Betriebsverluste mit Vorjahren gegenrechnen: So geht es

Erstmals ermöglicht es ein neues Gesetz Bilanzierern und Einnahmen- und Ausgaben-Rechnern Verluste aus Vorjahren in der Veranlagung zu berücksichtigen. Was das für Gewinnfreibetrag, SVS-Beiträge bedeutet. Wann es besser sein kann, keinen Verlustrücktrag zu beantragen.

Thema: Steuertipps
Betriebsverluste mit Vorjahren gegenrechnen: So geht es

Verluste aus Vorjahren können erstmals gegengerechnet werden.

Viele Firmen beenden dieses Jahres 2020 mit tiefroten Zahlen. Doch dieses in Zahlen gegossene verunglückte Wirtschaftsjahr kann abgemildert werden. Erstmals dürfen Unternehmen, auf Basis des Konjunkturstärkungsgesetzes 2020, Verluste nicht nur in das nächste Jahr vortragen, sondern auch auf bis zu zwei Jahre rücktragen und so die Verluste von 2020 mit Gewinnen aus der Vergangenheit gegenrechnen und so die Steuerlast erheblich senken.


Gottfried Sulz, Steuerexperte der TPA Steuerberatung, gibt einen Überblick über die wichtigsten Bestimmungen der COVID-19-Verlustberücksichtigungsverordnung und erklärt das Zusammenspiel einzelner Punkte.
Die Verordnung, die aus dem neuen Gesetz resultiert, besteht aus drei Teilen:
• Die COVID-19-Rücklage im Jahr 2019 mit Nachversteuerung 2020
• Die rückwirkende Herabsetzung der Vorauszahlungen 2019
• Den Verlustrücktrag des Verlustes 2020 in das Jahr 2019 und eventuell auch 2018.

Covid-19-Rücklage: Antrag stellen
Die Bildung der COVID-19-Rücklage steht sowohl Bilanzierern als auch Einnahmen-Ausgaben-Rechnern zu. Firmen, die für 2020 betriebliche Verluste erwarten, können auf Antrag bereits im Rahmen der Veranlagung 2019 durch einen besonderen Abzugsposten, die COVID-19-Rücklage, vorsorgen.

Saldo von Gewinn und Verlust gilt
Die betrieblichen Verluste des heurigen Jahren 2020 werden in der Veranlagung 2019 vom Gesamtbetrag der betrieblichen Einkünfte abgezogen. Als Gesamtbetrag der betrieblichen Einkünfte gilt der Saldo der veranlagungspflichtigen Gewinne und Verluste. Nicht hineingerechnet werden nicht veranlagungspflichtige Einkünfte, etwa aus befreiten Auslandseinkünften.

Gewinnfreibetrag bleibt unberührt
Durch den Abzugsposten außerhalb der einzelnen Einkünfte und Einkunftsarten bleibt die Höhe der einzelnen Einkünfte unverändert, daher hat die Rücklage keine Auswirkungen auf den Gewinnfreibetrag und die Bemessung der Sozialversicherungsbeiträge. Bei Gesellschaften, deren Gesellschafter ein Mitunternehmer ist, ist die COVID-19-Rücklage bei der Veranlagung der einzelnen Mitunternehmer zu beantragen.

Voraussetzung für vereinfachten Antrag und bis zu 30 Prozent steuerfrei
Die Rücklage beträgt bis zu 30 Prozent des positiven Gesamtbetrages der betrieblichen Einkünfte 2019, wenn minimale Verluste im Jahr 2020 erwartet werden, aber deren voraussichtliche Höhe nicht berechnet wird. Voraussetzung für diesen vereinfachten Antrag ist auch, dass es 2020 keine Vorauszahlungen gab oder nur in Höhe der Mindestkörperschaftsteuer. Verluste in Höhe von maximal fünf Millionen Euro können gegengerechnet werden. Der Antrag auf Herabsetzung für die Vorauszahlungen 2020 hätte bis spätestens 31. Oktober 2020 gestellt werden müssen.

Das gilt für einen umfassenden Antrag und bis zu 60 Prozent steuerfrei
Die Rücklage beträgt bis zu 60 Prozent des positiven Gesamtbetrages der betrieblichen Einkünfte 2019, wenn die zu erwartenden Verluste 2020 durch entsprechende Berechnungen glaubhaft gemacht werden können. Die Rücklage ist jedoch mit dem niedrigeren Betrag aus den berechneten voraussichtlichen Verlusten 2020 und mit fünf Millionen Euro gedeckelt.

Antrag auf Rücklage trotz Veranlagung 2019 möglich
Wurde das Jahr 2019 betreffend Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer bereits rechtskräftig veranlagt, gilt der Antrag zur Bildung einer COVID-19-Rücklage als rückwirkendes Ereignis. Eine neuerliche Veranlagung 2019 ist somit möglich.

Auflösung der Rücklage kann Progression erhöhen
Im Jahre 2020 erfolgt außerhalb der betrieblichen Einkünfte automatisch die Auflösung und damit Hinzurechnung der Rücklage aus der Veranlagung 2019, ohne irgendeinen Zuschlag. Wie bei der Bildung hat auch die Auflösung keine Auswirkungen auf die Höhe des Gewinnfreibetrages und der Sozialversicherung.
„Die Auflösung der COVID-19-Rücklage im Jahr 2020 in der Einkommensteuer kann die Progression, insbesondere für andere Einkünfte, wie aus Vermietung und Verpachtung, erhöhen. Es kann daher besser sein, die COVID-19-Rücklage im Jahr 2019 gar nicht oder nur teilweise zu beantragen“, rät TPA Steuerexperte Sulz. Sollte nach Hinzurechnung der COVID-19-Rücklage 2020 ein betrieblicher Verlust verbleiben, kann dieser in das Jahr 2019 oder auch 2018 rückgetragen werden.

Was bei der Rücklage für Unternehmensgruppen gilt
Bei Unternehmensgruppen darf die COVID-19-Rücklage nur durch den Gruppenträger gebildet werden, diese Rücklage muss sich auf das zusammengefasste Gruppenergebnis beziehen. Auch die Deckelung mit 30 Prozent oder 60 Prozent bezieht sich auf das Ergebnis der Gruppe. Der Höchstbetrag ergibt sich aus der Anzahl der unbeschränkt und beschränkt steuerpflichtigen Gruppenmitglieder und dem Gruppenträger. Dabei ist für jedes Gruppenmitglied sowie für den Gruppenträger je ein Betrag von fünf Millionen Euro zu berücksichtigen.

Abweichendes Wirtschaftsjahr ermöglicht Wahlrecht
Bei einem abweichenden Wirtschaftsjahr besteht das Wahlrecht, die COVID-19-Rücklage vom voraussichtlichen negativen Gesamtbetrag der betrieblichen Einkünfte 2020 oder vom voraussichtlichen negativen Gesamtbetrag der betrieblichen Einkünfte 2021 zu bemessen. Bei Unternehmensgruppen ist auf das abweichende Wirtschaftsjahr des Gruppenträgers abzustellen.

Rückwirkende Herabsetzung von Vorauszahlungen 2019
Sind die Voraussetzungen für eine COVID-19-Rücklage für 2019 gegeben, kann man beantragen, die Vorauszahlungen an Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer für das Jahr 2019 nachträglich auf die voraussichtliche Höhe des Steuerbescheides herabzusetzen. Bei der Berechnung kann eine COVID-19-Rücklage schon abgezogen werden. „Damit kommt man noch schneller an Liquidität“, so TPA Experte Sulz. Die Höhe der Herabsetzung muss gegenüber dem Fiskus glaubhaft gemacht werden.

Verlustrücktrag bei Einkommen- und Körperschaftsteuer
Im Rahmen der Einkommensteuer und auch der Körperschaftsteuer kann ein Verlust, der sich im Jahr 2020 aus betrieblichen Einkünften ergibt - der an und für sich in das Jahr 2021 vorgetragen wird - mit positiven Einkünften des Jahres 2019, und jenen des Jahres 2018 gegengerechnet werden.

Welche Grenzen für den Rücktrag ins Jahr 2019 gelten
Bis maximal fünf Millionen Euro können in das Jahr 2019 rückgetragen werden. Die bei den Verlustvorträgen bekannte 75prozentige Verrechnungsgrenze gilt nicht für den Verlustrücktrag.

Grenzen für Rücktrag ins Jahr 2018 bzw. Vortrag ins Jahr 2021
Verluste aus 2020, die innerhalb des Höchstbetrages von fünf Millionen Euro bei der Veranlagung 2019 nicht abgezogen werden konnten, können auf Antrag im Ausmaß von nur bis zu zwei Millionen Euro ins Jahr 2018 zurückgetragen werden.
Nicht über den Verlustrücktrag ins Jahr 2019 und 2018 berücksichtigte Verluste aus dem Jahr 2020 sind ab 2021 vortragsfähig und damit abzugsfähig.

Nur Steuerpflichtige, die den Verlust erlitten haben, dürfen diesen auch rücktragen
Sowohl der Verlustvortrag als auch der Verlustrücktrag sind ein höchstpersönliches Recht und können nur bei demselben Steuerpflichtigen erfolgen. Persönlich rücktragsberechtigt ist daher nur derjenige, der den Verlust auch erlitten hat.
Eine Ausnahme bildet eine unentgeltliche Übertragung von Todes wegen auf einen Einzel- oder Gesamtrechtsnachfolger, wenn er den verlustverursachenden Betrieb zu Buchwerten übernommen hat. Bei einer Umgründung wird das Recht auf Verlustrücktrag allerdings unter Umständen als „vernichtet.“

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