuerreform in den USA wurden nicht nur Firmensteuern gesenkt. Die neuen Regeln für Steuermissbrauch und Zinsverschiebungen wirken sich auch auf österreichische Unternehmen mit Standorten in den USA aus.

Das wirtschaftliche Engagement österreichischer Firmen in den USA ist beträchtlich. 670 Tochtergesellschaften heimischer Firmen sind laut Wirtschaftskammer in den USA vertreten und beschäftigen dort 50.000 Mitarbeiter. Ihr Gesamtumsatz beläuft sich auf 33 Milliarden Euro. Änderungen im US-Steuersystem haben daher auch Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft.
Der sogenannte Tax Cuts and Jobs Act (TCJA) stellt die größte US- Steuerreform seit 1986 dar. Gravierende Neuerungen gibt es vor allem bei der Besteuerung von Unternehmen.

Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf 21 Prozent

Kernstück der US-Steuerreform ist die Senkung des Körperschaftsteuersatzes von bisher maximal 35 Prozent auf 21 Prozent. Die bisherige progressive Körperschaftsteuer wurde durch eine Flat Tax ersetzt. Das betrifft die Steuern auf Bundesebene.
Auf Ebene der einzelnen Staaten werden zusätzlich Steuern zwischen fünf bis sechs Prozent eingehoben. Die bisherige Mindestkörperschaftsteuer (Alternative Minimum Tax) wurde gestrichen, bleibt aber anrechenbar oder wird rückerstattet.

Vollständige Absetzbarkeit von Anlageinvestitionen

Als Investitionsanreiz wurde die vollständige Absetzbarkeit von Anlageninvestitionen (mit Ausnahme von Gebäuden) zwischen dem 27. September 2017 und dem 1. Jänner 2023 für gebrauchte und neue Wirtschaftsgüter erlaubt. Nach diesem Zeitpunkt wird die Absetzbarkeit bis 2026 stufenweise wieder abgesenkt.

Verlustvorträge unbeschränkt vortragsfähig

In Geschäftsjahren ab dem 1. Jänner 2018 entstandene Verlustvorträge sind nun zeitlich unbeschränkt vortragsfähig. Bisher war es auf 20 Jahre beschränkt. Vergleichbar mit der österreichischen Regel sind Verlustvorträge allerdings nur bis zu maximal 80 Prozent des laufenden Gewinnes verrechenbar. Aufgrund des reduzierten Körperschaftsteuersatzes nimmt der bilanzielle Wert von Verlustvorträgen ab.

Bisher galt für US-Firmen ein Steueraufschub für Auslandgewinne

Bisher unterlagen US-Körperschaften einer weltweiten Steuerpflicht, allerdings mit einem Steueraufschub für nicht in die USA transferierte Gewinne. Erst beim tatsächlichen Transfer kam es zur Besteuerung mit 35 Prozent unter Anrechnung darauf lastender Ertragssteuer bzw. Quellensteuer.

Auslandsgewinne werden mit bis zu 15,5 Prozent besteuert

Doch das ist seit Anfang 2018 nicht mehr möglich und gilt als einer der wesentlichen Änderung der Steuerreform. Im Ausland gehortete Gewinne müssen nun mit 15,5 Prozent (in Cash verfügbare Gewinne) bzw. 8 Prozent (in Anlagen gebundene Gewinne) einmalig nachversteuert werden.

US-Dividenden von Körperschaften steuerfrei

Dividendeneinnahmen von US-Körperschaften, bisher steuerpflichtig, sind hingegen seit Anfang des Jahres steuerfrei. Voraussetzung sind eine Beteiligung von zehn Prozent und eine Behaltedauer von 365 Tagen innerhalb der letzten 731 Tage. Eine Ausnahme gibt es für ausländische Passivgesellschaften. Eine Missbrauchsvorschrift regelt den Fall, in dem die Dividenden bei der ausschüttenden Gesellschaft abzugsfähig waren. Die Anrechnung ausländischer Steuern ist nunmehr ausgeschlossen.
„Vor dem Hintergrund dieser Neuerung sollte überprüft werden, ob eine Umstrukturierung ausländischer Holdings oder der Finanzierung, mit möglicher Umschichtung von Fremd- auf Eigenmittel, nötig werden“, rät Iris Burgstaller, Steuerberaterin bei von TPA.
So sollen Gewinn nicht mehr ins Ausland verschoben werden

Mit folgenden Maßnahmen wollen die USA Gewinnverlagerungen in das Ausland verhindern und die US-Wirtschaft stärken:

Direkte Besteuerung von Gewinnen aus immateriellen Vermögenswerten in den USAS Der Global Intangible Low Taxed Income (GILTI) ist eine Bestimmung zur direkten Besteuerung von globalem niedrigbesteuerten Einkommen kontrollierter Tochtergesellschaften aus immateriellen Vermögenswerten. Dabei wird die Hälfte der Gewinne von ausländischen verbundenen Unternehmen (CFCs) direkt bei der US-Gesellschaft besteuert, sobald eine Standardrendite von zehn Prozent aus den materiellen Vermögenswerten überschritten wird. Die effektive Steuer in den USA beträgt 10,5 Prozent für Geschäftsjahre ab 2018. Für die Geschäftsjahre ab 2026 sind es 13,125 Prozent. Die auf den Gewinnen lastende ausländische Steuer ist zu 80 Prozent anrechenbar. Anrechnungsvor- oder -rücktrag ist allerdings nicht möglich.

Begünstigte Besteuerung bei Erträgen aus Vermietung oder Verkauf immaterieller Güter

Der Foreign Derived Intangible Income (FDII) stellt demgegenüber eine Begünstigung und damit einen Anreiz für US-Gesellschaften dar: Einkünfte einer US-Gesellschaft aus Verkauf oder Vermietung von immateriellen Gütern wie Patente oder Marken bis 2025 unterliegen einem begünstigten Steuersatz von 13,125 Prozent. Vorausgesetzt die Standardrendite von zehn Prozent wird überschritten. Ab dem Geschäftsjahr 2026 beträgt der Steuersatz 16,406 Prozent.

Doppelbesteuerung vermeiden

„Im Hinblick auf diese beiden Änderungen sollte die Konzernstruktur ebenfalls überdacht werden. Etwa um US-Zwischengesellschaften und so eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Zu prüfen ist auch, inwieweit eine Übertragung immaterieller Wirtschaftsgüter auf US-Gesellschaften zu einer Senkung der Abgaben führen könnte“, erläutert Burgstaller.

Lizenzgebühren, Zinsen und Managementgebühren von US-Firmen an ausländische Unternehmen könnten Steuerbasis erhöhen. Die Base Erosion Anti-Abuse-Tax (BEAT) bewirkt eine Hinzurechnung zum steuerlichen Gewinn von Zahlungen einer US-Gesellschaft an ausländische verbundene Unternehmen. Als sogenannte Base Erosion Payments (BEPs) gelten etwa Lizenzgebühren, Zinsen oder Zahlungen für Konzerndienstleistungen wie Management-Gebühren.

Gilt erst ab einem Umsatz von 500 Millionen Euro

Die Anti-Missbrauchs-Steuer gilt nur für Unternehmen mit einem konzernweiten US-Umsatz von mindestens 500 Millionen Dollar. Außerdem müssen die entsprechenden Zahlungen (BEPs) mindestens drei Prozent des Gesamtaufwandes betragen. Ausgenommen sind Zahlungen, die den Umsatz mindern oder Zahlungen für Leistungen, die weiterverrechnet werden.

So funktioniert die Anti-Missbrauchs-Steuer

Der regulären Besteuerung des Gewinnes mit 21 Prozent (vor Hinzurechnung der BEPs) wird eine errechnete Steuer in Höhe von fünf Prozent (in 2018, ab 2019 10%, ab 2026 12,5%) des Betrages nach Hinzurechnung der BEPs gegenübergestellt. Wenn der Vergleichsbetrag über der regulären Steuerlast liegt, kommt es zur Einhebung einer zusätzlichen Steuer.

„Aufgrund der Anti-Abuse-Tax sollte geprüft werden, ob das Verrechnungspreissystems im Unternehmen angepasst werden sollte, etwa indem Leistungen 'at cost' verrechnet oder Leistungen in die verkauften Waren „eingepreist“ werden “, so Burgstaller.

Steuerlicher Zinsenabzug wird beschränkt

Vergleichbar mit der Zinsabzugsbeschränkung der EU ist für Konzerne in den USA der Nettozinsaufwand nur noch in Höhe von 30 Prozent des EBITDA abzugsfähig. Ab 2022 besteht die Beschränkung in Höhe von 30 Prozent des EBIT. Die Einschränkung betrifft sämtliche Zinszahlungen, auch solche an nicht verbundene Unternehmen. Nicht abzugsfähige Zinsaufwendungen sind vortragsfähig. Von der Abzugsbeschränkung ausgenommen sind kleinere Unternehmen mit Umsätzen im 3-Jahres-Durchschnitt unter 25 Millionen Dollar.
Burgstaller: "Wegen der neuen Beschränkung ist eine Analyse der Finanzstruktur sinnvoll. Dabei sollte ausgelotet werden, ob die nicht abzugsfähigen Zinsen minimiert werden können."

Eingeschränkte Abzugsmöglichkeit von Zinszahlungen oder Lizenzgebühren in Verbindung mit nahestehenden ausländischen Personen

Die sogenannte Hybrid-Mismatch-Rule betrifft die eingeschränkte Abzugsmöglichkeit von Zinszahlungen oder Lizenzgebühren von dem Unternehmen nahestehenden ausländischen Personen, soweit diese beim Empfänger nicht steuerlich erfasst werden oder eine nahestehende Person, die Zahlungen ebenfalls abziehen kann. Voraussetzung ist, dass es sich um eine hybride Transaktion handelt oder eine hybride Gesellschaft einbezogen ist. Das ist eine Gesellschaft, die entweder nach US-Recht oder nach ausländischem Recht als transparent behandelt wird, umgekehrt jedoch nicht.

Einzelunternehmen, Stiftungen und Immofirmen können 20 Prozent des Gewinns als Freibetrag absetzen

Eine wesentliche Begünstigung gibt es seit der Steuerreform für sogenannte Pass Through Firms. Dazu zählen Einzelunternehmen und Personengesellschaften, Stiftungen und Immobilienfirmen. Diese stellen 95 Prozent aller amerikanischen Unternehmen dar. Diese Firmen werden nach dem Transparenzprinzip auf Ebene der dahinter stehenden Personen besteuert.

Seit Anfang 2018 können diese Unternehmen 20 Prozent des Gewinnes bei der Einkommensbesteuerung als Freibetrag bei diesen Personen abgezogen werden. Jedoch sind bestimmte Berufsgruppen, wie Freiberufler ab einer bestimmten Einkommenshöhe von der Begünstigung ausgenommen. Die Begünstigung soll mit 2025 auslaufen.

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