Steuerreform: So wirkt sich kalte Progression aus

Steuerreform: So wirkt sich kalte Progression aus

Weil bei der Berechnung der Lohn- und Einkommenssteuern die Inflationsrate und die Anpassungen der Gehälter nicht berücksichtigt werden zahlen die Österreicher aufgrund der kalten Progression immer mehr Steuern und verdienen jedes Jahr weniger. Die Kosten der kalten Progression.

Der Ruf nach Steuerreformen und steuerlicher Entlastung ist so alt wie die Demokratie. Und bisher ist in Österreich noch jede Regierung mit dem Versprechen einer umfassenden Steuerreform mit einer echten Entlastung der Bevölkerung angetreten.

Auch die neue türkis-grüne Bundesregierung ist hier keine Ausnahme. Sie hat in ihrer Klausur ihre Pläne für die steuerliche Entlastung der Bevölkerung konkretisiert. In einem ersten Schritt soll der Eingangssteuersatz ab dem Jahr 2021 von derzeit 25 auf 20 Prozent gesenkt werden. In den nächsten zwei Tarifstufen soll der Steuersatz auf 30 bzw. 40 Prozent reduziert werden.

Den Berechnungen des Thinktanks Agenda Austria zufolge wird die Reduzierung des Eingangssteuersatzes den österreichischen Durchschnittsverdienern eine steuerliche Entlastung von 350 Euro bringen. Wenn man die Entlastung allerdings dem Basisjahr 2016 gegenüberstellt, dann zeigt sich, dass von der geplanten Reform nicht wirklich jeder profitieren wird und dass der reale Effekt über die die Einkommensstufen erheblich geringer ausfällt als in der Bevölkerung erhofft (siehe Grafik).

Schuld daran ist die kalte Progression. Die steuerliche Mehrbelastung entsteht, wenn die Steuersätze nicht an die Inflation und die davon abhängige Indexanpassung der Löhne und Gehälter angepasst werden, wie das in Österreich seit jeher der Fall ist.

Die auch „Inflationssteuer“ genannte Progression führt dazu, dass die Bürger nach jeder Gehaltsanpassung wieder mehr Geld an den Staat abführen. Profiteure sind der Staat, dessen Steuereinnahmen steigen, und die Politiker, die einige Jahre später wieder eine "umfassende Steuerreform mit einer echten Entlastung" beschließen können, die dann wieder von der Bevölkerung dankend angenommen wird.

Rechenbeispiele

Die Agenda Austria hat rund um die kalte Progression einige Berechnungen angestellt. Sie zeigen unter anderem, dass seit der letzten Steuersenkung im 2016 vor allem Familien mit Kindern von der Steuersenkung profitiert haben. Das aber vor allem aufgrund des Familienbonus, der zusätzliches Geld in die Haushalte gebracht hat, was bei einem kinderlosen Haushalt nicht der Fall ist.

Je länger das Steuersystem nicht an die Inflation angepasst wird, umso größer ist die jährliche Belastung. So wird eine Person mit einem monatlichen Bruttolohn von 2.500 Euro im Zeitraum 2016 bis 2020 durch die kalte Progression mit 802 Euro belastet. 2022 liefert der gleiche Steuerzahler unfreiwillig 1.735 Euro an den Staat ab, also mehr als doppelt so viel.

Bei Besserverdienern schlägt die Progressionskeule noch heftiger zu. Wer aktuell 6.500 Euro brutto verdient, hatte aufgrund der Inflation in den vergangenen vier Jahren 1.200 Euro weniger in der Geldbörse. Bis 2022 beläuft sich die Summe sogar auf über 3.000 Euro.

Für Dénes Kucsera, Ökonom der Agenda Austria, steht daher fest: „Es kann erst dann von einer wirklichen Steuerreform gesprochen werden, wenn die kalte Progression abgeschafft wurde. Nur so kommt es zu einer nachhaltigen Entlastung für die Steuerzahler.“

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