Experten fordern Reform des Steuersystems – die Vorschläge

Experten fordern Reform des Steuersystems – die Vorschläge

Steuern 4.0: Facebook-User erzeugen mit ihren Inhalten ein Produkt. Der Konzern sollte daher für das Produkt im dem Land, in dem es entsteht, Steuern zahlen, fordern Epxerten.

Das Steuersystem ist nicht mehr zeitgemäß und bildet die steuerlichen Fragen etwa was digitale Geschäftsmodelle betrifft, nicht mehr richtig ab. Welche Standpunkte und Lösungsvorschläge dazu Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Arbeitnehmervertretung bei einer Veranstaltung der Steuerberater TPA vertraten.

Experten fordern eindringlich Änderungen des Steuerrechts. Das ist das Ergebnis der Diskussionsveranstaltung „Face Tomorrow“ der Beratungs- und Steuerspezialisten TPA, die im Haus der Industrie in Wien über die Bühne ging Nur über das wie die Antworten auf das veränderte Umfeld stattfinden soll, gingen die Meinungen teils weit auseinander.

Ihre Begründung: Das nationale als auch das internationale Steuerrecht hält nicht mehr Schritt mit aktuellen digitalen Geschäftsmodellen wie in Form global tätige Onlineshops und global Player insgesamt. Änderungen werden auch für Klein- und Mittelständische Betriebe gefordert. Was kann, was muss dagegen getan werden? Und wie kann dieses mitunter gewaltige Steuerpotenzial gehoben werden?


„Sehen massive Änderungen bei den Wertschöpfungsketten“

Voestalpine Vorstandsmitglied Robert Ottel fordert einen gravierenden Umbruch: „Wir sehen massive Veränderungen – bei den Wertschöpfungsketten, durch die Digitalisierung, und auch durch die Mobilität der Arbeitskräfte. Darauf müssen die Steuersysteme erst eingestellt werden“, ist der Spitzenmanager überzeugt. Die Umsetzung sei jedoch schwierig, da der Steuerwettbewerb zwischen den Staaten eine supranationale Lösung verhindere: „Dabei wäre eine solche gemeinsame Lösung dringend notwendig“, so Ottel.

Betriebsprüfungen dauern viel zu lange

Er fordert auch einfachere und schnellere Handlungsmechanismen für die Unternehmen. Betriebsprüfungen dauerten viel zu lange, für jede Kleinigkeit werden neue Regelungen entwickelt, kritisiert der Voestalpine-Vorstand Gesetzgebung und Finanzverwaltung: „Weiterwurschteln wie bisher reicht da nicht mehr.“

Ex-AK-Mann fordert Besteuerung von Sprit

Auch Ex-Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm sieht die Notwendigkeit einer Neuerungen im Steuerrecht – wenn auch mit einem anderen Fokus. „Wir müssen Antworten finden auf Tendenzen wie die sinkende Lohnquote, die digitalisierte Wirtschaft oder shared economy. In diesen Bereichen entgehen uns die Besteuerungssubstrate.“ Als größtes Problem im derzeitigen System sieht Muhm die überhöhten Steuern bei den Lohnabgaben – also beim Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), Kommunalsteuer und Wohnbauförderungsbeitrag. Hier fallen in Österreich um 7,5 Prozent mehr Abgaben an als im Schnitt der anderen EU-Länder. Muhm erachtet auch eine Änderung der Besteuerung von Ressourcen im Energiesektor als notwendig. Den effektive Körperschaftsteuersatz stuft er für ein hochentwickeltes Industrieland dagegen nach wie vor als attraktiv ein und damit als zu niedrig.

Weniger progressive Besteuerung gefordert

Keynotespeaker Christian Helmenstein, Bereichsleiter für Wirtschaftspolitik und Chefökonom der Industriellenvereinigung, ortet ebenfalls großen Handlungsbedarf, da sich die Bedingungen durch die Digitalisierung und Internationalisierung in atemberaubendem Tempo ändern, so sein Argument. „Wir müssen die Steuerquote auf ein Niveau unter 40 Prozent senken, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Außerdem sollte unser Steuersystem künftig stärker proportional und weniger progressiv besteuern. Helmenstein empfiehlt mehr auf indirekte Steuern zu setzen: „Nur diese führen zu einer ausgewogenen Spielanordnung im Vergleich zu unseren internationalen Wettbewerbern.“

Nutzung von Daten besteuern

Bei der Digitalisierung werde das Steuersubstrat derzeit nicht ausgeschöpft. „Dieses Potenzial könnten wir nutzen, um andere direkte Steuern abzusenken.“ Sein Ansatz: „Durch die Ansammlung von Daten, wie auf Facebook, werden Wert geschaffen. Die Rechte an den Daten müssen wir zuordnen und deren Nutzung besteuern."

TPA-Partnerin und Steuerexpertin Iris Burgstaller hält merkliche Anpassungen des Steuersystems ebenfalls für dringend notwendig. Zwar solle man an den Grundsätzen des österreichischen Steuersystematik festhalten, „aber es ist dringend erforderlich, zu einem globalen Konsens zu kommen und internationale Rechtssicherheit herzustellen.“ Dies sei zwar auf EU-Ebene weniger problematisch, mit den USA oder China sei eine Akkordierung aber sehr schwierig.

Gesetze für KMUs leichter verständlich und umsetzbar machen

Entscheidend sei auch, dass es Unternehmen, vor allem KMUs, einfacher gemacht werde, ihren steuerlichen Pflichten nachzukommen. „Es muss leichter werden, die Gesetze zu befolgen, und sie müssen verständlicher werden, damit man nicht jahrelang Steuerrisiken mitschleppt“, so die Expertin. Das sei derzeit jedoch ein Wunschgedanke. „Neben den Nationalstaaten kommen auch aus der OECD, den G20, der EU laufend Ansätze für neue Gesetze und Regelungen. Es scheint derzeit alles noch komplizierter zu werden“, weiß die Expertin für Internationales Steuerrecht.

Betriebsstätte neu definieren: Besteuerung im Land wo Verkauf stattfindet

Was die Anpassung des Steuersystems an die Digitalisierung betrifft, gibt es zwar radikale Ansätze wie beispielsweise eine „Destination Tax“, bei der eine Besteuerung im Land des Point of Sales erfolgt. Allerdings erscheint ein Finetuning der Besteuerung im Hinblick auf neue Wertschöpfungstreiber – User, Daten, Plattformen, Kundenzufriedenheit - eher auch auf international breiter Ebene umsetzbar, so Burgstaller.

Bessere Vorbereitung bei Steueränderungen

Michael Lang, Vorstand des Institutes für Österreichisches und Internationales Steuerrecht an der WU Wien, kritisiert, dass die Gesetze zu wenig durchdacht und geplant werden – sowohl auf österreichischer als auch auf EU-Ebene. „Steueränderungen müssen sorgfältiger vorbereitet werden – zuletzt gab es nicht einmal ausreichende Begutachtungsverfahren“, kritisiert der Uniprofessor: „Dabei wird das System durch Zinsschranken & Co künftig noch komplizierter“. Das Einstimmigkeitsprinzip der EU, um etwa Richtlinien und Verordnungen zu beschließen, sieht er als Hemmschuh für die künftige Entwicklung – ebenso die „Hyperaktivität auf dem Gebiet der direkten Steuern“. Steuer-Aktionismus greife nur punktuell, kritisiert Lang. Bemessungsgrundlagen zu harmonisieren, würde es für internationale Unternehmen deutlich einfacher machen und führe auch zu einem transparenteren Wettbewerb, so Lang.

USA ziehen Steuerschraube bei ausländischen Onlinehändlern an

Steuertipps

USA ziehen Steuerschraube bei ausländischen Onlinehändlern an

US-Steuerreform: So wirkt sie sich auf Austro-Firmen aus

Steuertipps

US-Steuerreform: So wirkt sie sich auf Austro-Firmen aus

Steuern

AK und WKÖ: Streit wegen geplanter KÖSt-Senkung