Mehrwertsteuer-Senkung: Das müssen Unternehmen beachten

Seit 1. Juli 2020 gilt in der Gastronomie, Hotellerie, Kultur, Printmedien und für E-Books ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von fünf Prozent. Die Senkung der Mehrwertsteuer gilt bis 31. Dezember 2020. Was sich ändert, worauf Unternehmen bei der Umsetzung achten müssen, was bei Pauschalangeboten gilt.

Thema: Steuertipps
Mehrwertsteuer-Senkung: Das müssen Unternehmen beachten

Für Gastronomen, Hoteliers, Verlage und andere von der Mehrwertsteuer-Reduktion betroffene Unternehmen sind derzeit hektische Tage, denn die Umstellung und damit verbundene technische Änderungen mussten nahezu von einem Tag auf den anderen erfolgen. Veronika Seitweger, Umsatzsteuer-Spezialistin bei TPA, erklärt welche Leistungen begünstigt sind und wie die Umsetzung zu handhaben ist.


Wann die 5-Prozent-Steuersatz in der Gastronomie zutrifft Speisen und alkoholische und nichtalkoholische Getränke sind im Gastgewerbe seit Juli mit fünf Prozent zu versteuern. Das gilt auch für Speisen und Getränke, die im gewerblichen Nebengewerbe ausgegeben werden, etwa von Bäckereien, Konditoreien und Fleischhauereien und Ähnlichem. Ein solches begünstigtes gewerbliches Nebengewerbe liegt vor, wenn neben dem Verkauf von branchenspezifischen Waren auf bis zu acht Plätzen Speisen und Getränke serviert werden. Dazu zählt auch die Verköstigung durch Mittagsmenüs.

Wann für Pauschalleistungen der ermäßigte Steuersatz gilt
Nach heftiger Kritik der Hotelbranche begünstigt das Gesetz nun auch die Hotellerie. Dadurch unterliegen auch Halb- und Vollpensionen inklusive Tischgetränke dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von fünf Prozent. Auch Packages und All-Inclusive-Angebote fallen unter den begünstigten Umsatzsteuersatz, sofern sie mit regelmäßig mit der Beherbergung verbundenen Nebenleistungen angeboten werden.

In steuerbegünstigten Packages dürfen folgende Leistungen angeboten werden, wenn dafür kein besonderes Entgelt verrechnet wird:
• Vermietung von Parkplätzen, Garagenplätzen oder Hotelsafes
• Kinderbetreuung
• Überlassung von Wäsche (Bademäntel)
• Verleih von Liegestühlen, Fahrrädern, Sportgeräten
• Bereitstellung von Tennis-, Ski-, Golf- oder Reitlehrern
• Abgabe von Lift- und Eintrittskarten
• Wellness-Leistungen
• und anderes

Welche Urlaubsangebote ausgeschlossen sind
Golf(trainings)-, Segel- oder Tenniswoche und die damit zusammenhängende intensive Benutzung der Sporteinrichtungen sowie die Trainerstunden gelten nicht mehr als Nebenleistung zur Beherbergung. Diese können daher nicht als Gesamtpaket zum ermäßigten Umsatzsteuersatz angeboten werden, sondern müssen entsprechend aufgeteilt werden.

Camping-Komplett-Paket USt-vergünstigt
Auch Camping wird steuerlich billiger, den auch die Vermietung von Stellplätzen und die Nutzung von dafür vorgesehen Gemeinschaftsräumen, Strom- und Gasanschlüssen, Koch- und Bügelplätzen oder etwa der Eintritt für den Badestrand unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz, vorausgesetzt allerdings es wird dafür ein einheitliches Entgelt verrechnet.

Der neue ermäßigte Steuersatz begünstigt Lieferungen, Einfuhren und Käufen innerhalb der EU:
- Printmedien und E-Publikationen
- Bücher, Broschüren, Zeitungen, Magazine und ähnliche Drucke
- E-Books
- Bilderalben
- Bilderbücher
- Zeichen- oder Malbücher für Kinder
- Landkarten und Führer
- Kunstgegenstände
- Vollständig mit der Hand geschaffene Gemälde
- Künstlerische Fotografien
- Originale der Bildhauerkunst
- Sonstige begünstigte Kunstgegenstände

Diese Dienstleistungen unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz:
- Umsätze von Künstlern
- Eintritte inklusive Nebenleistungen für
- Theater
- Konzerte
- Museen
- Botanische und zoologische Gärten
- Filmvorführungen
- Kinos
- Zirkusse

2. Ab wann gelten die Änderungen?
Die betroffenen Unternehmen müssen dazu internen Systeme und Kassen so rasch wie möglich umstellen, ansonsten muss bis zur Umstellung jede Rechnung händisch ausgebessert werden. Das Finanzministerium hat zu den notwendigen Änderungen in den Registrierkassen bereits die wichtigsten Fragen und Antworten dazu veröffentlicht.

3. Wie sind die Rechnungen auszustellen?
Der ermäßigte Steuersatz ist keine Kann-Bestimmung, diese ist vielmehr zwingend umzusetzen. Ist die technische Umstellung noch nicht erfolgt, muss jede Rechnung händisch ausgebessert und damit berichtigt werden. Sollte versehentlich ein höherer Steuersatz ausgewiesen werden, muss auch der höhere Betrag aufgrund der Rechnungslegung an die Finanz abgeführt werden sofern nicht berichtigt wurde

4. Muss der Steuervorteil weitergegeben werden?
Das Besondere daran: Der Preisvorteil muss nicht an den Kunden weitergegeben werden.
„Überlegen Sie sich die Preisgestaltung genau, denn der Unternehmer, der die Leistung empfängt, hat aufgrund der geringeren Steuer auch einen geringeren Vorsteuerabzug“, so Umsatzsteuer-Spezialistin Seitweger.

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