Dienstfahrräder für Mitarbeiter: steuerfrei und günstig

Steuertipp zum Jahresende: Unternehmen können ihren Mitarbeitern steuerlich begünstigt Dienstfahrräder zur Verfügung stellen. Mitarbeiter haben die freie Wahl der Räder und können diese auch in der Freizeit nutzen. Die Finanzierungsmodelle sind attraktiv.

Dienstfahrräder für Mitarbeiter: steuerfrei und günstig

Ob herkömmliches Fahrrad oder E-Bike, der Fiskus schafft für die Anschaffung von Dienstfahrrädern steuerliche Anrieze.

Dienstfahrrad statt Dienstauto? Was in Deutschland bereits gang und gäbe ist kommt langsam auch in Österreich an. Attraktive Finanzierungs- und Fördermodelle machen Dienstfahrräder für Unternehmen gerade auch zum Jahresende zu einer interessanten Möglichkeit, um noch Steuern zu sparen und den Mitarbeitern einen willkommenen Bonus zu geben.

Die Basis dafür lieferte die im Jahr 2019 beschlossene Steuerreform, die eine solche Finanzierung auch in Österreich möglich machte. Arbeitgeber können ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Firmenräder zu einem attraktiven Vorteil anbieten und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck ihres Unternehmens reduzieren, für den Fachhandel eröffnet sich ein neuer Absatzkanal.

Der Rahmen

Die Unternehmen können ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen der Initiative zu attraktiven Bedingungen Dienstfahrräder nach Wahl zur Verfügung stellen, wobei das Rad - ob mit E-Antrieb oder ohne - auch privat in der Freizeit nach freiem Ermessen des Mitarbeiters verwendet werden kann. Für die Mitarbeiter fällt kein Sachbezug an. Sie müssen sich lediglich verpflichten, das Fahrrad nach Möglichkeit für den Weg zur Arbeit und für dienstliche Wege einzusetzen. Wobei der Begriff "nach Möglichkeit" nicht näher definiert ist.

Die Betriebe können dabei attraktive Förderungen in Anspruch nehmen, etwa die klimaaktiv mobil E-Bike-Förderung. Die Mitarbeiter zahlen dabei den Restbetrag in Form einer monatlichen "Nutzungsgebühr" in 48 Monatsraten, der Betrieb kann zusätzlich den Vorsteuerabzug von 20 Prozent geltend machen. Nach Ablauf der vier Jahre hat das Fahrrad keinen Buchwert mehr und kann von den Mitarbeitern um einen symbolischen Euro erworben werden. Unter dem Strich sparen die Mitarbeiter beim Fahrrad-Kauf so bis zu 40 Prozent des normalen Listenpreises.

In 5 Schritten zum Jobrad

  • 1. Betrieb informiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • 2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wählen Wunsch-Fahrräder aus.
  • 3. Betrieb kauft die Fahrräder und stellt sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Job-Fahrräder zur Verfügung
  • 4. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlen für die Nutzung der Fahrräder eine monatliche Nutzungsgebühr
  • 5. Nach vier Jahren erwerben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Fahrräder um einen symbolischen Euro vom Betrieb

Mehrere Anbieter

In Österreich ist die Region Vorderwald in Vorarlberg ist Jobrad-Vorreiter: Hier wurde erstmals die Jobrad-Aktion für eine ganze Region angeboten und mit Testaktionen (Faltrad- und E-Bike) kombiniert. Mittlerweile gibt es mehrere Unternehmen, die Betrieben die Arbeit und den Papierkram rund um die Organisation der Diensträder und die korrekte Abwicklung der Leasing-Geschäfte abnehmen. Sie bieten dabei All-In-Pakete, ähnlich wie das Fuhrpark-Leasing-Anbieter bei Autos tun.

Mit der Initiative willdienstrad.at, einem ausgeklügelten Finanzierungsmodell und Kooperationen mit dem Fachhandel, ist der Unternehmer Harald Bauer im Februar 2021 als erster angetreten, um Österreicher in großem Stil zum Umsteigen auf (E-)Fahrräder zu bewegen. Es folgten unter anderem firmenradl.at, ein von der Sporthandelskette Intersport ins Leben gerufenes Modell, sowie der Deutsche Pionier und Marktführer "JobRad".

Mehr als 40.000 deutsche Unternehmen – vom DAX-Konzern bis zu kleinen und mittelständischen Unternehmen – sind bereits Kunden von JobRad. „Firmenfahrrad-Leasing boomt, die Verkehrswende ist ein Thema mit großem Potenzial und Österreich ist ein hochinteressanter Markt“, betonen die JobRad-Gesellschafter Ulrich Prediger und Holger Tumat. „Als hier die gesetzlichen Voraussetzungen für Firmenfahrrad-Modelle geschaffen wurden, war für uns klar: Wir möchten auch österreichische Unternehmen und ihre Beschäftigten fürs JobRadeln begeistern.“

JobRad Geschäftsführer Ulrich Prediger hat in Deutschland bereits die Finanzierung von weit über 300.000 Diensträdern abgewickelt.

JobRad Geschäftsführer Ulrich Prediger hat in Deutschland bereits die Finanzierung von weit über 300.000 Diensträdern abgewickelt.

Bei der Wahl des Rads stehen grundsätzlich alle Hersteller und Marken offen. JobRad arbeitet in Österreich mit Fachhändlern wie SPORT 2000 und eBIKE now zusammen, weitere Kooperationspartner werden gesucht. "Wir sind mit allen großen Ketten, aber auch mit kleineren Fachhändlern im Austausch", erklärt Österreich-Geschäftsführer Edwin De Jong. Interessenten, Arbeitgeber, Angestellte und Fachhandelspartner vor Ort können sich unter at.jobrad.org über JobRad in Österreich informieren.

Hersteller ziehen mit

Und die Riege der Fahrrad-Hersteller zieht bei den Angeboten natürlich höchst interessiert mit, sind diese doch willkommene Möglichkeiten, um allen, die etwa ein altes, kaum mehr benutztes Rad im Keller und haben mit der Anschaffung eines E-Bikes liebäugeln, wieder in den Sattel zu bringen. Bis zu 40 Prozent Kostenersparnis gegenüber dem herkömmlichen Kauf als Privatperson sprechen dafür.

Stefan Limbrunner, Geschäftsführer des größten österreichischen Fahrrad-Herstellers KTM, bewertet die Initiativen daher auch als „Win-Win-Win-Win-Projekte", die besonders in Städten und Ballungszentren einen Beitrag zur Reduzierung des Verkehrs und zur Linderung der Parkplatznot leisten können: „Der Autoverkehr nimmt ab, die CO2-Belastung reduziert sich, in den Städten werden Parkplätze frei." Auch der gesundheitliche Aspekt und selbstredend der steuerliche Aspekt sprechen für ihn klar für Fahrräder als Firmenfahrzeuge": "Die Mitarbeiter werden fitter, Unternehmen sparen Steuern, der Handel profitiert und der gesundheitspolitische Effekt ist enorm.“

Limbrunner ist daher auch überzeugt, dass die österreichischen Modelle letztlich ähnlich erfolgreich sein werden, wie es JobRad in Deutschland bereits ist. Der Pionier hat dort bereits die Finanzierung von weit über 300.000 Fahrrädern abgewickelt. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie die BMW Group, die Hypo Vereinsbank, der REWE-Konzern oder die Deutsche Bahn. Limbrunner: „Das Deutsche JobRad hat zwar zehn Jahre Vorsprung, zeigt aber, dass es funktioniert. Das ist eine super-feine Sache, bei der alle gewinnen.“

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