Steuertipps zum Jahresende 2019 für Dienstnehmer und Anleger

Steuertipps zum Jahresende 2019 für Dienstnehmer und Anleger

Sich vor Jahresende noch damit zu beschäftigen, wie man für das heurige Jahr steuerlich am besten fährt, kann sich lohnen.

Dienstnehmer können noch vor Jahresende mit der einen oder anderen cleveren Rochade Steuern sparen. Dasselbe gilt für Anleger in klassische Wertpapiere und für Investoren in Kryptowährungen, vor allem für jene, die auf Verlusten sitzen. Was es bei den Aufbewahrungspflichten zu beachten gilt.

Sind Aktien und Fonds 2019 unter Wasser? Kryptowährungen sind auch nicht gut gelaufen? Privat sind Sie mit dem Firmenauto heuer wenig gefahren? Die Steuererklärungen der letzten Jahre sind noch nicht alle gemacht? Betrifft Sie das eine oder andere, dann sollten Sie vor Jahresende unter Umständen noch agieren. Gottfried Sulz, Steuerexperte von TPA, sagt, worauf es heuer noch ankommt. Auf welche Feinheiten Sie bei der Aufbewahrungsfrist von Unterlagen für die Finanz achten sollten.

1. Noch vor Jahresende Steuererklärung für 2014 einreichen
Der Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung 2014 kann bis zum 31. Dezember 2019 gestellt werden, die Frist läuft mit Jahresende ab. „Auch wenn noch einige Belege fehlen, stellen Sie den Antrag. Fehlende Unterlagen können nachgereicht werden“, rät Gottfried Sulz, Steuerberater von TPA.

2. Nur wenige Kilometer mit dem Dienstauto gefahren, kann Steuern sparen
Wer ein Firmenauto fährt, muss nicht nur monatlich Steuer für den Sachbezug bezahlen, er kann am Jahresende unter bestimmten Umständen auch etwas zurückbekommen. So gilt bei nachweislich wenigen Privatfahrten der halbe Sachbezug.

  • Wird der Dienstwagen nachweislich im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 500 km monatlich oder bis zu 6.000 Kilometer pro Jahr für Privatfahrten genutzt - einschließlich der Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte und zurück -, dann beträgt der Sachbezugswert jeweils die Hälfte.
  • Um nur den halben Sachbezug geltend machen zu können, dienen entweder die Aufzeichnungen des Fahrtenbuchs oder man weist die Privatfahrten dadurch nach, dass die jährlichen dienstlich nachgewiesenen Fahrten von der Gesamtkilometerzahl abgezogen werden.
  • Für Elektroautos fällt kein Sachbezug an, der geldwerte Vorteil muss in der Steuererklärung daher auch nicht angegeben werden. Wenn in der Firma Strom gratis getankt wird, ist das ebenfalls nicht steuerpflichtig.

3. Spenden senken Steuern
Spenden auf der Liste des Finanzministeriums aufscheinende Empfänger können bis zu zehn Prozent des Einkommens steuerlich abgesetzt werden. TPA Experte Sulz: "Prüfen Sie Anfang kommenden Jahres, ob alle Spendenorganisationen ihre Spenden des Jahres 2019 gemeldet haben."

4. Nachkauf von Versicherungszeiten senkt die Steuer
Beträge für den Nachkauf von Versicherungszeiten sind voll absetzbare Sonderausgaben. TPA Tipp: Lassen Sie sich jedoch beraten, ob und wie sich ein Nachkauf überhaupt rechnet.

5. Verluste aus Kapitalvermögen mit Gewinnen gegenrechnen
Gewinne aus Kapitalvermögen wie Aktien, Anleihen, Fonds oder Derivate werden mit 27,5 Prozent besteuert. Dabei werden nicht nur Zinsen und Dividenden besteuert, sondern auch Gewinne, die aus dem Verkauf von Wertpapieren entstehen. Realisierte Wertsteigerungen sind somit steuerpflichtig und unterliegen, wie auch laufende Einkünfte aus Kapitalvermögen, der Besteuerung. Jedoch nur, wenn es sich um sogenanntes „Neuvermögen“ handelt.

Neuvermögen liegt vor, wenn

  • Anteile an Aktien und Investmentfonds nach dem 31. Dezember 2010 erworben wurden
  • sonstiges Kapitalvermögen wie Anleihen und Derivate ab dem 1. April 2012 erworben wurde.

Wann die Bank einen Verlustausgleich nicht automatisch vornimmt
Die Bank muss für alle Depots eines Steuerpflichtigen automatisch einen Verlustausgleich machen. Hält der Steuerpflichtige bei verschiedenen Banken Depots oder befindet sich eines im Ausland, besteht für den Steuerpflichtigen die Möglichkeit der Verlustausgleichsoption, im Rahmen derer (bestimmte) positive Einkünfte mit bestehenden negativen Einkünften (Verlusten) ausgeglichen werden können. Vom Verlustausgleich ausgenommen sind jedoch Gemeinschaftsdepots, betriebliche Depots und Treuhanddepots.

Verlustausgleich nur für Dividenden, Anleihenzinsen, Verkäufen aus Aktien und Anleihen
Ein Verlustausgleich ist jedoch nur bei gleichartig besteuerten Überschüssen aus Kapitalvermögen im selben Jahr möglich, wie etwa Dividenden, Anleihezinsen, Veräußerungsgewinne aus Aktien oder Anleihen. Eine Verrechnung mit Zinserträgen aus Bankguthaben ist nicht möglich. Für Kapitalvermögen in Depots, die von demselben Bankinstitut geführt werden, erfolgt ein automatischer Verlustausgleich. Bei betrieblichen Depots, Gemeinschaftsdepots und für Wertpapiere, bei denen die Anschaffungskosten pauschal ermittelt werden, wird der Verlustausgleich nicht automatisch durchgeführt.

Wer Wertpapierkonten bei mehreren Banken hat, muss sich selbst um Verlustausgleich kümmern

„Besitzen Sie Wertpapiere bei unterschiedlichen Bankinstituten, ist ein bankübergreifender Verlustausgleich nur im Steuerausgleich beim Finanzamt möglich“, erläutert Sulz. Dafür müssen jedoch nicht alle Kapitaleinkünfte offengelegt werden, sondern nur jene, für die ein Ausgleich beantragt wird. Sulz: „Prüfen Sie vor Jahresende, ob Verkäufe von Verlustpositionen eine Möglichkeit sind, Steuern zu sparen. Sie können dadurch eventuell eine Steuergutschrift bereits bezahlter KESt erzielen.“ Umgekehrt kann das Realisieren von Gewinnen ratsam sein, – weil (teilweise) KESt-frei, wenn Sie heuer bereits relevante Verluste aus Kapitalvermögen erlitten haben

Kryptowährungen: Verluste realisieren kann steuerlich sinnvoll sein
Beträgt der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung von Kryptowährungen weniger als ein Jahr, werden diese Spekulationseinkünfte mit dem progressiven Steuersatz bis zu 50 Prozent bzw. 55 Prozent besteuert. Werden Digitalwährungen mit Verlusten verkauft, können diese jedoch nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften innerhalb desselben Kalenderjahres verrechnet werden. Eine Verlustverrechnung mit anderen Einkünften ist nicht möglich.

„Es kann daher sinnvoll sein, noch vor Jahresende Verluste zu realisieren, um damit bisherige steuerpflichtige steuerliche Gewinne des Jahres 2018 auszugleichen (oder umgekehrt) und damit steuerfrei zu stellen“, rät Steuerprofi Sulz.

6. Welche Investitionen in Immobilien 2019 noch steuerlich sinnvoll sind
Bei Investitionen in Immobilien und deren Inbetriebnahme bis 31.12.2019 ist noch eine Halbjahresabschreibung möglich. Weiters können Sie Vorauszahlungen auf laufende Reparaturen des kommenden Jahres tätigen und diese sofort absetzen. Natürliche Personen können betriebliche Investitionen in Gebäude und Herstellungsaufwendungen als Mieter für ein Gebäude zur Deckung des Investitionserfordernisses für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag geltend machen.

Aufbewahrungsfristen von Unterlagen
Die Frist für die Aufbewahrung von Geschäftsbüchern, Aufzeichnungen, Belege und Geschäftspapiere endet nach sieben Jahren. Das bedeutet die Pflicht Unterlagen des Jahres 2012 aufzubewahren endet am 31. Dezember 2019.

Kalenderjahr entscheidend
Die Aufbewahrungspflicht endet nach sieben vollen Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem das betreffende Wirtschaftsjahr geendet hat. "Wir empfehlen jedoch eine Aufbewahrung von mindest zehn vollen Jahren, bei laufenden Verfahren auch länger", so TPA Experte Sulz.

Längere Fristen für Immobilien-Unterlagen
Aufzeichnungen und Unterlagen, die Grundstücke (Grund und Boden, Gebäude, Baurechte, Superädifikate und Ähnliches) betreffen, müssen zumindest 22 volle Jahre aufbewahrt werden. Wichtige Verträge, beispielsweise Miet-, Kredit- und Gesellschaftsverträge, sowie Unterlagen, beispielsweise betreffend Beteiligungen oder Immobilien (wegen Anschaffungskosten oder Großreparaturen) sollten dauerhaft aufbewahrt werden.
Sulz: "Sind Sie Immobilienbesitzer, so bewahren Sie Ihre Steuerunterlagen von 2012 unbefristet auf, um später den Nachweis über die steuerliche Qualifikation Ihrer Immobilien zum 31. Dezember 2012 als damals steuerfreie Immobilie führen zu können." Denn nur sogenannte Altimmobilien unterliegen der Pauschalbesteuerung von 4,2 %, andernfalls zahlen Sie 30 Prozent.

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