So soll betriebliche Altersvorsorge für KMU attraktiver werden

So soll betriebliche Altersvorsorge für KMU attraktiver werden

Einer der zentralen Forderungen der Pensionskassen: Eine staatlich geförderte Gehaltsumwandlung.

Nur vier Prozent der Pensionen werden durch eine betriebliche Vorsorge gedeckt. Die meisten davon werden von Großbetrieben finanziert. Das soll sich ändern, fordert Valida Vorsorgekassen-Chef Martin Sardelic. Welche Vorschläge er hat, um wie in Deutschland auch KMU und Geringverdiener für die zweite Säule der Vorsorge zu gewinnen.

Derzeit ist der Anteil der Unternehmen, die in eine betriebliche Vorsorgekasse einzahlen, mit nur vier Prozent der Pensionen durch eine betriebliche Vorsorge deckt, verschwindend gering. Das steht im scharfen Gegensatz zur jüngsten Befragung: 73 Prozent der Unternehmen, die vom Research-Unternehmen Spectra befragt wurden, halten den Ausbau der zweiten Säule der Pensionsvorsorge für sinnvoll. Aber nur 30 Prozent der Kleinunternehmen investieren auch in eine betriebliche Vorsorge für ihre Mitarbeiter, bei den mittelgroßen Unternehmen sind es 40 Prozent. Bei Großunternehmen immerhin 50 Prozent.

Für die Stichprobe wurden 550 Unternehmen befragt, davon vor allem Kleinstunternehmen von einem bis zu neun Mitarbeiter (184 Interviews) und Kleinunternehmer zwischen 10 und 49 Mitarbeiter (32 Interviews). 326 Interviews entfielen auf EPU.

Angst treibt Vorsorgegedanken

Für 82 Prozent der Befragten hat die finanzielle Vorsorge für die Pension eine große Bedeutung. Als Grund nennen die meisten die Angst, die staatliche Pension könnte nicht reichen.

Insgesamt wird laut Pensionskonto.at für nur elf Prozent der Dienstnehmer in der Privatwirtschaft betrieblich vorgesorgt. Zum Vergleich: in manchen EU-Ländern mit anderen Pensionssystemen werden Anteile bis zu 65 Prozent erreicht.

„Doch die geringe staatliche geförderte betriebliche Vorsorge von 300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr bringt keinen wesentlichen Beitrag für die spätere Pension“, kritisiert Martin Sardelic, Vorstand der Valida Vorsorge Management.

Das 300-Euro-Modell

Arbeitgeber können laut Gesetz pro Arbeitnehmer und Jahr nur 300 Euro pro Arbeitnehmer zusätzlich zum normalen Gehalt lohn- und sozialversicherungssteuerfrei investieren, entweder in eine betriebliche Vorsorgekasse oder etwa in die sogenannte Zukunftssicherung. Das sogenannte 300-Euro-Modell. Dieses gibt es in Form einer
Gehaltsumwandlung oder als Gehaltserhöhung. Mitarbeiter können so bis zu 300 Euro jährlich lohnsteuerfrei in eine betriebliche Vorsorge einzahlen. Das Unternehmen zahlt 300 Euro lohnsteuerund sozialversicherungsbefreit in das gewählte Vorsorgeprodukt ein.

Steuerfreie Gehaltsumwandlung und Prämien gefordert

Um die betriebliche Vorsorge attraktiver zu machen, appelliert Sardelic, sich an das deutsche Modell der betrieblichen Vorsorge zu orientieren. Dort verfügen wie in Österreich vor allem Großunternehmen über eine betriebliche Vorsorge, aber nur ein geringer Anteil der KMUs. Um die betriebliche Vorsorge auch in kleineren Betrieben zu forcieren, wurde in Deutschland zu diesem Zweck eine steuerfreie Gehaltsumwandlung ermöglicht. Steuern fallen erst in der Auszahlungsphase an. 50 Prozent der Befragten in Österreich würden eine solche Möglichkeit der Gehaltsumwandlung begrüßen. „Möchte der Arbeitnehmer selbst dazu zahlen, sollten jene mit einem niedrigen Gehalt mit einer Prämie gefördert werden“ fordert Sardelic. Ähnlich dem Bausparen.

„Es ist Zeit den staatlichen Stillstand bei der Weiterentwicklung der betrieblichen und privaten Vorsorge aufzulösen“, fordert Sardelic in Bezug auf mangelnde Steueranreize. „Wir brauen ein 3-Säulen-Modell das diesen Namen auch verdient“, setzt der Valida-Boss nach.


Betriebliche Vorsorge in Deutschland

In Deutschland wurde 2018 das Gesetz zur betrieblichen Altersvorsorge reformiert, um kleinen und mittleren Unternehmen größere Anreize zu schaffen, die betriebliche Altersvorsorge zu fördern. Seither kann bis zu 6.700 Euro jährlich steuerbegünstigt in eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung investiert werden. Die Bemessungsgrundlage für die steuerliche Förderung wurde so von vier auf bis zu acht Prozent verdoppelt. Vier Prozent der Beiträge sind zudem sozialversicherungsfrei. Sofern der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge spart, muss dieser 15 Prozent in die betriebliche Vorsorgelösung des Arbeitnehmers als Zuschuss einzahlen.

Betriebliche Vorsorge in Österreich.

Derzeit können Arbeitgeber in Österreich Einzahlungen in der Höhe von maximal zehn Prozent der Lohnsumme als Betriebsausgaben für die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter absetzen. Mehr als zehn Prozent sind allerdings nicht erlaubt. Mitarbeiter können private Zuzahlungen in dieses System leisten. „In Österreich ist allerdings im Gegensatz zu vielen internationalen Beispielen nicht der gesamte Beitrag den Unternehmen für die betriebliche Vorsorge leisten steuerfrei.“ Eine weitere zentrale Forderung von Valida-Vorstand Sardelic, eine steuerbegünstigte Gehaltsumwandlung, ist bei Pensionskassen derzeit im Gegensatz zu Deutschland auch nicht möglich

Wie Arbeitnehmer in die betriebliche Vorsorge steuerfrei und gefördert investieren können
Der Arbeitnehmer kann ebenfalls in die betriebliche Vorsorge investieren. Zuzahlungen bis zu einer Summe von 1.000 Euro pro Jahr werden mit 4,25 Prozent staatlich gefördert.

Staatliche Förderung der betrieblichen Zukunftssicherung:
Beim Vorsorgemodell der betrieblichen Zukunftssicherung sind die Einzahlungen vom Arbeitgeber oder auch vom Arbeitnehmer als auch der Veranlagungsgewinn und die Auszahlung steuerfrei. Die Beiträge sind jedoch mit monatlich mit 25 Euro begrenzt. Die Lohnsteuerersparnis für Mitarbeiter beträgt so je nach Einkommen bis zu 13,75 Euro pro Monat. So können wie bei der Pensionskassen jährlich bis zu 300 Euro pro Mitarbeiter steuerfrei veranlagt werden. Wie bei der Pensionskassenlösung sind die Beiträge des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung absetzbar.

Pensionskassen: Höhere Risiken möglich, keine Garantie
Der Unterschied der beiden Vorsorgelösungen: Pensionskassen könne bei der Veranlagung höhere Risiko eingehen, die Zukunftssicherung in Form einer Versicherung bietet dafür im Gegensatz zur Pensionskassen, die in Fonds investieren, eine Garantie. Der Nachteil der Versicherung: Bei einer vorzeitigen Auflösung können Kosten entstehen, die leicht die Gewinne auffressen können, wenn der Vertrag noch nicht allzu lange besteht.

Vielen Unternehmen ist das 3-Säulen-Modell unbekannt
Doch nur ein Bruchteil der Unternehmen wissen überhaupt von der Möglichkeit für Mitarbeiter steuerbegünstigt vorsorgen zu können. Vor allem Kleinstunternehmen ist das 3-Säulen-Modell auf dem eine Pensionsvorsorge im Idealfall fußt, gar nicht bekannt. Nur 39 Prozent der Unternehmen, die ein bis neun Mitarbeiter beschäftigen, geben beispielsweise an das 3-Säulen-Modell für die Pensionsvorsorge zu kennen. „Die Kenntnisse über das 3-Säulen-Modell ist ausbaufähig“, resümiert Sardelic.

Pensionskassen bei betrieblicher Vorsorge am beliebtesten
Drei Viertel aller Befragten, die ihren Mitarbeitern eine betriebliche Vorsorge zukommen lassen, investieren das Geld in eine Pensionskasse. 14 Prozent setzen auf die steuerbegünstigte Zukunftssicherung. Zehn Prozent der Firmen investieren in eine betriebliche Kollektivversicherung und fünf Prozent in eine direkte Leistungszusage.

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