Digitalsteuer: So werden Großkonzerne künftig besteuert

Digitalsteuer: So werden Großkonzerne künftig besteuert

Digitalsteuer: Ab 2020 werden Digitalkonzerne wie Google & Co erstmals vom Fiskus zur Kasse gebeten. Welche Unternehmen die neue Steuer trifft, was besteuert wird, was ein Onlinewerbeleister in diesem Zusammenhang zu tun hat und wann die Steuer abzuführen ist, welche Aufzeichnungspflichten kommen sollen.

Bisher wurde für die Steuerzahlungen nur klassische Werbung in Printmedien, Radio, Fernsehen und auf Plakaten erfasst. Einnahmen aus digitalen Werbeformaten waren steuerfrei. Das soll sich mit dem Jahr 2020 ändern. Ab dem 1. Jänner 2020 diesem Zeitpunkt soll auch Onlinewerbung besteuert werden. Allerdings betrifft die Steuerpflicht keine kleinen Unternehmen, sondern digitale Großkonzerne, die hierzulande Onlinewerbung machen. Die Details dazu von TPA Steuerberater Gerald Kerbl.

Unternehmen unterliegen der neuen Besteuerung, wenn

  • der weltweite Umsatz mindestens 750 Millionen Euro pro Jahr beträgt und
  • in Österreich ein Umsatz von mindestens 25 Millionen Euro pro Jahr aus Onlinewerbeleistungen erzielt wird.
  • Bei multinationalen Unternehmensgruppen ist auf den Umsatz der gesamten Gruppe abzustellen.

Ein Onlinewerbeleister ist ein Unternehmen, das Onlinewerbeleistungen gegen Entgelt erbringt oder dazu beiträgt. Österreichische Unternehmen werden aufgrund der hohen Umsatzschwellen von der neuen Regelung faktisch nicht betroffen sein, außer sie sind mit entsprechenden ausländischen Konzernen verbunden.


Weitere Fakten zur Digitalsteuer

1. Was besteuert wird

Besteuert werden künftig Onlinewerbeleistungen, die im Inland gegen Geld erbracht werden. Als Leistungen gelten Bannerwerbung oder Suchmaschinenwerbung, wenn diese unter folgenden Voraussetzungen erbracht werden:

  • Die Onlinewerbung scheint auf dem Gerät eines Nutzers mit inländischer IP-Adresse auf und
  • sie richtet sich nach ihrem Inhalt und ihrer Gestaltung (auch) an inländische Nutzer.

Um ein Unternehmen zu besteuern, reicht es aus, wenn ein Link auf dem Gerät des Nutzers aufscheint. Ob der einzelne Nutzer die Werbung tatsächlich anklickt oder ansieht, ist unerheblich. Diese Frage ist lediglich für die Bemessung des Entgelts des Auftraggebers entscheidend.

2. Die Höhe der Digitalsteuer

Die Digitalsteuer beträgt fünf Prozent vom Entgelt, das der Onlinewerbeleister von seinem Auftraggeber erhält. Die EU hatte ursprünglich drei Prozent geplant.

3. Fristen für die Steuerzahlung

Der Onlinewerbeleister muss die Digitalsteuer selbst berechnen und bis zum 15. des zweitfolgenden Monats an das Finanzamt für Großbetriebe entrichten. Auch eine Jahressteuererklärung ist erforderlich; diese ist innerhalb von drei Monaten nach Ablauf des Wirtschaftsjahres beim Finanzamt einzureichen.

4. Was die Steuererklärung beinhalten muss

  • Arten der erbrachten Onlinewerbeleistungen einschließlich der dazugehörigen Entgelte und
  • die Höhe der weltweit erzielten Umsätze des Unternehmens.

Eine automatisierte Lösung ist geplant. Die technischen Details dazu sollen in einer Durchführungsverordnung konkretisiert werden. Der Finanzminister kann außerdem künftig per Verordnung Anpassungen des Gesetzes vorzunehmen, um möglichst flexibel auf neue Entwicklungen im Bereich der Digital Economy und auf EU-Ebene reagieren zu können.

5. Wie die Auszeichnungspflicht funktioniert

Hinzu kommt, dass Onlinewerbeleister künftig verpflichtet sind eine genaue Liste darüber zu führen, bei welchem Nutzer welche Werbung in den letzten sieben Jahren aufgeschienen ist. Dazu müssen IP-Adresse und Standortdaten der Nutzer gespeichert werden.


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