So sollen Gewinnverschiebungen von Firmen begrenzt werden

So sollen Gewinnverschiebungen von Firmen begrenzt werden

Zinsgewinne von einem Land ins andere zu verschieben, ist vor allem bei großen Konzernen usus. Diese dürfte die Zinsschranke auch am härtesten treffen.

Gewinne mittels Zinszahlungen in Ausland zu verschieben und so die Steuerlast im Inland zu schmälern, ist bei Firmen beliebt. Die EU verlangt nun von den Mitgliedsstaaten, Zinsschranken einzuführen. Die Steuerexperten der TPA haben tausende Bilanzen von Kapitalgesellschaften und speziell Immofirmen analysiert und herausgefunden, wann eine solche Schranke sinnvoll ist.

Österreich muss bis Ende des Jahres erste Teile der EU- Richtlinie zur Bekämpfung von Praktiken zur Steuervermeidung in nationales Recht umsetzen. Eine Maßnahme davon ist die Einführung einer Zinsschranke. Im Visier sind jene Unternehmen, die Gewinnes mittels Zinszahlungen ins Ausland verlagern, um so in Österreich weniger Steuern zu zahlen. Bis jetzt kennt das österreichische Körperschaftsteuergesetz noch keine generelle Zinsabzugsbeschränkung, es gelten gezielte Abzugsverbote im Konzernverbund, um steuerliche Gestaltungen zu vermeiden.

Diese Freiheiten bei der Umsetzung der Richtlinie sind möglich

Die Mitgliedstaaten haben bei der Umsetzung der Richtlinie folgende Spielräume:

  • Freibetrag: Bis zu einem Freibetrag von jährlich maximal drei Millionen Euro bleiben Zinsen steuerlich abzugsfähig.
  • Zinsvortrag: Mittels eines Zinsvortrags können nicht abzugsfähige Zinsen in spätere Jahre vorgetragen werden und dann auch zu einem späteren Zeitpunkt verwertet werden.

Wann die Zinsschranke kommen dürfte

Einzelne Länder können unter bestimmten Voraussetzungen die Zinsschranke erst zu einem späteren Zeitpunkt einführen. „Da Österreich bereits effektive Instrumente zur Vermeidung von Gewinnverlagerungen implementiert hat, soll die Zinsschranke erst ab dem Jahr 2024 umgesetzt werden“, weiß TPA Experte Gerald Kerbl. Dafür ist jedoch noch die Genehmigung der Europäischen Kommission notwendig.

Doch was sind die voraussichtlichen Auswirkungen einer Zinsschranke auf österreichische Kapitalgesellschaften und Immobilienunternehmen? Dieser Frage ist das Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen TPA nachgegangen. TPA Experte Gerald Kerbl und Matthias Petutschnig, Uniprofessor für Steuerlehre an der WU, analysierten in einer Simulationsstudie, womit die heimische Wirtschaft zu rechnen hat.

Insgesamt wurden dafür die Bilanzdaten von 141.462 Unternehmen der Jahre 2007 bis 2016 erfasst. Für die Immobilien-Studie wurden die Bilanzdaten von 8.828 Unternehmen analysiert, das entspricht rund 80 Prozent der österreichischen Unternehmen des Immobiliensektors.

Mögliche Auswirkungen einer Zinsschranke:

  • Extrem wenig Firmen vom Freibetrag betroffen. Von den betrachteten Unternehmen wären bei einem Freibetrag von drei Millionen Euro 1,3 Prozent der Unternehmen betroffen. 10,3 Prozent wären es ohne Freibetrag. In der Immobilienbranche wären es zwischen 9,6 Prozent (bei einem Freibetrag von drei Millionen) und 28,8 Prozent (ohne Freibetrag).
  • Zinsvortrag empfehlenswert. Die überwiegende Mehrheit aller Unternehmen wäre nur jedes zweite oder dritte Jahr betroffen. „Die Zinsschranke sollte daher mit einem Zinsvortrag ausgestattet werden“, empfehlen die Studienautoren.
  • Vor allem Firmen mit Fremdfinanzierung betroffen. Mit steigendem Freibetrag sinkt die Anzahl der betroffenen Unternehmen stärker als die Höhe der Steuermehreinnahmen. „Es werden also bei einem höheren Freibetrag mit höherer Wahrscheinlichkeit nur jene Unternehmen erfasst, die Fremdfinanzierungen zur Steuervermeidung gezielt etabliert haben“, folgert Kerbl.
  • Zinsschranke bei Freibetrag von drei Millionen Euro am treffsichersten. Als treffsicher, um allfällige Gewinnverlagerungen zu vermeiden, erweist sich die Zinsschranke dann, wenn ein Freibetrag von drei Millionen eingeführt wird.
  • In wirtschaftlich schlechten Zeiten Zinsschranke als Nachteil. In wirtschaftlich schlechten Zeiten kann die Zinsschranke besonders nachteilig für die Steuerpflichtigen wirken. So war die Zahl der in der Simulationsstudie betroffenen Unternehmen in den Jahren 2007 und 2008, dem Höhepunkt der Finanz- und Eurokrise, signifikant höher als in der Folgezeit.

Hoher Freibetrag filtert jene mit extrem niedrigen Steuern treffsicher heraus

„Die Studie zeigt, dass nur mit einem hohen Freibetrag tatsächlich jene Unternehmen herausgefiltert werden können, die außerordentlich niedrige Steuerzahlungen aufweisen“, fasst TPA Experte Kerbl die Erkenntnisse zusammen. „Nur so trifft die Zinsschranke auch wirklich jene Unternehmen, die überhöhte Zinszahlungen nutzen, um ihre Gewinne ins Ausland zu verlagern.“

Hoher Freibetrag hilft Firmen ohne Gewinnverlagerungsabsicht

„Ein hoher Freibetrag hilft gleichzeitig auch sicherzustellen, dass Unternehmen, die keine Gewinnverlagerungsabsicht haben, nicht von der Zinsschranke in ihrer wirtschaftlichen Aktivität und Gestaltungsfreiheit eingeschränkt werden. Außerdem ermöglicht dieser, Kosten zur Befolgung des Rechts und Rechtsunsicherheit zu vermindern, ohne wesentliche Steuerausfälle zu riskieren“, ergänzt WU-Studienautor Petutschnig.

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