So bereiten sich Unternehmen auf die Zinsschranke vor

So bereiten sich Unternehmen auf die Zinsschranke vor

Die EU erschwert international tätigen Konzernen die Verschiebung von Gewinnen zur Steuervermeidung. Dazu zählt auch die sogenannte Zinsschranke, die künftig auch von Österreich umgesetzt werden muss. Was sich ändert.

Unternehmen werden wieder mit einer neuen EU-Richtlinie konfrontiert. Diesmal soll so die Steuervermeidung von Unternehmen eingedämmt werden. Dazu wird eine sogenannte Zinsschranke dienen. Die soll Einnahmen aus Zinsen begrenzen, die ein Unternehmen steuerbegünstigt absetzen kann. Gleichzeitig wird die Verlagerung von Gewinnen auf Filialen in Niedrigsteuerländern beschränkt. Sie können künftig im Staat des Firmensitzes besteuert werden.
Die Zinsschranke soll deshalb die Aushöhlung der Steuerbemessungsgrundlage im Binnenmarkt und der Verlagerung von Gewinnen ins Ausland verhindern. Die neue EU-Richtlinie soll ab 2019 gelten. Doch könnte sich die Umsetzung bis längstens 2024 verzögern. „Unternehmen sollten sich dennoch schon jetzt auf die neuen Bestimmungen vorbereiten", rät Iris Burgstaller, Steuerberaterin bei TPA. Sie erklärt, wie die Zinsschranke funktionieren soll und welche Unternehmen davon besonders betroffen sein werden.

Abzug der Fremdkapitalkosten darf 30 Prozent des Ebita nicht überschreiten

Die Zinsschranke betrifft die gesamten Fremdkapitalkosten eines Unternehmens mit Tochtergesellschaften im Ausland. Und zwar unabhängig davon, ob der Fremdkapitalgeber ein Dritter (etwa eine Bank) oder eine Konzerngesellschaft ist. Die Zinsschranke verbietet, abhängig von bestimmten Kennzahlen, den Abzug von Fremdkapitalkosten in der Bilanz. Diese sollen damit nur noch insoweit steuerlich abzugsfähig sein, als der Überschuss der Fremdkapitalkosten bis zu 30 Prozent des Ergebnisses des Steuerpflichtigen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) nicht übersteigt.
Die Höhe der Zinsschranke wird von der EU bis zu 30 Prozent definiert. Burgstaller: "Mit welchem Prozentsatz die Mitgliedstaaten den Zinsabzug zulassen, hängt noch von der jeweiligen Umsetzung ab."

Ausnahmen von der Zinsschranke

Der volle Zinsenabzug soll aber möglich sein, wenn die Eigenkapitalquote des betreffenden Konzernunternehmens höchstens zwei Prozent unter jener des Gesamtkonzerns liegt. Wie die Eigenkapitalquote zu ermitteln ist, wird von den einzelnen Mitgliedstaaten im Detail zu regeln sein. Außerdem soll ein Zinsenabzug möglich sein, wenn die Unternehmens-Gruppe insgesamt im Verhältnis zum Ebita höher verschuldet ist, und das lokale Konzernunternehmen Fremdkapitalkosten unter der Konzernquote aufweist.

Die Richtlinie räumt den Mitgliedstaaten darüber hinaus auch noch folgende Möglichkeiten für Ausnahmen von der Zinsschranke ein:
- Recht auf Abzug der überschüssigen Fremdkapitalkosten von bis zu drei Millionen Euro,
- Recht auf vollständigen Abzug für eigenständige Unternehmen, die keine Konzernunternehmen sind,
- Ausnahme für die Finanzierung langfristiger öffentlicher Infrastrukturprojekte und
- Ausnahme für Finanzunternehmen wie Investmentfonds, Banken, Versicherungen.

Ebita: Überschüssige Zinsaufwendungen und Abschreibungen addieren

Für die Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer werden die überschüssigen Zinsaufwendungen und die steuerlichen Abschreibungen zum körperschaftssteuerlichen Gewinn hinzugerechnet. Das ergibt dann das Ebita laut EU-Richtlinie. Mal bis zu 30 Prozent ergibt den Höchstbetrag der steuerlich abzugsfähigen Fremdkapitalkosten. Der Begriff Zinsen wird jedoch weit gefasst. Das Ebita ist eine steuerliche Größe, die retrograd ermittelt wird.

Wie mit nicht abzugsfähigen Fremdkapitalkosten verfahren werden soll

Die einzelnen Mitgliedstaaten können die periodenübergreifende Zinsschranke anwenden: Das ist ein zeitlich unbegrenzter Vortrag für in einem Jahr nicht abzugsfähige überschüssige Fremdkapitalkosten. Diskutiert wird auch ein maximal dreijähriger Rücktrag für nicht abzugsfähige überschüssige Fremdkapitalkosten und eine auf maximal fünf Jahre beschränkte Vortragsfähigkeit ungenutzter Ebita-Reserven. Burgstaller: „Ob Österreich diese wirtschaftlich sinnvollen Vereinfachungsregeln umsetzen wird, bleibt abzuwarten“

Bestandsschutz für bestehende Finanzierungen

Die EU-Richtlinie enthält eine Bestandschutzklausel. Sie räumt den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit ein, Darlehen bzw. Kredite, die vor dem 17. Juni 2016 abgeschlossen wurden, von der Neuregelung auszunehmen. Burgstaller: „Diese Klausel ist – wie viele andere - eine „Kann-Bestimmung“. Somit steht es Österreich frei, betroffene Darlehen oder Kredite von der EU-Zinsschranke ausnehmen. Ob der österreichische Gesetzgeber tatsächlich Bestandschutz gewähren wird, bleibt abzuwarten.“

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