7 Strategien für die Selbstanzeige bei der Finanz

Anja Cupal, Finanzstrafrechtsexpertin der TPA, erklärt, mit welchen Strategien Betroffene eine strafbefreiende Selbstanzeige erwirken können und wie Steuerberater bei Finanzstrafsachen helfen.

Thema: Steuertipps
Bei der strafbefreienden Selbstanzeige gilt es nun einiges zu beachten.

Um eine strafbereiende Selbstanzeige zu erwirken, gilt es einiges zu beachten.

Bis ins Jahr 2014 durfte man bei Steuerhinterziehungen wie der Umsatzsteuer oder Körperschaftsteuer mehrmals Selbstanzeige erstatten. Von dieser Möglichkeit wurde damals, zum Ärger der Finanz, häufig Gebrauch gemacht und damit quasi Selbstanzeigen auf Raten erstattet. Diesen Praktiken wurden deshalb einen Riegel vorgeschoben.

Seit 1. Oktober 2014 gilt:

  1. Eine wiederholte Selbstanzeige für ein und denselben Abgabenanspruch mit strafbefreiender Wirkung ist nicht mehr zulässig. Ausgenommen davon sind lediglich Vorauszahlungen
  2. Wird die Selbstanzeige erst nachdem eine Betriebsprüfung angekündigt wurde, erstattet oder im Zuge einer Nachschau, muss für die strafbefreiende Wirkung der Selbstanzeige ein Strafzuschlag zwischen fünf und 30 Prozent der hinterzogenen Abgaben gezahlt werden. Diese Regelung betrifft sowohl vorsätzliche als auch grob fahrlässige verkürzte Abgaben, nicht jedoch fahrlässig begangene Delikte

Milderungsgrund bei wiederholter Selbstanzeige

„Eine Selbstanzeige mit strafbefreiender Wirkung ist zwar nur einmal für denselben Abgabenanspruch möglich, wird sie dennoch wiederholt erstattet, ist das ein Milderungsgrund“, erläutert Anja Cupal, Finanzstrafrechtsexpertin der TPA Steuerberatung.

„Auf den ersten Blick wirkt die Regelung nicht sonderlich dramatisch, es ist aber zu bedenken, wie komplex und fehleranfällig das betriebliche Rechnungswesen ist und wie leicht es zu Fehlern kommen kann. Die Abgabenbehörde nimmt aber in der Regel zumindest bedingten Vorsatz an, womit sich die Situation doch anders darstellt“, argumentiert Cupal.


7 Strategien für die Selbstanzeige

Es gibt mehrere Strategien, um die Selbstanzeige möglichst ohne folgende Strafen zu erstellen.

  1. "Das Finanzstrafgesetz pönalisiert zu spät erkannte Fehler in Selbstanzeigen“, warnt TPA Expertin Cupal. Vor der Abgabe einer Selbstanzeige sind somit eine umfassende Vorbereitung und eine vollständige Aufarbeitung sämtlicher Punkte des Sachverhalts unumgänglich.

  2. Planen Sie daher Selbstanzeigen gewissenhaft und zeitgerecht.

  3. Machen Sie eine umfangreiche steuerliche Analyse der Vergangenheit.

  4. Vermeiden Sie überhastete Selbstanzeigen, um nicht mit der Sperrwirkung der nicht mehr strafbefreienden zweiten Selbstanzeige konfrontiert zu sein.

  5. Erstatten Sie die Selbstanzeige dennoch unbedingt rechtzeitig vor Ankündigung einer Betriebsprüfung, denn sonst drohen Strafzuschläge.

  6. Achten Sie bei der Analyse des Sachverhaltes und der Formulierung der Selbstanzeige darauf, in welchen Ausmaß Ihnen eine Fehldarstellung subjektiv vorwerfbar ist. Selbstanzeigen, die nach Ankündigung einer Betriebsprüfung gemacht werden, haben bei vorsätzlichen und grob fahrlässigen Abgabenverkürzungen nur dann eine strafbefreiende Wirkung, wenn, neben den allgemeinen Voraussetzungen, ein Zuschlag zusätzlich zu den verkürzten Abgaben entrichtet wird. Wird dagegen das Delikt nur als fahrlässig eingeordnet, wird kein Strafzuschlag fällig. Dieser Zuschlag ist je nach Höhe der verkürzten Abgaben gestaffelt. Bis 33.000 Euro zahlt man fünf Prozent der gesamten Verkürzung, ab 250.000 Euro zahlt man 30 Prozent.

  7. Sollte eine abschließende und korrekte Sachverhaltsermittlung der Vergangenheit nicht mehr möglich sein, ist die Selbstanzeige unvollständig. Allerdings entfalten auch diese Anzeigen, bei Erfüllung aller weiteren Voraussetzungen, strafbefreiende Wirkung für alle angezeigten Sachverhalte. Nur für die fehlerhaften (oder auch vergessenen) Offenlegungen tritt keine Strafbefreiung ein. Sollte eine Vergangenheitsanalyse also nicht mehr zur 100 Prozent gelingen, empfiehlt es sich zumindest für alle anderen Verkürzungen eine Selbstanzeige einzureichen, erläutert Cupal.


Finanzstrafsachen: So helfen Steuerexperten

  • Aufarbeitung und Analyse von steuerlichen bzw. finanzstrafrechtlichen Risikobereichen im Unternehmen

  • Unterstützung bei der Verbesserung der unternehmensinternen Qualitätskontrollen zur Vermeidung von finanzstrafrechtlichen Risiken

  • Erstellung von Checklisten für Betriebsprüfungen und Hausdurchsuchungen, dies auch im Hinblick auf die Zunahme von Kontrollen durch die Finanzpolizei

  • Seminare zur Schulung der Mitarbeiter

  • Vorbereitung, Erstellung und Abwicklung von Selbstanzeigen und der damit verbundenen Schriftsätze

  • Betreuung von Betriebsprüfungen – sowohl nach Bundesabgabenordnung als auch nach Finanzstrafgesetz

  • Betreuung, Beratung und Begleitung bei anhängigen Finanzstrafverfahren

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