Ab welchem Gewinn eine GmbH sinnvoll ist

Ab welchem Gewinn eine GmbH sinnvoll ist

GmbH ja oder nein? Viel hängt davon ab, ob Gewinne reinvestiert werden oder nicht.

So mancher Unternehmer spielt mit dem Gedanken eine GmbH zu gründen, doch es lohnt sich nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. TPA Experte Wolfgang Piribauer sagt, unter welchen Umständen steuerlich eine GmbH sinnvoll ist und wann ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft besser ist. Plus Beispielrechnungen.

Eine GmbH zu gründen, klingt für viele verlockend, lässt ein solcher gesetzlicher Rahmen doch auch auf einen gewissen Geschäftserfolg schließen. Mit gutem Grund, denn die Gründung einer GmbH zahlt sich aus steuerlicher Sicht erst ab einer bestimmten Höhe des Jahresgewinns aus.

GmbH-Gretchenfrage: Gewinn ausschütten oder reinvestieren?
Wie hoch der Gewinn mindestens sein sollte, die die Gründung einer GmbH steuerlich rechtfertigen, hängt stark davon ab, ob die Gewinne voll ausgeschüttet werden oder nicht, bzw ob Einzelunternehmer oder die Gesellschafter einer Personengesellschaft den Gewinnfreibetrag im maximalen Ausmaß in Anspruch nehmen. „Ist beides der Fall lohnt sich die Gründung einer GmbH erst jenseits eines Gewinns von 500.000 Euro“, stellt TPA Steuerexperte Wolfgang Piribauer klar.

Wie der Gewinnfreibetrag die Steuerlast senkt - eine Beispielrechnung
So können nur Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften den Gewinnfreibetrag in Anspruch nehmen. Dieser reduziert den steuerpflichtigen Gewinn um 13 Prozent - für Gewinne bis 175.000 Euro - darüber hinaus reduziert sich der Gewinnfreibetrag in mehreren Stufen. Für Gewinne über 580.000 Euro steht kein Gewinnfreibetrag mehr zu. Bei einem Gewinn von beispielsweise 150.000 Euro beträgt der maximale Gewinnfreibetrag 19.500 Euro und man versteuert so nur 130.500 Euro. Die Steuerersparnis beträgt 50 Prozent von 19.500, das sind 9.750 Euro. Der Grenzsteuersatz reduziert sich durch den Gewinnfreibetrag bei einem Einkommen ab 90.000 Euro von 50 Prozent auf 43,5 Prozent.

GmbH mit Gewinnausschüttung: Mit 45,6 Prozent besteuert
Die Gründung einer GmbH sollte man sich in jedem Fall zweimal überlegen. So kann für GmbHs kein Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Und die Steuerlast für eine GmbH, die Gewinne laufend ausschüttet, ist relativ hoch. So werden GmbHs, unabhängig von der Höhe des Gewinns, stets mit 45,625 Prozent besteuert. Der Steuersatz für eine solche Kapitalgesellschaft setzt sich aus einer 25 prozentigen Körperschaftssteuer (KöSt) und einer Kapitalerstragssteuer (KESt) in Höhe von 27,5 Prozent zusammen.

Werden die Gewinne hingegen wieder in das Unternehmen reinvestiert, kann sich eine GmbH aus steuerlicher Sicht bereits bei wesentlich niedrigeren Gewinnen lohnen.

Beispiel 1: So viel Gewinn bleibt GmbHs, wenn sie Kredite laufen haben
Angenommen der Gewinn einer GmbH steigt von 100.000 Euro in den Vorjahren auf 200.000 Euro im laufenden Jahr. Die zusätzlichen 100.000 Euro sollen zur Rückzahlung eines Bankkredits verwendet werden, anstatt sie an die Gesellschafter auszuschütten. Auf den zusätzlichen Gewinn fallen zuerst 25 Prozent KÖSt an, also 25.000 Euro. Nach Steuern verbleibt der Gesellschaft somit ein Gewinn von 75.000 Euro für die Kreditrückzahlung.

Beispiel 2: So viel weniger bleibt Einzelunternehmen, für Kreditrückzahlungen
Im Vergleich dazu muss ein Einzelunternehmer bei einem Gewinnanstieg von 100.000 Euro auf 200.000 Euro selbst bei Ausnützung des zusätzlichen Gewinnfreibetrags von 11.500 Euro eine zusätzliche Einkommensteuer in Höhe von 44.250 Euro bezahlen. Diesem bleiben daher nur 55.750 Euro für die Kreditrückzahlung. Das gilt unter der Annahme, dass die notwendigen Investitionen für den Gewinnfreibetrag wiederum kreditfinanziert werden, andernfalls bleiben nur 44.250 Euro für die Kreditrückzahlung.

Investieren oder Kredit abstottern, beides wird steuerlich belohnt
So werden bei einer GmbH Gewinne, die im Unternehmen bleiben, vorerst nur mit 25 Prozent KöSt besteuert. Wenn die künftige Expansion des Unternehmens oder hohe Kredite aus laufenden Gewinnen finanziert werden und daher keine oder nur geringe Ausschüttungen erfolgen, kann sich daher eine GmbH schon bei vergleichsweise niedrigen Gewinnen aus steuerlicher Sicht auszahlen. Kapitalertragssteuer fällt erst an, wenn Gewinne zu einem späteren Zeitpunkt an die Gesellschafter ausgeschüttet werden.

Pflichten einer GmbH
Bei einer GmbH sind jedoch die rechtlichen Anforderungen deutlich höher als bei einem Einzelunternehmen. So ist eine GmbH verpflichtet eine Bilanz zu legen und den (verkürzten) Jahresabschluss binnen neun Monaten beim Firmenbuch einzureichen.

Unter 700.000 Euro Gewinn: Wann Einzelunternehmer und Personengesellschaft besser sein können
Bei Einzelunternehmern und Personengesellschaften reicht dagegen bei Umsätzen unter 700.000 Euro eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, zudem können diese den Gewinnfreibetrag beanspruchen. Bei Umsätzen bis 220.000 Euro kann auch eine Betriebsausgabenpauschale in Höhe von in der Regel zwölf Prozent des Umsatzes genutzt werden. Die Möglichkeiten den Grundfreibetrag und die Ausgabenpauschale zu nutzen, wirken sich günstig auf die Steuerbemessungsgrundlage und damit auf die Höhe der Einkommensteuer aus.

Nützlicher Rechtsformenrechner
Wer sich dennoch nicht sicher ist, welche Rechtsform die passende für sein Unternehmen ist, dem bietet der TPA Rechtsformrechner eine gute Möglichkeit, verschiedenen Varianten durchzurechnen. So erhalten Unternehmen rasch und einfach einen Überblick über die steuerliche Situation und sehen so, wie sie das rechtliche Korsett so ausgestalten, dass die Steuerlast möglichst niedrig ausfällt.

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