Gruppenbesteuerung: Was tun bei Verlusten

Unerwartete Verluste, wie durch COVID-19, können die optimale Steuergestaltung von Konzernen, die die Gruppenbesteuerung nutzen, durcheinander bringen. Wie Verluste durch Neugründung, Umgründung oder Auflösung der Unternehmensgruppe steuerlich minimiert werden können.

Thema: Steuertipps
Gruppenbesteuerung: Was tun bei Verlusten

Unerwartete Verluste sollten zumindest steuerlich so gut als möglich abgefedert werden.

Covid-19 wirbelt viele Gewinnziele von Unternehmen durcheinander. Gerade bei größeren Unternehmen, die die Gruppenbesteuerung nutzen, kann das bei ungeplanten Verlusten die optimale Steuergestaltung ändern. Die Steuerexperten der TPA sagen, was bei Verlusten innerhalb einer Firmengruppe empfehlenswert sein kann.

Die Gruppenbesteuerung hat das Ziel, zwei oder mehrere meist inländische Unternehmungen gemeinsam zu besteuern. Dabei wird das Ergebnis verbundener Unternehmen einem gemeinsamen Gruppenträger zugerechnet, der an den anderen unmittelbar oder mittelbar mehrheitlich beteiligt ist. Das gibt diesen Unternehmen einige steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten. Aber in Zeiten von COVID 19 kann sich diese steueroptimale Gestaltung durch ungeplante Verluste ändern.

Was bei Verlusten empfehlenswert sein kann

Innerhalb einer Unternehmensgruppe ist es möglich, steuerliche Verluste einzelner Gesellschaften mit steuerpflichtigen Gewinnen anderer Gesellschaften der Unternehmensgruppe zu verrechnen. Die Besteuerung erfolgt summiert nur auf Ebene des Gruppenträgers, sodass vortragsfähige steuerliche Verluste früher verwertet werden. Eine der Voraussetzungen für die Gruppenbesteuerung ist der Abschluss eines Steuerumlagevertrages. Ausländische Tochtergesellschaften in diese steuerliche Kalkulation miteinzubeziehen ist aber nur eingeschränkt möglich und steuerlich nur in wenigen Fällen auch sinnvoll.

1. Neugründung der Unternehmensgruppe

„Erwartet ein Unternehmen, aufgrund der COVID 19 Situation, für einzelne Gesellschaften innerhalb eines Konzerns ein negatives Jahresergebnis, für andere aber ein positives, kann die Neugründung einer Unternehmensgruppe steuerlich sinnvoll sein“, so Steuerexperte Gottfried Sulz von der TPA.

2. Erweiterung der Gruppe


Besteht bereits eine Unternehmensgruppe, empfiehlt sich eine Prüfung, welche Gesellschaften Teil der steuerlichen Unternehmensgruppe sind und ob die Möglichkeit besteht, in die Unternehmensgruppe weitere Gesellschaften aufzunehmen, die aufgrund von COVID 19 im heurigen Jahr 2020 und vielleicht sogar noch länger Verluste erwirtschaften werden.

Vorgruppenverluste geltend machen
Die vor der Gruppenbildung entstandenen Verlustvorträge in der Tochtergesellschaft können als Vorgruppenverluste geltend gemacht werden. Für diese Verluste gilt die 75-prozentige Verrechnungsgrenze nicht. Diese können bis zur vollen Höhe des Gewinns des Gruppenmitglieds zu 100 Prozent verrechnet werden.

Gruppe muss drei Jahre bestehen, sonst müssen die Steuern zurückbezahlt werden
Eine Unternehmensgruppe muss jedoch mindestens drei volle Jahre bestehen, sonst werden die bereits veranlagten Jahre rückabgewickelt und steuerlich so behandelt, als hätte die Unternehmensgruppe nie bestanden. Das ist etwa der Fall, wenn die Anteile innerhalb von drei Jahren verkauft wurden.

3. Auflösung der Gruppe, um eine Teilwertabschreibung vorzunehmen

Besteht eine steuerliche Unternehmensgruppe, so sind Teilwertabschreibungen auf die Beteiligungen an Gruppenmitgliedern steuerlich nicht abzugsfähig. Verliert eine Beteiligung an einem Tochterunternehmen durch COVID 19 nachweislich an Wert, kann es vorteilhaft sein, die steuerliche Unternehmensgruppe im Jahr 2020 aufzulösen. Dies ist, wenn der Steuerumlagevertrag es erlaubt, bis zum 30.12.2020 mit steuerlicher Wirkung ab 1. Jänner 2020 (bei einem Bilanzstichtag zum 31.Dezember) möglich. Die Auflösung bewirkt, dass der steuerliche Verlust in der steuerlich eigenständigen Tochter-GmbH als Verlustvortrag verbleibt.

Verluste "verdoppeln" sich aus steuerlicher Sicht
Die Auflösung der Unternehmensgruppe führt dazu, dass - sofern die Voraussetzungen einer Teilwertabschreibung auf die Beteiligung vorliegen - diese steuerwirksam durchzuführen ist. Steuerlich kommt es so zu einer „Verdoppelung“ des Verlustes. Die Teilwertabschreibung ist auf sieben Wirtschaftsjahre linear zu verteilen.

Späteren Gewinnen den Beteiligungen zuschreiben
Ist das Tochterunternehmen in den darauffolgenden Geschäftsjahren wieder profitabel und steigt der Wert der Beteiligung, ist eine steuerpflichtige Zuschreibung der Beteiligung vorzunehmen, wenn die Zuschreibungspflicht nicht durch entsprechende Maßnahmen, wie der Verkauf der Beteiligung in der Gruppe, verhindert wird. Sulz: "Bei Zuschreibung können noch nicht geltend gemachte offene Siebentel sofort gegen verrechnet werden."

4. Verluste durch Umgründung verwerten


Weiters besteht die Möglichkeit, erwartete Verluste durch Umgründung verwertbar zu machen.
Eine Nichtgruppen-Gesellschaft, die durch COVID 19 Verluste erwirtschaftet, könnte beispielsweise mit einem Gruppenmitglied, das Gewinn schreibt, verschmolzen werden, um so die im Jahr 2020 entstehenden Verluste innerhalb der Gruppe geltend machen zu können. Denkbar wäre auch rückwirkend Anteile an einer Gesellschaft (Nichtgruppenmitglied) in ein Gruppenmitglied einzubringen.

Teilwertabschreibung jährlich verwerten
Sofern diese Gesellschaft nicht in die Gruppe aufgenommen wird, kann eine Teilwertabschreibung auf die eingebrachten Anteile steuerwirksam geltend gemacht werden und diese innerhalb der Unternehmensgruppe jährlich zu einem Siebentel verwertet werden.


Umgründung nur zeitlich begrenzt möglich
Umgründungen können derzeit allerdings nur neun Monate rückwirkend durchgeführt werden. Unternehmensstrukturen und die voraussichtlichen Ergebnisse sollten daher rechtzeitig geprüft werden, damit solche Umgründungen noch bis 30. September (bei Unternehmen mit Bilanzstichtag 31.12.) zeitgerecht durchgeführt werden können.

Es gibt eine Initiative zur befristeten Verlängerung der Rückwirkungsfrist auf zwölf Monate, allerdings gibt es keinen konkreten Gesetzesentwurf. Deutschland hat demgegenüber seine Frist vorübergehend von derzeit acht auf zwölf Monate verlängert, die entsprechenden Gesetze treten demnächst, voraussichtlich im Mai, in Kraft.

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