Steuerreform erhöht Firmen-Abgaben: Die Auswege

Bei beteiligten Geschäftsführern hält der Staat seit der Steuerreform kräftig die Hand auf. Doch es gibt Möglichkeiten die Besteuerung von Gewinnausschüttungen zu mildern.

Bei beteiligten Geschäftsführern hält der Staat seit der Steuerreform kräftig die Hand auf. Doch es gibt Möglichkeiten die Besteuerung von Gewinnausschüttungen zu mildern.

Die Steuerreform bedeutet für Firmen vielfach höhere Steuerbelastungen. Betroffen sind vor allem GmbHs und AGs. Wie sich höhere Kapitalertragsteuern auswirken, wie beteiligte Geschäftsführer bei Gewinnausschüttungen nun die Gesamtabgabenbelastung trotz höherer Sozialversicherungsbeiträge optimieren und warum die Überprüfung der Rechtsform einen steuerlichen Ausweg bieten kann.

Besteuerung für Firmen hängt von der Rechtsform ab

Da es in Österreich keine einheitliche Unternehmensbesteuerung gibt, ist es umso wichtiger für jede Firma die optimale Rechtsform zu finden. "Gerade die richtige Rechtsform kann Unternehmen zu deutlichen Steuervorteilen verhelfen. Und gerade nach der Steuerreform, die auch die Besteuerung von Unternehmen betrifft, könnte sich eine Überprüfung der Rechtsform lohnen", sagt TPA Horwath Steuerberater Wolfgang Piribauer..

Gewinnausschüttende Kapitalgesellschaften nun schlechter gestellt

So bringt die Steuerreform für Kapitalgesellschaften eine erhebliche Verschlechterung: Die Kapitalertragsteuer für Gewinnausschüttungen steigt von 25 Prozent auf 27,5 Prozent. Dadurch steigt die Gesamtsteuerbelastung bei Kapitalgesellschaften bei Vollausschüttung von 43,75 Prozent auf 45,625 Prozent (Körperschaftsteuer und Kapitalertragsteuer – KöSt und KESt).

Beteiligte Geschäftsführer müssen für Gewinnausschüttung Sozialversicherung zahlen

Zusätzlich werden seit heuer für bezahlte Gewinnausschüttungen an wesentlich beteiligte Gesellschafter einer GmbH mit Gewerbeschein, die auch Geschäftsführer ihrer GmbH sind, Beiträge zur Sozialversicherung nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG) eingehoben. Diese Gewinnausschüttungen müssen in der Kapitalertragsteuer-Anmeldung dem Finanzamt mitgeteilt werden und werden an die Sozialversicherungsanstalt weitergemeldet. Die SVA schreibt dann die Sozialversicherungsbeiträge für den Geschäftsführerbezug und für die Gewinnausschüttung bis maximal zur Höchstbeitragsgrundlage von 68.040 Euro vor.

Sozialversicherungsbeiträge als Betriebsausgabe geltend machen

Die gesamten Sozialversicherungsbeiträge können im Rahmen der Gewinnermittlung für die Geschäftsführerbezüge als Betriebsausgabe abgezogen werden.

Höhere Gehalt für Geschäftsführer kann steuerlich sinnvoll sein

"Bei zu niedrigen Geschäftsführerbezügen geht der Abzug der Sozialversicherung als Betriebsausgabe aber ins Leere oder wirkt sich nur in den niedrigen Tarifstufen aus", warnt Piribauer. Daher rät der Steuerexperte in diesen Fällen die Geschäftsführerbezüge – entsprechende Gewinne der GmbH vorausgesetzt - zu erhöhen.

Unter 95.000 Euro Gehalt profitiert der Staat und nicht der Geschäftsführer

Die steueroptimalen Geschäftsführerkosten liegt nun laut Berechnungen der TPA Horwath, inklusive Lohnnebenkosten– entsprechende Gewinne vorausgesetzt, bei rund 95.000 Euro. Steuerexperte Piribauer: „Die höheren Lohnnebenkosten werden durch die Einkommensteuerersparnis wettgemacht, da die Sozialversicherungsbeiträge von den Geschäftsführerbezügen abgezogen werden“.

GmbH erst ab einem Gewinn von 510.000 Euro empfehlenswert

Die GmbH ist laut TPA Horwath inklusive Sozialversicherung und Lohnnebenkosten erst ab einem Gewinn von rund 510.000 Euro günstiger als ein Einzelunternehmen - steuerliche Begünstigungen bei Einzelunternehmen wie Gewinnfreibetrag eingerechnet, bei GmbHs Geschäftsführerkosten in Höhe von 95.000 Euro.

Kapitalgesellschaft von Vorteil, wenn Gewinn investiert verwendet werden

Werden Gewinne nicht ausgeschüttet, beträgt die steuerliche Belastung in einer GmbH dagegen nur 25 Prozent Körperschaftsteuer. „Die Rechtsform der Kapitalgesellschaft ist daher von Vorteil, wenn die Gewinne zur Finanzierung von Investitionen, Betriebserweiterung oder zur Schuldentilgung langfristig im Unternehmen bleiben“, erläutert Piribauer.

Einzelunternehmer und Personengesellschaften: Vorteil durch günstigere Steuertarife

Für Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften haben sich mit dem neuen Einkommenssteuertarif die Progressionsstufen reduziert.

So ist mit der Steuerreform der Eingangssteuersatz von 36,5 Prozent auf 25 Prozent gesunken. Ein Steuersatz von 50 Prozent gilt nun erst ab einem Einkommen von 90.000 Euro, anstatt von bisher 60.000 Euro. Auch die dazwischen liegenden Tarifstufen wurden gesenkt. Der Spitzensteuersatz wurde dagegen auf 55 Prozent erhöht – gilt aber erst für Einkommen ab einer Million Euro.

Die effektive Einkommensteuerbelastung kann bei Einzelunternehmern und Gesellschaftern von Personengesellschaften durch die optimale Ausnutzung des Gewinnfreibetrags gesenkt werden. Einnahmen-Ausgaben-Rechner können die Steuerbelastung vielfach auch durch das Betriebsausgaben-Pauschale reduzieren.

Online-Rechtsformcheck

Um die Wahl der Rechtsform zu erleichtern, bietet TPA Horwath mit dem Rechtsformrechner ein praktisches Onlinetool, das die persönliche Situation des Unternehmens prüft. Piribauer: „Der Rechtsformcheck lohnt sich immer: Egal ob man nun am Anfang einer Unternehmerlaufbahn stehen, ein bestehendes Unternehmen erwerben oder übernehmen will, oder bereits lange im Geschäft sind.“

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