Mehrwertsteuer: Neue Regeln für den E-Commerce in der EU

Die neuen Mehrwertsteuervorschriften für Online-Einkäufe treten in Kraft. Sie bringen einheitlichere Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen, vereinfachen den grenzüberschreitenden elektronischen Handel und schaffen mehr Transparenz.

Mehrwertsteuer: Neue Regeln für den E-Commerce in der EU

Der Online-Handel in der EU bekommt mit 1. Juli 2021 einen neuen steuerlichen Rahmen, der für Online-Verkäufer, Marktplätze und sonstige Plattformen, Post- und Kurierdienste, Zoll- und Steuerbehörden sowie Konsumenten innerhalb und außerhalb der EU neue Regeln bringt.

Der wichtigste Punkt in der Reform des zuvor zum letzten Mal im Jahr 1993 adaptierte Steuersystems ist, dass die auf Online-Verkäufe fällige Mehrwertsteuer nunmehr an das Land des Verbrauchers geht. Die neuen Vorschriften sollen zudem Käufern und Händlern das Leben erleichtern. Geändert wird zurdem die Art und Weise, wie die Mehrwertsteuer auf Online-Verkäufe erhoben wird – unabhängig davon, ob die Konsumenten bei Händlern innerhalb oder außerhalb der EU Käufe tätigen.


Die neuen Bestimmungen

1. Neue EU-weite Schwellenwerte.

Die bestehenden Schwellenwerte für den Fernverkauf von Waren an Käufer in anderen EU-Mitgliedstaaten (je nach Mitgliedstaat 35 000 EUR oder 100 000 EUR) werden abgeschafft und durch einen neuen EU-weiten Schwellenwert von 10 000 EUR ersetzt.

Unterhalb dieses Schwellenwerts können Sie weiterhin die nationalen Vorschriften für die Mehrwertsteuer (einschließlich der KMU-Befreiungsschemata) auf Ihre grenzüberschreitenden Verkäufe anwenden. Wenn Ihr Umsatz über diesem Schwellenwert liegt, sind Sie in dem Mitgliedstaat, in dem sich Ihre Käufer befinden, für die Mehrwertsteuer verantwortlich. Sie können sich aber einfach bei der einzigen Anlaufstelle (OSS) registrieren – wo sie die in anderen Mitgliedsstaaten fällige MwSt. einfach erklären und abführen können.


2. Aufhenung der Mehrwertsteuerbefreiung bei der Einfuhr.

Waren, die von Nicht-EU-Unternehmen im Wert von weniger als 22 EUR in die EU eingeführt wurden, waren bisher von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Mehrwertsteuerbefreiung wird aufgehoben. Die Mehrwertsteuer wird damit künftig auf alle Waren erhoben, die in die EU eingeführt werden. Genauso ist es bereits für Waren, die von EU-Unternehmen verkauft werden.

Die EU-Kommission argumentiert diesen Schritt als Schutz für Verkäufer in der EU, die unter anderem auch durch falsch gekennzeichnete Waren von externen Händlern einen Wettbewerbsnachteil hatten.


3. Einfachere Mehrwertsteuerregistrierung.

Bisher mussten Händler in jedem Mitgliedstaat, in dem sie einen bestimmten Mindestumsatz erzielten eine eigene Mehrwertsteuerregistrierung veranlassen, wobei die Schwellenwerte von Land zu Land unterschiedlich hoch waren. Nun gilt ein einheitlicher, gemeinsamer EU- Schwellenwert von 10 000 Euro. Ab diesem Wert ist die Mehrwertsteuer in dem Mitgliedstaat zu entrichten, in den die Erzeugnisse geliefert werden.

Um Unternehmen den Verkauf in andere Mitgliedstaaten zu erleichtern, können sich Online-Verkäufer nunmehr im elektronischen Portal One Stop Shop (OSS) registrieren lassen. Dort können sie alle ihre Mehrwertsteuerpflichten für ihre Verkäufe in der gesamten EU wahrnehmen. Sobald ein Haändler registriert ist, kann er die Mehrwertsteuer im OSS für alle seine Verkäufe in der EU über eine vierteljährliche Erklärung anmelden und abführen. Der OSS übernimmt die Übermittlung der Mehrwertsteuer an den jeweiligen Mitgliedstaat.

Weitere Informationen zur OSS finden Sie hier


4. Import One Stop Shop.

Ein neuer Import One Stop Shop (IOSS) ermöglicht Verkäufern von außerhalb der EU eine einfache Mehrwertsteuer-Registrierung und stellt sicher, dass der korrekte Mehrwertsteuerbetrag dem Mitgliedstaat zugeführt wird, in dem die Mehrwertsteuer zu entrichten ist.

Die IOSS erleichtert die Erhebung, Erklärung und Zahlung der Mehrwertsteuer für Verkäufer, die Fernverkäufe von importierten Waren an Käufer in der EU tätigen. Die IOSS erleichtert den Prozess auch für den Käufer, der erst zum Zeitpunkt des Kaufs zur Zahlung gebeten und daher bei der Lieferung nicht von versteckten Gebühren überrascht wird. Ist der Verkäufer nicht bei der IOSS registriert, muss der Käufer die Mehrwertsteuer und gewöhnlich eine Zollgebühr zahlen, die vom Transportunternehmen zum Zeitpunkt der Einfuhr der Waren in die EU erhoben wird.

Für die Konsumenten bringt das neue System zudem mehr Transparenz: Bei Käufen außerhalb der EU sollte die Mehrwertsteuer im Verkaufspreis inbegriffen sein.

Weitere Informationen zur IOSS finden Sie hier

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