Das bringt die neue Steuerreform ab 2020

Das bringt die neue Steuerreform ab 2020

Die Steuerreform 2020 ist beschlossen. Was der Sozialversicherungsbonus bringt, welche Fahrzeuge erstmals vorsteuerabzugsfähig sind, wobei der Sachbezug entfällt, was sich bei der Abschreibung ändert und ab welcher Grenze eine Pauschalierung der Einkommenssteuer für Kleinunternehmer erlaubt ist.

Die Steuerreform 2020 wurde noch bevor die neue Regierung im Amt ist im September 2019 beschlossen. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Zuschuss zur Sozialversicherung bis zu 300 Euro pro Jahr
„Von der Steuerreform profitieren vor allem Steuerpflichtige mit geringem Einkommen“ stellt Gottfried Sulz, Steuerexperte des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen TPA fest. Das liegt an der Einführung eines Sozialversicherungsbonus für niedrige Einkommen, der Anfang des Jahres 2020 in Kraft tritt. Damit sollen die Krankenversicherungsbeiträge für Niedrigverdiener gesenkt werden.

Bis zu einem Einkommen von 15.500 Euro im Jahr wirkt sich der Zuschlag von 300 Euro zur Gänze aus. Bei einem Einkommen zwischen 15.500 und 21.500 Euro wird der Zuschlag gleichmäßig eingeschliffen und steht ab einem Einkommen von 21.500 Euro nicht mehr zu. Für Pensionisten steigt die Negativsteuer (SV-Rückerstattung) durch den Bonus von 110 Euro auf 300 Euro jährlich. Die Neuregelung tritt zwar 2020 in Kraft, fließen wird das Geld aber erst im Nachhinein, also erst 2021.

Bei Selbständigen und Bauern erfolgt die Entlastung nach einer anderen Systematik. Die Krankenversicherungsbeiträge werden unabhängig von der Höhe des Einkommens einheitlich um 0,85 Prozent abgesenkt. Der Beitragssatz beträgt damit künftig 6,8 statt 7,65 Prozent.

So bekommt laut Berechnungen des Budgetdienstes ein Arbeitnehmer mit einem Nettoeinkommen von 10.300 Euro pro Jahr 300 Euro an Entlastung, während ein Selbständiger mit dem gleichen Einkommen 122 Euro erhält.

Grenze für sofortig abschreibbare Wirtschaftsgüter steigt
Die Grenze für die Sofortabschreibung sogenannter geringwertiger Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens steigt im Jahr 2020 von 400 auf 800 Euro. Damit soll vor allem die Verwaltung vereinfacht werden. TPA Experte Sulz rät: „Anschaffungen über 400 Euro und bis 800 Euro tätigen Sie besser erst Anfang 2020.“

Wann die Pauschalierung der Einkommenssteuer erlaubt ist
Kleinunternehmer haben ab 2020 eine zusätzliche Möglichkeit, eine einfache Pauschalierung im Bereich der Einkommensteuer zu beantragen. Voraussetzungen dafür sind:
Einkünfte aus selbständiger Arbeit (Freiberufler) oder aus Gewerbebetrieb
Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
Die Umsätze übersteigen 35.000 Euro nicht. Es gibt jedoch eine einmalige Toleranzgrenze von 40.000 Euro innerhalb von fünf Jahren
Das Wahlrecht kann pro Betrieb gewählt werden.
Ausgenommen von der Pauschalierung sind Tätigkeiten eines Gesellschafter-Geschäftsführers mit mehr als 25 Prozent Beteiligung, Aufsichtsräte und Stiftungsvorstände.

Welche Pauschalen gelten
Die Betriebsausgaben werden mit folgenden Prozentsätzen der Betriebseinnahmen pauschaliert: 45 Prozent bei Handelsunternehmen und Produktionsbetrieben und 20 Prozent bei Dienstleistungsunternehmen. Bei Mischbetrieben richtet sich das Pauschale nach dem höheren Umsatz.

Anhebung der Umsatzgrenze für Kleinunternehmerbefreiung
Die Umsatzgrenze für die sogenannte Kleinunternehmerbefreiung wird ab 2020 von derzeit 30.000 auf 35.000 Euro ausgeweitet.

SV-Beiträge und Grundfreibetrag abziehbar
Zusätzlich können die im Wirtschaftsjahr tatsächlich bezahlten SV-Beiträge abgezogen werden. Auch der Grundfreibetrag wird abgezogen. Gesetzlich ist eine Verordnungsermächtigung vorgesehen, sodass künftig eine automatische Meldung der bezahlten SV-Beiträge an das Finanzamt erfolgen wird.

Bei Wechsel ist 3-Jahresfrist einzuhalten
Wird freiwillig von dieser Pauschalierung auf eine andere Form der Gewinnermittlung übergegangen, ist eine erneute Pauschalierung frühestens nach Ablauf von drei Wirtschaftsjahren zulässig. "Bei höheren Betriebsausgaben, insbesondere bei Verlusten, wird die freiwillige´ Ermittlung des richtigen steuerlichen Ergebnisses steuerlich weiterhin vorteilhaft sein", so Sulz.

Vorsteuerabzug für E-Bikes
Um für Betriebe den Anreiz zu erhöhen, Mitarbeitern vermehrt Elektrofahrräder (E-Bikes oder Selbstbalance-Roller) und normale Fahrräder anzubieten, wird ab 2020 auch für diese der Vorsteuerabzug bei unternehmerischer Nutzung möglich sein.

Kein Sachbezug, keine Umsatzsteuer
Selbst wer die Elektro-Bikes und –Fahrräder ab 2020 auch privat nutzt, muss für den Eigengebrauch nicht wie sonst üblich eine Umsatzsteuer entrichtet werden und auch kein Sachbezug. Die dafür notwendige Verordnung liegt fertig zur Unterschrift beim Finanzminister.

Ab 45 Jahren abschlagsfrei in Pension
Personen mit zumindest 45 Arbeitsjahren können künftig ohne finanzielle Einbußen in Pension gehen. Bis zu 60 Versicherungsmonate der Kindererziehung werden dabei als Beitragsmonate berücksichtigt. In Zukunft wird das Sonderruhegeld für Nachtschwerarbeiter abschlagsfrei ausbezahlt werden. Die einjährige Wartefrist auf die erste Pensionserhöhung soll künftig entfallen.

TPA veranstaltet am 14. November 2019 ein Seminar zum Thema „Steuerreform 2020 und weitere wichtige Steueränderungen“. Infos unter: www.tpa-group.at

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