So viel Umsatzsteuer müssen Online-Shops für ihre Lieferungen zahlen

So viel Umsatzsteuer müssen Online-Shops für ihre Lieferungen zahlen

Die Regelungen, wann Lieferungen von Online-Shops von und nach Österreich steuerfrei sind und welche Lieferschwellen gelten, sind sehr unterschiedlich. Für Unternehmer mit oder ohne UID-Nummer gelten hier mitunter andere Regelungen. Welche neuen Vorschriften ab 2020 gelten.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl jener, die in Österreich online shoppen auf 4,1 Millionen fast verdoppelt. Darauf reagieren auch die Unternehmen. Laut KMU Forschung hat sich die Zahl der österreichischen Online-Shops von 3.200 im Jahr 2006 auf 9.000 im Jahr 2017 fast verdreifacht. Umso wichtiger ist es für diese Unternehmen auch über die steuerlichen Bestimmungen für den Handel im Netz Bescheid zu wissen. TPA Steuerberater Helmut Beer fasst die wichtigsten Punkte der steuerlichen Handhabung von Online-Lieferungen für Unternehmen zusammen.

Wann die Lieferung innerhalb und außerhalb der EU steuerfrei ist

Ausfuhr- und Buchungsnachweis nötig
Liefert ein Unternehmer Waren von Österreich in ein Drittland wie in die Schweiz, ist die Lieferung ins Ausland steuerfrei. Vorausgesetzt der liefernde Unternehmer kann sowohl den Ausfuhr- als auch den Buchnachweis erbringen. In diesem Fall ist eine Nettorechnung ohne Umsatzsteuerausweis mit dem Hinweis auf die Steuerfreiheit auszustellen. Zusätzlich sind die nationalen Bestimmungen im jeweiligen Empfängerland zu beachten, da beispielsweise eine steuerliche Registrierung des Lieferanten im Empfängerland erforderlich sein kann.

UID-Nummer wichtig
Bei Lieferungen in einen anderen EU-Mitgliedstaat ist zunächst zu unterscheiden, ob es sich beim Empfänger um einen Unternehmer oder einen Privatkunden handelt. Ist der Empfänger ein Unternehmer, ist die Lieferung steuerfrei, sofern der liefernde Unternehmer die oben erwähnten Ausfuhr- und Buchnachweise erbringen kann und der empfangende Unternehmer die UID-Nummer des Empfängerstaates bekannt gegeben hat.

Regeln für alle Kunden ohne UID-Nummer

1. Lieferung in Österreich steuerpflichtig
Bei Geschäften mit Privatkunden aus anderen EU-Mitgliedstaaten ist die Lieferschwelle des jeweiligen Mitgliedstaates zu beachten. Diese sind allerdings in der EU nicht einheitlich. Solange diese Schwelle nicht überschritten wird, ist die Lieferung in Österreich steuerpflichtig.
2. Lieferung im anderen EU-Land steuerpflichtig
Wird die Lieferschwelle hingegen überschritten, ist die Lieferung im Empfänger-Mitgliedstaat steuerpflichtig. In diesem Fall ist eine Registrierung in diesem Mitgliedstaat notwendig und es gelten die Regelungen dieses Landes. Als Privatkunden klassifiziert werden alle Empfänger, die keine UID-Nummer haben, also auch beispielsweise Kleinunternehmer und pauschalierte Landwirte.

Online-Plattformen für nicht versteuerte Umsätze ihrer Anbieter bald haftbar
Die steigende Bedeutung des Online-Handels ist auch von politischer Bedeutung und so werden national und international laufend Neuerungen zur Besteuerung der digitalen Wirtschaft diskutiert. In Österreich wurden kürzlich Änderungen des Umsatzsteuergesetzes beschlossen, die auch Auswirkungen auf Online-Shop-Betreiber und Betreiber von Online-Plattformen haben.

Welche neuen Vorschriften ab Jänner 2020 und 2021 gelten
Aufzeichnungen der Online-Umsätze Pflicht. Online-Vermittlungs-Plattformen müssen ab 1. Jänner 2020 Aufzeichnungen über die vermittelten Umsätze führen und diese Informationen, die für die Bemessung der Umsatzsteuer relevant sind, ab einem Umsatzvolumen von über einer Million Euro dem Finanzamt melden. Außerdem haften die vermittelnden Unternehmer unter Umständen für nicht versteuerte Umsätze der Anbieter.
Lieferschwelle entfällt . Die für Online-Shops wesentliche Lieferschwelle für Lieferungen nach Österreich entfällt ab 1. Jänner 2021. Die Versandhandels-Lieferung ist daher in Österreich umsatzsteuerpflichtig. Eine Ausnahme ist für Kleinstunternehmer mit Umsätzen bis 10.000 Euro vorgesehen. In diesen Fällen ist die Steuer weiterhin im Ursprungsland zu entrichten.
Einfuhrumsatzsteuerbefreiung für Kleinbeträge entfällt. Die Einfuhrumsatzsteuerbefreiung für Lieferungen aus Drittländern mit einem Warenwert bis zu 22 Euro entfällt ab 1. Jänner 2021.
Steuerbefreiung innerhalb der EU nur mit UID-Nummer. Für Lieferungen an Unternehmer aus anderen EU-Mitgliedstaaten ist eine gültige UID-Nummer des Empfängers entscheidend und die Aufnahme der innergemeinschaftlichen Lieferung in der Zusammenfassenden Meldung – ZM notwendig. Diese beiden Kriterien sind für den Lieferanten ab 1. Jänner 2020 materielle Voraussetzungen für die Steuerfreiheit der Lieferung.

Für all jene, die einen Online-Shop betreiben, ist es daher notwendig,
• im Registrierungsprozess eindeutig zwischen B2C und B2B zu unterscheiden und
• im Zusammenhang mit den Umsätzen ein „Frühwarnsystem“ einzurichten, um rechtzeitig das Überschreiten von Schwellenwerten ( wie 10.000 Euro-Grenze) erkennen und entsprechende Vorbereitungen, wie für die Registrierung im jeweiligen Land, treffen zu können.
„Die Anpassungen des Umsatzsteuergesetzes im Rahmen des Abgabenänderungsgesetzes 2020 sollen Steuerfairness bringen, für Betreiber von Online-Shops und -Plattformen kann es aber einen erheblichen Anpassungsbedarf bedeuten“, so TPA-Steuerexperte Beer.

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