So schlagen Firmen dem Fiskus noch 2016 ein Schnippchen

So schlagen Firmen dem Fiskus noch 2016 ein Schnippchen

Die trend.at-Serie Steuerspartipps zu Jahresende widmet sich diesmal Unternehmen. Was diese noch 2016 tun können, um die Steuerlast zu drücken, Förderungen zu kassieren und mit welchen Ausgaben sie besser bis 2017 warten sollten.

Kauf von Wohnbauanleihen bringt Geld vom Fiskus

Sowohl Einnahmen-Ausgaben-Rechner als auch Bilanzierer können einen bestimmten Betrag ihres steuerlichen Gewinnes steuerfrei stellen, wenn sie heuer noch in bestimmte abnutzbare Anlagegüter und/oder Wohnbauanleihen investieren. „Ausgenommen von dieser Regelung sind Veräußerungsgewinne“, erklärt Mag. Gottfried Sulz, Steuerberater und Partner bei TPA. Die Wertpapiere und Anlegegüter müssen allerdings vier Jahre behalten werden.

Der Gewinnfreibetrag beträgt:

  • 13,0 % bis zu einem Gewinn von 175.000 Euro
  • 7,0 % für den Gewinnteil zwischen 175.000 und 350.000 Euro
  • 4,5 % für den Gewinnteil zwischen 350.000 und 580.000 Euro

Macht einen maximalen Gewinnfreibetrag von 45.350 Euro und eine maximale Steuerersparnis von 22.675 Euro.

Gewinnfreibetrag auch ohne Investitionen möglich.

Bis zu einem Gewinn von 30.000 Euro kann der Freibetrag ohne Investition geltend gemacht werden. Das wird „Grundfreibetrag“ genannt. Dieser ist auch zusätzlich zum Betriebsausgabenpauschale möglich. „Für den investitionsabhängigen Gewinnfreibetrag ist das allerdings nicht möglich", erläutert Sulz.

Überstürzen Sie beim Kauf von Wohnbauanleihen heuer nichts.

Für das Jahr 2017 besteht die gesetzliche Möglichkeit, dass ab dann alle jene Wertpapiere – die auch zur Deckung einer Pensionsrückstellung dienen können - zur Deckung des Gewinnfreibetrags herangezogen werden können. Für 2016 bleibt es jedoch bei der Einschränkung auf Wohnbauanleihen.

Wenn aber Wohnbauanleihen schon einen hohen Kurs aufweisen, sollte man die Anschaffung gut durchkalkulieren. Gerade Wohnbauanleihen könnten auch aufgrund der gestiegenen Nachfrage von Unternehmen gegen Jahresende stark nachgefragt sein, was die Kurse steigen lässt, weshalb sich ein Investment in solche Wertpapiere unter Umständen nicht mehr lohnt. Zumal zum Ende der Laufzeit die Rückzahlung nur zu einem Nominale von 100 getilgt werden muss. Wer also zu einem höheren Kurs einsteigt und dieser liegt dann am Ende der Laufzeit niedriger als der Kaufkurs, muss Kursverluste realisieren.

Prognoserechnung empfehlenswert.

Um Investitionen in ausreichender Höhe zu tätigen, ist eine Prognoserechnung für 2016 empfehlenswert, um das Investitionserfordernis bestimmen zu können. Investitionen in Wohnbauanleihen und abnutzbare Anlagen wie Betriebs- und Geschäftsausstattung, bestimmte KFZ (zB „Fiskal-LKW“) sollte man, wenn sie noch 2016 steuerlich wirksam werden sollen, auch noch rasch tätigen.

Noch heuer in Forschung investieren

Wer in richtige Forschung im eigenen Betrieb investiert oder Forschungsaufträge annimmt, wird vom Fiskus belohnt und erhält eine Prämie. Doch Vorsicht: „Dokumentieren Sie die Forschung gut. Seien Sie bei der Erstellung des Antrags gründlich, denn die Finanz ist bei der Zuerkennung der Prämie viel strenger geworden als früher“, weiß Steuerexperte Sulz.

Antrag auf Energieabgabenvergütung vorsorglich noch 2016 stellen

Ein Antrag für die Vergütung von Energieabgaben muss spätestens bis zum Ablauf von fünf Jahren gestellt werden. Für das Jahr 2011 und folgende kann ein Vergütungsantrag somit noch bis zum 31. Dezember 2016 gestellt werden. Seit einer Entscheidung des Bundesfinanzgerichts besteht möglicherweise auch für Dienstleistungsbetriebe (wieder) ein Vergütungsanspruch. Sulz: „Um keine Fristen zu versäumen, empfehlen wir allen Dienstleistungsbetrieben mit einem potentiellen Anspruch, vorsorglich einen Antrag für die Jahre ab 2011 einzubringen.“

Bei Bedarf noch rasch Wertpapiere für Pensionsrückstellung erhöhen

Zum Ende des Wirtschaftsjahres müssen für steuerliche Pensionsrückstellungen bestimmte Wertpapiere und/oder Ansprüche aus Rückdeckungsversicherungen zu 50 Prozent des vorjährigen Rückstellungsbetrages im Betriebsvermögen vorhanden sein. Diese müssen bis zum nächsten Bilanzstichtag gehalten werden. „Wird der Pensionsanspruch mit einem Einmalbetrag unterjährig abgefunden, können zur Finanzierung der Abfindung die jeweiligen Wertpapiere auch unterjährig verkauft werden“, so Gottfried Sulz.

Mit der Aufstockung von Investitionen eventuell. bis 2017 warten

Im Ministerrat wurde angekündigt, dass es für Klein- und mittelständische Unternehmen 2017 und 2018 eine Investitionszuwachsprämie gibt. Auf diese Weise soll ein Investitionszuwachs gefördert werden. Die Förderung soll für Investitionen in neu angeschaffte, aktivierungspflichtige Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens gelten. Ausgenommen sind zum Beispiel Autos und Grundstücke. Bei kleinen Unternehmen (bis 49 Mitarbeiter) wird nur ein Investitionszuwachs von mindestens 50.000 Euro und höchstens 450.000 Euro gefördert.

Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern erhalten jeweils 2017 und 2018 eine 15%ige Prämie. Daher könnten Unternehmen gut beraten sein, wenn wirtschaftlich vertretbar, mit einer Aufstockung ihrer Investitionen bis zum nächsten Jahr zu warten. Wichtig ist, den Antrag rasch einzubringen, weil das limitiert vorgesehene Budget soll vom AMS nach dem sog. „Windhundverfahren“ vergeben werden; oder anders ausgedrückt: „Den Letzten beißen die Hunde“.

Wahlfreiheit zwischen Gewinnausschüttung und Einlagenrückzahlung nutzen

Es besteht wieder das Wahlrecht zwischen Einlagenrückzahlung und KESt-pflichtiger Gewinnausschüttung. Voraussetzung für eine KESt-freie Einlagenrückzahlung ist ein Guthaben auf dem entsprechenden Einlagen-Evidenz-Subkonto. Voraussetzung für eine Gewinnausschüttung ist eine positive Innenfinanzierung, außer es gibt kein Guthaben auf dem Einlagen-Evidenz-Subkonto. Die neuen Evidenzierungspflichten sind daher besonders zu beachten. Einlagenrückzahlungen sind somit KESt-frei und beim Empfänger steuerfrei, soweit er positive steuerliche Anschaffungskosten hat. „Übergangsbestimmungen ermöglichen es, das Innenfinanzierungs-Evidenzkonto vereinfacht zu ermitteln, was in bestimmten Fällen vorteilhaft sein kann“, so Sulz. Steuertipp

Nach der Wahl der Gesellschaft ist auch eine genaue Ermittlung des Innenfinanzierungs-Evidenzkontos für nur zehn Jahre rückwirkend erlaubt. Mag. Gottfried Sulz: „Vor allem bei nicht durchgebuchten Großmutterzuschüssen ist das von Vorteil.“


Gottfried Sulz ist Steuerberater und Partner der TPA Group. Er leitet das Kompetenz Center "Rechtsformgestaltung, Umgründung, Stiftungen und Körperschaftsteuer"; ist Mitglied des Fachsenats für Steuerrecht der Kammer der Wirtschaftstreuhänder sowie Stv. Vorsitzender der Arbeitsgruppe Umgründungssteuerrecht.

Gottfried Sulz hat sich insbesondere auf die Rechtsformgestaltung für KMU, Konzerne und freie Berufe sowie Merger & Akquisition, Sonderfragen des (inter)nationalen Steuerrechts, Bilanzrecht, Unternehmensnachfolge und Privatstiftungen spezialisiert.

Kontakt: gottfried.sulz <AT> tpa-group.at

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