Steuererklärung für kleine Firmen bald ohne Antrag?

Steuererklärung für kleine Firmen bald ohne Antrag?

Pauschalen für Betriebsausgaben sollen, wenn es nach der Wirtschaftskammer Wien geht, Kosten und Aufwand eindämmen. Unternehmer müssten Finanzamt nur noch Jahresumsatz melden. Warum die Steuerberater diesem Vorschlag kritisch gegenüberstehen.

Gerade für Ein-Personen-Unternehmen ist die eigene Steuererklärung mühsam und wenn das ein Steuerberater übernimmt, verhältnismäßig teuer. 500 bis 1.000 Euro muss man allemal dafür budgetieren. Die Wiener Wirtschaftskammer (WKW) fordert deshalb die automatisierte Einkommenssteuererklärung für Kleinbetriebe. Damit sollen sich Ein-Personen-Unternehmen (EPU) mit bis zu 30.000 Euro Jahresumsatz die oft mühsame Antragstellung beim Finanzamt ersparen, erläuterte WKW-Chef Walter Ruck. Nur noch der Umsatz müsste der Behörde gemeldet werden.

Für Unselbstständige gibt es bereits die automatische Arbeitnehmerveranlagung. Analog dazu wünscht sich Ruck nun ein ähnliches Modell für EPU. Denn das jetzige System bedeute für Kleinunternehmer hohe Kosten: Laut Kammer zahlen Unternehmen dieser Größenordnung jährlich sogar im Schnitt 1.000 Euro für Steuerberaterleistungen. Dazu kämen eine aufwändige Buchführung, allerlei Formulare und viel bürokratischer Aufwand - beispielsweise durch das Sammeln etlicher Belege.

Aufwendiges Rechnungen sammeln und den richtigen Positionen in der Einkommenssteuererklärung zuordnen, hätte ein Ende

Künftig soll dies alles wegfallen. "Gemeldet wird nur der Jahresumsatz, den Rest wickelt das Finanzamt automatisch ab", erklärte Manfred Zipper, in der WKW für Finanzpolitik zuständig. Berechnet werden soll der formularlose Einkommenssteuerbescheid über Betriebsausgabenpauschalen. Dafür schlägt die Kammer grundsätzlich drei Kategorien vor.

Schon bisher für viele Berufsgruppen Pauschalen

Bei Dienstleistungen wird die Betriebsausgabenpauschale mit 30 Prozent, im Produzierenden Gewerbe mit 50 Prozent und im Handel mit 70 Prozent berechnet. Für Unternehmer, die keine Sozialversicherung bezahlen - weil sie etwa mitversichert oder zusätzlich angestellt sind -, werden die Sätze mit 15, 35 und 55 Prozent berechnet. Die Höhen seien eine Summe aus Erfahrungswerten und jetzt schon existierenden Teilpauschalierungen, die geltend gemacht werden könnten.

Automatisierter Antrag soll nicht verpflichtend sein

Das vorgeschlagene Modell soll allerdings kein Muss sein, so Ruck. Unternehmer, die glauben, durch die Pauschalen schlechter auszusteigen, könnten weiterhin nach jetzigem System einmelden. Jedenfalls könnten 200.000 Unternehmer österreichweit profitieren, 40.000 davon in der Bundeshauptstadt. Unter der Annahme, dass die Hälfte aller Selbstständigen vom Angebot Gebrauch macht, blieben den Unternehmern im ganzen Land rund 100 Mio. Euro in der Tasche, rechnete Zipper vor.

Ruck sagte, es habe in der Sache bereits erste Kontakte mit Finanzminister Hartmut Löger (ÖVP) gegeben: "Wir hoffen, dass es gelingen wird, ihn davon zu überzeugen." Wobei sich die Kammer vorstellen kann, das Modell mittelfristig auch auf Betriebe mit mehr als 30.000 Euro Jahresumsatz auszuweiten.

Steuerberater zweifeln an der Sinnhaftigkeit

Die Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sieht die Idee der Wirtschaftskammer für eine antragslose Steuererklärung ambivalent. Freilich brauche es Vereinfachungen für die Betriebe, allerdings könnten Unternehmer, die die vorgeschlagene Pauschalierung der Betriebsausgaben in Anspruch nehmen, schlechter aussteigen, warnte Präsident Klaus Hübner.

Im Einzelfall oft nicht klar, was besser ist

Den Vorschlag der Kammer finde man per se nicht schlecht. Allerdings gebe es bereits Erfahrungen mit Pauschalierungen. "Da kommen die Leute dann oft zu uns und fragen: Was ist besser für mich? Pauschale oder genaue Abrechnung?", schilderte Hübner. Und laut seinen Angaben gibt es "etliche Beispiele, wo die Ersparnis durch die Unterstützung eines Steuerberaters höher ist als das anfallende Honorar", warb er für die Branche.

100.000 Selbstständige könnten automatisches System nutzen - Steuerberater zweifeln daran

Die Wirtschaftskammer Wien hat vorgerechnet, dass bei 100.000 erwarteten Selbstständigen, die das automatische System nutzen würden, käme man österreichweit auf eine jährliche Ersparnis von 100 Mio. Euro. Hübner bezweifelt diese Zahl. Aber selbst wenn sie tatsächlich bei einer ähnlichen Größenordnung liegen würde, macht er sich keine Sorgen um das Geschäft der Steuerberater - denn: "Unser Branchenumsatz liegt bei 2,5 Mrd. Euro im Jahr."

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