So viel Steuern müssen Unternehmen für E-Autos zahlen

Ob und wie viel an Vorsteuern Unternehmen für ein Elektroauto geltend machen können, hängt unter anderem vom Kaufpreis ab. Was gilt für die Besteuerung der laufenden Kosten für E-Autos und wie wird der Sachbezug gehandhabt.

Thema: Steuertipps
So viel Steuern müssen Unternehmen für E-Autos zahlen

Die Besteuerung von Firmenfahrzeugen mit Elektroantrieb ist eine eigene Wissenschaft.

So viele Unternehmen wie noch nie haben sich zuletzt, dank üppiger Förderungen, Elektroautos angeschafft. Im Zuge der Neuanschaffung sollten jedoch auch die umsatzsteuerrechtlichen Aspekte für den Erwerb und die laufende Nutzung eines Elektroautos berücksichtigt werden. Die Experten der TPA Steuerberatung klären auf.

So funktioniert der Vorsteuerabzug bei Elektroautos
Firmen, die Elektroautos anschaffen, können grundsätzlich die Vorsteuer abziehen. Wird das Elektroauto in einem Einzelunternehmen mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt, wird es als notwendiges Betriebsvermögen des Unternehmens eingestuft und muss aus diesem Grund im Anlagenverzeichnis erfasst und über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer mittels Abschreibung für Absetzung – AfA abgesetzt werden.

Angemessenheitsgrenze prüfen
Ob ein Vorsteuerabzug zur Gänze oder nur teilweise zusteht oder ein solcher Abzug gar nicht erlaubt ist, hängt von der Höhe der Anschaffungskosten ab. Diese setzen sich aus dem Kaufpreis zuzüglich der Umsatzsteuer zusammen. Kosten für die Fahrzeuganmeldung, Überstellungskosten oder für die Reifenausstattung sind als Anschaffungsnebenkosten ebenfalls zu berücksichtigen. Die steuerliche Angemessenheitsgrenze für ein Elektroauto beträgt 40.000 Euro brutto. Darüber hinaus dürfen Ausgaben, da sie – ertragsteuerlich gesehen - die private Lebensführung des Steuerpflichtigen betreffen, nicht abgezogen werden.

Beim Kauf eines E-Autos sind somit folgende Fallkonstellationen möglich:

Kaufpreis niedriger als 40.000 Euro: Voll abzugsfähig
Bei Anschaffungskosten (AK) bis zu 40.000 Euro inklusive Umsatzsteuer steht der Vorsteuerabzug uneingeschränkt zu, da die Angemessenheitsgrenze (Luxusgrenze) nicht überschritten wird.
Kaufpreis über 40.000 Euro und unter 80.000 Euro: Vorsteuer plus Besteuerung des Eigenverbrauchs
Der Betrag, der die Anschaffungskosten von 40.000 Euro übersteigt, wird der Eigenverbrauchsbesteuerung unterworfen, wodurch die Vorsteuer für den nicht angemessenen Teil wieder neutralisiert wird.
Kaufpreis über 80.000 Euro: Kein Vorsteuerabzug
Bei Anschaffungskosten von mehr als 80.000 Euro steht gar kein Vorsteuerabzug zu.

Beispiel: Bei einem Neuwagenpreis eines Elektro-PKWs von 45.000 Euro inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer im Jahr 2020 betragen die unternehmensrechtlichen Anschaffungskosten 37.500 Euro + 833,33 Eruo (Kürzung Vorsteuerabzug = Erhöhung der AK) = 38.333,33 Euro (= Basis für die unternehmensrechtliche Abschreibung).
– Luxustangente beträgt daher 11,11% (1-40000/45000).
– Steuerrechtliche AK: Diese betragen 33.333,33 Euro (= Maximalbetrag bei Vorsteuerabzug und Basis für die ertragsteuerliche Absetzung für Abnutzung).
Das gilt umsatzsteuerlich für die laufende Nutzung

Bei den Kosten der laufenden Nutzung ist zwischen wertabhängigen und wertunabhängigen Betriebskosten zu unterscheiden.

Zu den Betriebskosten, die wertabhängig sind, zählen Reparaturkosten, Service oder Versicherung.
Bei Anschaffungskosten unter 40.000 Euro steht der Vorsteuerabzug für die laufenden Kosten grundsätzlich zur Gänze zu, wenn die übrigen Voraussetzungen, wie korrekte Rechnungsausstellung, erfüllt sind. Bei einem Kaufpreis zwischen 40.000 und 80.000 Euro steht der Vorsteuerabzug im Ausmaß des steuerlich anerkannten Teils (ohne Luxustangente) zu. Kostet das Auto mehr als 80.000 Euro steht der Vorsteuerabzug auch für die laufenden wertabhängigen Kosten nicht zu.

100 Prozent Vorsteuerabzug für Gebühren und Strom
Zu den Betriebskosten, die wertunabhängig sind, zählen Straßen- und Parkgebühren und Energiekosten (Ladestrom). Hier steht der Vorsteuerabzug zu 100 Prozent zu, unabhängig vom ursprünglichen Kaufpreis.

Umsatzsteuer von privat genutzten Elektroautos
Wird das Elektroauto weniger als 50 Prozent privat genutzt, wurde es ins Betriebsvermögen des Unternehmens aufgenommen. Für die private Nutzung muss ein Verwendungseigenverbrauch versteuert werden. Die Umsatzsteuerbelastung hängt vom Ausmaß der privaten Nutzung ab. Voraussetzung dafür ist, dass das Fahrzeug zuvor zum vollen oder teilweisen Vorsteuerabzug berechtigt hat.

Private Nutzung durch den Unternehmer selbst

Dabei kann wieder zwischen folgenden Fallkonstellationen unterschieden werden:

Anschaffungskosten niedriger als 40.000 Euro : 20% Umsatzsteuer für Eigenverbrauch
Nutzt der Unternehmer das Elektroauto selbst beispielsweise zu 30 Prozent privat, sind von den laufenden Kosten, wie Treibstoff, Instandhaltungen, Maut- und Parkgebühren sowie der Abschreibung 30 Prozent als Eigenverbrauch anzusetzen und der Umsatzsteuer zu unterwerfen.

Anschaffungspreis höher als 40.000 Euro und niedriger als 80.000 Euro:
Umsatzsteuer für den um die Luxustangente gekürzten Verwendungseigenverbrauch

Bei Elektroautos mit Kaufpreis zwischen 40.000 Euro und 80.000 Euro sind die wertabhängigen Betriebskosten zuerst um die Luxustangente zu kürzen. Mit der Luxustangente wird somit auch der Vorsteuerabzug wieder gekürzt, wenn dieser laufend mit 100 Prozent verbucht wurde. Der Vorsteuerabzug für wertabhängige Betriebskosten ist nur im Ausmaß der steuerlich anerkannten Kosten zulässig. Von diesen steuerlich anerkannten Kosten ist dann der Anteil der privaten Nutzung zu ermitteln und der Eigenverbrauchsbesteuerung und damit der Umsatzsteuer zu unterwerfen.

Kosten höher als 80.000 Euro: keine Umsatzsteuer für den Verwendungseigenverbrauch
Bei Elektroautos mit ursprünglichen Anschaffungskosten über 80.000 Euro muss kein Verwendungseigenverbrauch besteuert werden, da auch kein Vorsteuerabzug zustand.
Aufgrund des Fehlens einer expliziten gesetzlichen Regelung – zur Besteuerung des Verwendungseigenverbrauchs bei Elektroautos durch den Unternehmer selbst – wird dieser Sachverhalt in der Literatur relativ kontrovers gesehen. Jedoch ist mangels anderslautender Regelungen davon auszugehen, dass die Privatnutzung wie auch bei Fiskal-LKWs der Umsatzsteuer zu unterwerfen ist. Dies wurde auch vom Finanzministerium bestätigt.

Private Nutzung durch den Arbeitnehmer (Sachbezug)
Überlässt der Unternehmer das für das Unternehmen angeschaffte Elektroauto an Arbeitnehmer im Wege eines Sachbezugs zur privaten Mitbenutzung, stellt dies einen umsatzsteuerlich relevanten Vorgang dar, der grundsätzlich der Umsatzsteuerpflicht unterliegt. Je nach der konkreten Ausgestaltung sind für die Umsatzbesteuerung des Sachbezugs von emissionsfreien Autos unterschiedliche Bemessungsgrundlagen heranzuziehen.

Es gibt drei Konstellationen:
Fall 1: Entgeltlicher Sachbezug als Teil des Arbeitsentgelts
Für Elektroautos ist ein Sachbezugswert von Null anzusetzen. Das hat zur Folge, dass die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer ebenfalls Null beträgt. Bei der entgeltlichen Überlassung von Elektroautos an Arbeitnehmer gegen Arbeitsleistung fällt somit kein Sachbezug an. Es sollte jedoch eine zumindest 10 %ige unternehmerische Nutzung des Elektroautos gegeben sein.
Fall 2: Entgeltlicher Sachbezug gegen Geldleistung/bare Zuzahlung
Der Arbeitnehmer zahlt dem Arbeitgeber ein Entgelt für die Nutzung des E-Autos. In diesem Fall ist die Umsatzsteuer vom Entgelt zu bemessen, welches der Arbeitnehmer für die Nutzung des Elektroautos bezahlt. Somit kommt es zu einer (teilweisen) Besteuerung des Sachbezugs.

Private Nutzung durch den Gesellschafter-Geschäftsführer > 25 %
Wenn das Unternehmen einem wesentlich beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführer (Gesellschafter-Geschäftsführer mit Beteiligung > 25 %) ein voll vorsteuerabzugsberechtigtes Elektroauto zur privaten Nutzung zur Verfügung stellt, kommt es ebenfalls zu keiner Besteuerung des Verwendungseigenverbrauchs, da seit 2018 auch der Sachbezugswert von Gesellschafter-Geschäftsführern Null beträgt.

Umsatzsteuer beim Verkauf
Der Verkauf eines Elektrofahrzeuges, für das der Vorsteuerabzug ganz oder teilweise zustand, ist umsatzsteuerlich als steuerpflichtige Lieferung zu behandeln. Davon ausgenommen sind steuerfreie Ausfuhrlieferungen in Drittstaaten oder innergemeinschaftliche Lieferungen.

Fortsetzung des Beispiels: Verkauf des Elektrofahrzeuges 2023 um 30.000 Euro brutto. Der Verkaufserlös ist zur Gänze umsatzsteuerpflichtig = 25.000 Euro netto * 20% Umsatzsteuer = 5.000 Euro Umsatzsteuer. Bei jenen Elektrofahrzeugen, bei welchen im Jahr des Kaufes eine Eigenverbrauchsbesteuerung vorgenommen werden musste, kann für diesen Anteil eine positive Vorsteuerberichtigung vorgenommen werden.

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