Personalkosten: Österreich und Osteuropa im Vergleich

Experten der TPA Steuerberatung haben mit Kienbaum Personalberatung einen Vergleich erstellt, was Geschäftsführer, Führungskräfte, Angestellte und Arbeiter Unternehmen insgesamt kosten. Die Daten wurden in Österreich und zehn Ländern Ländern in Mittel- und Südosteuropas erhoben.

Personalkosten: Österreich und Osteuropa im Vergleich

In Bulgarien bleibt Spitzenverdienern nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung wesentlich mehr von ihrem Gehalt übrig als in Österreich.

Viele Unternehmen setzen ihre Mitarbeiter auch in anderen Ländern ein. Doch die Arbeitskosten variieren je nach Land teilweise beträchtlich. “Für Unternehmen lohnt es sich, genau hinzusehen, vor allem, wenn sie Mitarbeiter entsenden oder überlegen, einen neuen Standort zu eröffnen“, erläutert Wolfgang Höfle, der mit den weiteren Experten für Lohn- und Sozialversicherung bei der TPA Steuerberater Steuerberatung, Klaus Bauer-Mittlerlehner und Thomas Haneder, und dem Personalberatungsunternehmen Kienbaum eine Studie zu den Arbeitskosten in Mittel- und Südosteuropa erstellt hat.

Die vergleichsweise nahen untersuchten Länder sind die häufigsten Ziele von Entsendungen für neue Standorte in Osteuropa. „Nearshoring ist das Schlagwort der Stunde - dabei spielen die Personalkosten neben anderen Faktoren eine entscheidende Rolle“, so Haneder.

Ermittelt wurden dabei die Bruttoentgelte von Albanien, Bulgarien, Kroatien, Montenegro, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich. Erfasst wurden auch die Gesamtkosten, die den Arbeitgebern entstehen, sowie die Nettobeträge, die den Mitarbeitern am Ende monatlich übrig bleiben.


1. Personalkosten:

Angestellte

Angestellte in Österreich kosten dem Arbeitgeber im Schnitt um bis zu 70.000 Euro mehr als Kollegen in Osteuropa, aber nirgends sonst in Süd- und Mitteleuropa werden im Verhältnis dazu, dadurch so viel für Steuer und Sozialversicherung abgezogen.

  • Österreich liegt bei den Gesamtkosten mit großem Abstand an erster Stelle und verzeichnet somit die höchsten Personalkosten in allen Personengruppen.
  • Es folgen bei allen Personengruppen die Staaten Tschechien, Slowenien und Slowakei – alle drei sind direkte Nachbarn von Österreich.
  • Im Mittelfeld bei den Gesamtkosten für Arbeitnehmer liegen Polen, Kroatien und Ungarn.
  • Niedrige Gesamtkosten für Mitarbeiter fallen auch in Montenegro, Rumänien, Serbien und Bulgarien an. Je nach Personengruppe in unterschiedlicher Reihung.
  • Die geringsten Gesamtkosten fallen in Albanien an.

Auffallend ist, dass die Personalkosten in den Nicht-EU-Ländern vergleichsweise niedrig sind. Jene Länder, die der EU früher beigetreten sind, also Slowenien, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn), weisen höhere Kosten auf als Länder, die der EU später beigetreten sind. (Rumänien, Bulgarien).

In Südosteuropa sind damit die Personalkosten niedriger. Bei den Berechnungen ist zu bedenken, dass bei Standortentscheidungen auch andere Kriterien wie Ausbildungs- und Qualifikationsniveaus, Einschränkungen durch arbeitsrechtliche Bestimmungen zu berücksichtigen sind.

Die Länder Mittel- und Südosteuropas sind auch beliebte Outsourcing-Standorte für den IT-Sektor und die produzierende Industrie. Als Resultat der Betrachtung dieser beiden Branchen ergaben sich für die TPA folgende Erkenntnisse:

  • Die Reihung der einzelnen Länder bei den Personalkosten ändert sich im Wesentlichen nicht.
  • Die Personalkosten von Angestellten im IT-Bereich liegen in allen Ländern über dem Durchschnitt.
  • Die Personalkosten von Arbeitern in der produzierenden Industrie sind durchwegs geringer als im Branchenschnitt ,– in Kroatien beispielsweise sogar um 21 Prozent.

Arbeiter

In Osteuropa zahlen Unternehmen am meisten für Arbeiter in der Slowenien. Auf den Rängen folgen Tschechien, die Slowakei und Polen.


2. Kosten für Manager und leitende Angestellte

Geschäftsführer/Manager

Für den Arbeitgeber fallen für einen Geschäftsführer in Österreich Kosten von im Schnitt rund 337.000 Euro an, in Tschechien sind es rund 200.000 und in Kroatien an die 159.000 Euro.

Führungskräfte

Führungskräfte kosten in Österreich mehr als doppelt so viel wie in Tschechien, dem Land wo für solche Toppositionen in Mittel- und Südeuropa für Unternehmen die höchsten Gesamtkosten anfallen.


So viel vom Lohnt bleibt Mitarbeitern netto

  • In Österreich, wo mit Abstand die höchsten Bruttolöhne gezahlt werden, ergeben sich, trotz hoher Steuern und Sozialversicherungsbeiträge die höchsten Nettobeträge.
  • Nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung ergibt sich aber ein sehr unterschiedliches Bild. Dafür verantwortlich sind Flat-tax, progressiver Steuertarif; Sozialversicherung mit oder ohne Höchstbeitragsgrundlage.

In Österreich und Slowenien steigt bei sinkender Vergütung das Netto-Gesamtkosten-Verhältnis. Die Gründe dafür sind vor allem das progressive Steuersystem und die hohen SV-Höchstbeitragsgrundlagen.

In Albanien, Bulgarien und Serbien entwickelt sich das Verhältnis von Kosten zu Nettoentgelt entgegengesetzt. Die Gründe sind hier geringe Flat Taxes und niedrigere SV-Höchstbeitragsgrundlagen. Das führt dazu dass gut Verdienende nicht nur in absoluten Zahlen mehr verdienen, sondern auch in Relation zu den Gesamtkosten.

Bulgarien: Gutverdiener profitieren überdurchschnittlich

Die Unterschiede zwischen den Lohn- und Sozialversicherungssystemen zeigt der direkte Vergleich von Österreich und Bulgarien. In Bulgarien erhält ein Geschäftsführer 85 Prozent der auf ihn entfallenden Personalkosten als Nettogehalt überwiesen, einem gering verdienenden Arbeiter verbleiben netto lediglich 65 Prozent.

In Österreich verhält es sich genau entgegengesetzt. Das Nettogehalt des Geschäftsführers beträgt lediglich 49 Prozent der Gesamtkosten, beim Arbeiter hingegen 60 Prozent. Diese konträre Entwicklung ergibt sich einerseits aus einem unterschiedlichen Steuersystem (Flat Tax von zehn Prozent in Bulgarien, progressive Besteuerung mit Grenzsteuersatz von 55 Prozent in Österreich). Wenn einem Geschäftsführer in Bulgarien 85 Prozent nett bleiben, erhält dieser ein Gehalt, das 73,5 Prozent über dem des österreichischen Managers liegt. Wenn der absolute Nettobetrag in den Ländern jedoch stets unter jenem Österreichs liegt.

  • Bulgarien: SV Höchstbeitrag 18.000 Euro
  • Österreich: SV-Höchstbeitrag: 77.700 Euro

Zudem werden in Bulgarien gut Verdiener durch die geringe SV-Höchstbeitragsgrundlage von 18.000 jährlich begünstigt. In Österreich liegt für Spitzenverdiener die Höchstbeitragsgrundlage bei 77.700 Euro jährlich.

Beachtenswert ist außerdem, dass Lebenserhaltungskosten in den einzelnen Staaten höchst unterschiedlich sind. In Österreich sind sie tendenziell am höchsten. Aus der Relation zwischen den gesamten Personalkosten des Arbeitgebers und den Nettobeträgen der Mitarbeiter zeigt sich auch, wie viel der jeweilige Staat anteilig an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ein hebt und unter anderem zur Finanzierung seiner Infrastruktur, der verschiedenen Systeme, der sozialen Sicherheit und anderer wichtiger gemeinwirtschaftlicher Güter und Dienstleistungen verwendet.

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